Zwei alte Freunde treffen sich nach fast
10 Jahren zum Paddeln

1 - Die Tour

Wer und Wann

Roberto und Holger

4 Tage im Sommer 2002

>>> Galerie

>>> GPS-Track

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Die Strecke

112 km

  • Tag1-Leppinsee-Schwarzer See
  • Tag2-Schwarzer See - kl. Pälitzsee
  • Tag3- Kl. Pälitzsee - Pättinsee
  • Tag4-Plättinsee - Jäthensee (Babke)

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Kartenskizze

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3 - Die Tour in Wort und Bild

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»Intro

Roberto und ich hatten das zweifelhafte Vergnügen gemeinsam unsere Unteroffiziersausbildung in Frankfurt/Oder über die Bühne bringen zu dürfen. Er war während dieser Zeit auch der Auslöser für meinen Entschluss mal einen Marathon zu laufen. Ich habe keine Ahnung wieviele Kilometer wir in dem halben Jahr gemeinsam im Kreis gelaufen sind. In den 6 Monaten habe ich es nicht einmal geschafft Roberto bei einem der regelmäßigen 3000 Meter Läufe abzuhängen zweieinhalb Kilometer habe ich immer dranbleiben können. Aber auf den letzten 400 Metern hat mir Roberto dann aber immer mindesten 5 Sekunden eingeschenkt. Zum Thema Laufen aber später mehr.

Nachdem wir dann unsere Uffz-schulterstücken hatten wurden wir aber in verschiedene Objekte versetzt, hielten aber weiter Kontakt und trafen uns bei Gelegenheit auch ab und zu. Unsere Marathons brachten wir auch hinter uns. 1992 fuhren wir dann nochmal gemeisam mit Freundinnen nach Griechenland bevor sich unsere Wege irgendwie trennten.
Tja, und wie das Leben so spielt genau 10 Jahre später treffe ich Roberto während einer Trainingseinheit zu meinem dann zweiten Marathon im Friedrichshain wieder. Also schnell Telefonnummern ausgetauscht und der Kontakt war wieder da. Inzwischen hat es Roberto arbeitstechnisch wieder nach Frankfurt verschlagen, diesmal aber ein paar hundert Kilometer weiter westlich am Main.

Lange Rede kurzer Sinn, da wir uns nach 10 Jahren eine Menge zu erzählen hatten aber durch den räumlichen Abstand selten Gelegenheit dazu fanden, kam ich auf die glorreiche Idee mal 4 Tage auf Paddelexpedition zu gehen. Roberto, von Hause eigendlich Fahrradspezi, war sofort Feuer und Flamme. Also wurde ein Termin Anfang August verabredet und los gings.


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»Die ganze Tour

Auf der Karte oben erkennt man gut dass es sich bei der Tour um einen fast geschlossenen Kreis handelt. Wenn man mit dem Auto anreist sind es zu Fuß vom Zielpunkt (Babke) ca 10 km zum Startpunkt am Leppinsee (Campingplatz). Es ist auf jedenfall eine schöne Wanderung allerdings sollte man schon eine Karte dabeihaben. Falls man bis Kratzeburg paddeln will wird die Rückfahrt zum Leppinsee wohl schwieriger.

Die Arbeitsteilung behüglich der Tourorganistation war schnell klar. Alles paddelspezifischen, Verpflegung und Ausrüstung ist meine Sache. Transport, Foto und Video macht Roberto. Im Laufe der folgenden Tage erwieß sich diese Einteilung als sehr vorrausschauend.

Der Beginn der Tour stand wettertechnisch unter keinem guten Stern. Just in dem Moment als wir mit unserer Benzinkutsche das Gebiet Mecklenburgs erreichten fing es wie aus Kübeln an zu regnen - Na toll.
Am Zeltplatz Leppinsee war der erste Schauer dann aber erledigt und eigendlich stand einem entspannten Bootsaufbau nichts mehr im Wege. Leider war der Zugang zum Zeltplatz durch eine Schranke versperrt und und der Anmeldung hing eine Nachricht: "... bin um 11:30 Uhr wieder da. Eine Stunde warten??? Ne, dann lieber zu Fuss die Bootskomponenten die 300 Meter zum Strand tragen und schon mal mit dem Aufbau anfangen.

Alles weitere lief dann fast wie geschmiert. Die die besagte Schranke öffnete sich im übrigen erst als wir fast unser ganzens Gepäck mit Muskelkraft runter an den See geschleppt hatten. Aber dann gings endlich los, allerdings verhieß der Blick zum Himmel nichts gutes für die nächsten Stunden. Und so war es dann auch immer wieder wurden wir von mehr oder weniger starken Schauern begleitet. Aber viel bedenklicher war der Tiefgang des Bootes. Ich glaube solche Lasten hat das Boot noch nie befördert. Das Heck bzw. die Hecknaht zwischen PVC-Haut und Baumwolldeck tauchte bei jedem Paddelschlag bedenklich unter Wasser!!!

Man bedenke der RZ-85 ist für 250 kg Zuladung ausgelegt und das Lebendgewicht Roberto + Holger = 130 kg. Wir haben also geladen als wollten wir 14 Tage durch absolute Wildniss paddeln. Auf dem Villzsee wurde es dann wirklich unheimlich. Bisher sind wir zwar etwas nass geworden aber waren auf den schmalen Seen in Richtung Mirow und Fleeth wenigstens Windgeschützt. Auf dem Vilzsee in westlicher Richtung war es damit aber vorbei. Eine Welle nach der anderen rollte übers Denk und das Heck war meist komplett unter Wasser. Der nagelneue Camcorder von Roberto war schnell verstaut und wir paddelten gegen Wind und Wellen was die Arme hergaben. Für die 2 km bis zum Seeende brauchten wir, trotz vollem Einsatz volle 45 min.

Jedenfalls haben wir uns, das Boot und die zum Teil wertvolle Ausrüstung heil durch die tobende See gebracht. Am Ende des Sees änderte sich im übrigen fast schlagartig das Wetter und so war die Fahrt über die folgenen vier Seeen ein echter Genuss, jedenfalls für mich aber dazu später mehr. Nach diesen letzten wunderbaren Kilometer über motorbootfreie Seen im Abendlicht fanden wir südlich von Schwarz einen perfekten Biwakplatz. Und nach 30 Minuten stand das Zelt und der Grill glühte. Erst jetzt meinte Roberto, dass er echte Probleme mit seinem Unterarm hat. Ich habe wohl noch nie einen derartig "verbeulten" Unterarm gesehen. Diagnose ganz klar Sehnescheiden-entzündung.

Man brauchte nicht mal das Ohr an den Arm zu halten um dieses charakteristische Knarren beim ballen der Faust zu hören. Da hat Roberto einen typischen Anfängerfehler gemacht. Die Belastung beim Paddeln sollte man immer in etwa so vorsichtig dosieren wie man es bei einer Wanderung macht. Da legt man ja seine Tagesstrecke auch nicht im Joggingtempo zurück. Ich versuche es immer so zu erklären: Mit 20 Prozent des möglichen Krafteinsatzes erreicht man etwa 75 Prozent der maximalen Bootsgeschwindigkeit. Um 90% zu erreichen bedarf es schon 60 Prozen Krafteinsatz (Verdreifachung) usw.. Eine derartige Anstrengung ist also völlig uneffektiv und verringert vor allem den Spaßfakter beim Paddeln erheblich.
Also immer schön entspannt, es geht um Reaggee ;-) !!!
Der Arm musste für die nächsten Tage geschont und regelmäßig gekühlt werden. Ein Abbruch kam für uns beide nicht in Frage. Fazit, dieser erste Tag Paddeln hatte einiges zu bieten. Es kann ja nur besser werden.

Am nächten Morgen stand zunächst ein kleiner Lauf über 10 km auf dem Program , mein Start beim Berlinmarathon im September ließ keine Faulheit zu und Roberto ist ja selber ein allter Marathonläufer und am Ende der Strecke konnten wir uns in Schwarz noch ein paar frische Brötchen holen. Bei dem Lauf muste ich wieder mal feststellen wie anstrengend ein Lauf mit Roberto sein kann, garnicht wegen dem Tempo sondern mehr wegen der ständigen Tempowechsel, die machen einen echt fertig. Nach Bad im See, ausgiebiegem Frühstück und langer Quatscherei starteten wir erst wieder um 14:00, nach schönem Wetter am Morgen leider gleich wieder mit Nieselregen.

An der Mühle in Fleeth erfuhr Roberto zum ersten Mal was es bedeutet zu ein vollgeladenes Faltboot auszuladen umzutragen und wieder zu beladen. Es nervt und kostet eine halbe Stunde Zeit. An der Fleether Mühle war ordentlich Betrieb und so waren wir zumindest mit unserem Elend nicht alleine. Im Laufe des Tages stabilisierte sich das Wetter und Strecke mit fast völlig von Wäldern umgebenen Seen und schönen Flussabschnitten entschädigte für fast alles. Robertos Sehnenscheiden-entzündung war allerdings nicht wirklich lustig. Es blieb nichts anderes übrig als ihn weitestgehend vom Paddeln zu befreien und ausgiebig seine neue Videokamera zu testen.

Trotz dieses nicht unerheblichen Hadicaps und des späten Starts haben wir dann doch 23 km bis zum kl. Läplitzsee geschafft. Am nächsten Morgen habe ich wieder eine Trainigseinheit mit der Besorgung frischer Brötchen verbunden. Leider war nicht so leicht ein Ort mit Bäcker zu finden. So dehnte sich der kleine Lauf auf 18 km und anderdhalb Stunden aus. Am Biwakplatz war Roberto schon langsam nervös, sicher nicht aus Sorge um mich, sondern eher wegen knurrendem Magen. Wieder war es schon 14:00 Uhr als wir uns endlich wieder auf den Weg machten.

Heutiges Ziel sollte immerhin Wustrow am Plätinsee sein, also wieder 23 km mit Robertos lädiertem Arm. Ich war immerhin dardurch motiviert, dass am Ende der heutigen Etappe die wunderschöne Schwanenhavel und der einsame, ruhige Plättinsee auf uns warten. Mit der Ankündigung dieser Highlights versuchte ich auch Roberto von seinem Schmerz abzulenken.

Petrus meinte es nun auch richtig gut mit uns und bescherte uns einen traumhaften Sommertag. Und die Fahrt auf der Schwanenhavel ließ Roberto echt stauen, Zitat: "... wie im Urwald ..." Die Videokamera lief fast ständig. Und die letzten vier Kilometer im Abendlicht auf dem Plättinsee waren rundeten diesen bisher angenehmsten Tag ab. Es ist einfach nur großartig als einziges Boot bei tiefstehender Sonne nur von einigen Wasservögeln beobachtet über solch einen See zu paddeln. Nach Sonnenuntergang glühte der Grill wieder und sorgte für einen standesgemäßen Abschluss dieses Traumtages.

Die längste Tagesetappe haben wir uns für den letzten Tag aufgehoben, es waren schlappe 30 km zu bewältigen. Also fiel mein täglicher Lauf aus und endlich kamen wir mal vor elf Uhr aufs Wasser. Das Wetter war genauso perfekt wie gestern und Plättinsee wie auch Schwanenhavel wirkten in der Mittagssonne wie ganz andere Gewässer im Vergleich zu gestern. Nun waren wir auch nicht mehr alleine auf der Schwanenhavel.

Besonders schön war auf dieser Etappe das letzte Stück nach dem Lebussee in das Havelquellgebiet hinein. Diese Gewässer sind wieder für Motorboote gesperrt und so trifft man höchstens Gleichgesinnte mit ihren Kanadiern, Kajaks oder Faltbooten. Warum konnten wir nicht vom Beginn der Tour an solch ein Traumwetter haben?

Unsere Tour endete zunächst am Wehr bei Babke, ein Blick auf die Karte zeigte aber, dass die Straßenbrücke Babke sicher der bessere Endpunkt ist und so ging es nochmal ein Kilometer zurück. Das Aussetzen an der Brücke ist nicht ganz einfach weil sehr steil. Ich machte mich sofort ans Boot abbauen und Roberto auf die Socken zum Auto naja die 10 km sind sicher in 2 Stunden erledigt und ein schöner Spaziergang ist es ausserdem. Denkste, ich war schon lange mit dem Bootsabbau fertig als Roberto ziemlich fertig eintrudelte. Dummerweise hat er sich im Wald irgendwie verirrt und ist letztlich ca 6 km gewandert und dann 16 km im Laufschritt durch die Wälder gehirscht.

So war es dann doch schon fast dunkel als wir endlich mit Sack und Pack und Boot im Auto saßen. Auf der Heimfahrt verpaßten wir auch noch in Löwenberg den Abzweig der 96 in Richtung Berlin und landeten unabsichtlich auf der Autobahn Berlin - Rostock. Ein 60 min Umweg, aber wir waren ja Pannen gewohnt.
Nachdem Roberto ein Jahr lang nicht an den Videoschnitt ran zu bekommen war, hatte ich im Winter 2003/04 das Vergnügen die ganze Tour in Form eines Videoschnittpro-jektes nochmal zu erleben. Trotz aller Pannen eine tolle Tour, die sicher mal wiederholt wird. Neben den typischen Mecklenburger Naturvorzüben ist vor allem die Nähe von Start und Ziel praktisch.

Leider hat die Sehnenscheidenentzündung einen so unangenehmen Eindruck bei Roberto hinterlassen dass ich ihn seit dem zu keiner weiteren Tour überreden konnte. Er bleibt doch lieber beim Drahtesel. Aber ich gebe nicht auf und hoffe irgendwann sind die alten Wunden verheilt und das traumatische Erlebniss überwunden.
Vielleicht fällt ihm ja mal wieder meine Videodokumentation über die Tour in die Hand und die schönen Bilder gewinnen über die schlechten Erinnerungen.

Also Roberto versuchs nochmal! ;-)

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