Die Namengebende Tour -
Wer sein Boot liebt der schiebt und trägt

1 - Die Tour

Wer und Wann

Katrin, Olga, David P., Sergej, David H., Axel, Holger, Matthias, Dieter, Stefan, Gena

anno 2003 (der legendär trockene Sommer)
4 Tage | Lieske (bei Bautzen) - Cottbus
4 Tage | Lübben - Hangelsberg
1 Tag | Hangelsberg - Erkner

>>> Galerie

>>> GPS-Track

bild

bild

Die Strecke

  • Teil 1: Lieske - Cottbus 50km (Faltboote) 63km (Festboot)
    7km - 21km - 10km - 12km Faltboote. Das Festboot ist an den letzen 3 Tagen je 4 km weiter gekommen
  • Teil 2: Lübben - Schlepzig - Beeskow - Fürstenwalde - Hangelsberg 120km
    35km-33km-30km-21km
  • Teil 3: Hangelsberg - Erkner 27km

Kartenskizzen

 



Kartenskizze

Quelle: www.juebermann.de

karten


3 - Die Tour in Wort und Bild

bildbildbildbildbildbildbildbildbildbildbildbild

»Die erste Etappe - viel zu wenig Wasser unterm Kiel

Nachdem wir in den letzten Jahren immer wieder zu entspannten Paddeltouren im weiteren Umland von Berlin aufgebrochen sind wuchs langsam das Verlangen nach was neuem unbekannten, irgendwas ungwöhnliches, was nicht jeder macht. Bei meinen Recherchen im Internet. Fand ich irgendwann die interessant klingende Beschreibung der Spree zwischen Bautzen und Spremberg. Na das ist doch eine Idee.

Auf www.dundak.de findet man neben einer überschwenglichen Beschreibung auch viele nützliche Infos zu den Wehren, zur Flussbeschaffenheit und auch zu Pegelständen und welcher Pegel für welche Bootsart geeignet ist. Bei solch perfekt Informationslage kann ja nichts mehr schief gehen (dachten wir). Daraufhin wurde folgender Streckenplan festgelegt:
Innerhalb von 2 mal 4 tagen sollte es von Bautzen nach Berlin gehen. Erst von Bautzen in den Spreewald nach Lübben. In Lübben wurde eine Unterkunft für die Boote organisiert und 2 oder 3 Wochen später wollten wir dann weiter nach Berlin paddeln.

Wenn man bedenkt, dass die Fließgeschwindigkeit der Spree gerade im oberen Bereich etwas stärker ist, dachte ich das müsste zu schaffen sein.
Na dann mal los. Zwei Tage vor dem Start meldeten sich auch Matthias und Dieter zur Tour an. Das bedeutete es war noch ein Leihboot zu organisieren. Der einzige mir bekannte gute Verleier mit Bootsbringe und -abholservice sitzt in Märkisch-Buchholz. Bootsübergabe wurde im Spreewald verabredet. Er sollte das Boot auf einem Zeltplatz abgeben und wir sollten es abholen.

Während der größte Teil der Truppe schon am Do. früh in Berlin aufbrachen konnten Matthias und Dieter erst gegen Mittag in Berlin losdüsen. Nachdem der erste Teil der Meute am Startpunkt (Lieske) angekommen war und der wiedermal geborgte Transpoter meines Bruders ausgeladen war. Fuhr Stefan mit Transpoter zurück in den Spreewald zum Bootsübergabepunkt um dort Dieter und Matthias zu treffen. Man erkennt schon das es sich wieder mal um eine recht kompliziert zu organisierende Paddelaktion handelte.

Ich will hier garnicht alle Details wiedergeben. Nach dem schwierigen Leihbootstransport, waren wir gegen 16:00 Uhr endlich soweit die Boote zu Wasser zulassen. Selbst das war auf Grund der starken Strömung und der großen Steine an der Brücke in Lieske recht schwierig. Aber um 17:00 Uhr war es dann soweit. Alle Boote schaukelten auf dem flottem Wasser in Richtung Uhyst. Jetzt kann uns ja nichts mehr aufhalten.

Am Tag zuvor hatte ich wegen der großen Hitze und Trockenheit auch nochmal den Wasserpegel über das Internet kontorolliert. Er war laut der Werte von Dundak.de für Faltboote gerade noch ausreichend. Und abgesehen von der Einsatzstelle wo es durch die großen Klamotten im Fluss etwas eng war sah es auf den ersten Kilometern auch ganz gut aus.
Ach eine Besonderheit die zur Tour nicht unerwähnt bleiben soll, war die Junfernfahrt des neuen Bootes von David.

Der gebraucht erworbene Hammer 2-er vom Typ Robinson ist aus den 70-iger Jahren und hat noch eine verhältnismäßig brauchbare Gummihaut (für die Tour Panzerbandverstärkt). Im Frühjahr haben wir zu Dritt (David, Sergej und ich) das Gerüst frisch lackiert und einige notwendige Reparaturen ausgeführt. Die folgenden Tage sollten Zeigen was das Boot taugt.Bis auf eine versehendlichen Kontakt zwischen Matthias seinem Paddel und meinen Zähnen ging auf den ersten paar Kilometern alles glatt.

Wegen der fortge-schritten Stunde wurde das Wehr bei Uhyst als Nachtlager festgelegt. Kaum waren alle Boote entladen und an Land gebracht, entschloss sich mein Körper schlapp zu machen und alle aufge-nommen Nahrung des Tages wieder abzustoßen. Tja die Summe aus Vorbereitungsstress, Hitze (30°), Sonne auf der Rübe und eventuell zu wenig Flüssigkeitsaufnahme hat mir nicht so gut getan. Aber die anderen kamen auch gut ohne mich zu Rande, so dass ich mich für zwei oder drei Stunden im Zelt erholen konnte.

Nach dem Regenera-tionsschlaf holte mich der leckere Geruch von gegrillten Fleisch wieder ins Leben zurück. Zwar noch ein wenig wacklig auf den Beinen aber sehr hungrig fand ich ganz schnell den Weg zur Futterstelle. Begrüßt von einigem Oh und Ahh aber auch von einigen spitzen Bemerkukungen hatte ich sofort die erste Scheibe Fleisch unter der Nase. Welch ein Genuss nach diesem Tag, nur Schade, dass ich die zweite Scheibe Fleisch mit dem Verlust eines oberen Schneidezahnes bezahlen musste.

Der Zusammenprall zwischen dem Paddel und meinen Zähen hatte wohl doch schlimmere Wirkung als erst gedacht.Nach ausgiebigen Frühstück mit frischen Brötchen ging es am folgenen Morgen zunächst problemlos und entspannt weiter. Aber dann ging die Umtragerei los. Die ca. alle 5 Kilometer gebauten Wehre sind wahre Monster. Meist so um die 4 - 5 Meter hoch. Die Boote müssen 45 Grad steile recht glatte Betonwände hoch- und runtergeschleppt werden. Teileweise sind Zäune und Metallgeländer zu überwinden. Bei der Benutzung verrotteter Holztreppen ist äusserste Vorsicht geboten vor allem mit einem Boot unter dem Arm.

Wegen der erwartete großen Hitze hatten wir auch ordentlich Getränke in den Boote, was das Umtragen auch nicht erleichterte. Bei über 30 Grad war das alles kein wahres Vergnügen. Aber das war noch längst nicht alle an Elend auf der Strecke. Nach Neustadt begannen die auf Dundak.de angekündigten Sohlschwellen, die ja angeblich mit dem Faltboot beim Pegel von vorgestern befahrbar sind. Aber denkste, von den ca. 20 Sohlschwellen in anderthalb Tagen war nicht eine befahrbar. Und so blieb uns die auf Dundak.de angekündigte, Zitat "...Insgesamt eine traumhafte Fahrt..." irgendwie verborgen.

Stattdessen war es eine einzige Schinderei die Boot eigendermaßen unversehrt über die Sohlschwellen (Scharfkantige große Steine) zu bekommen. Dieter und Matthias in ihrer Plasteschüssel waren irgendwann auch verschwunden, da sie immerhin einige der Schwelle ohne auzusteigen überwinden konnten. Die Faltbootfahrer kämpften sich bis kurz vor Anbruch der Nacht über die Hindernisse und fanden glücklicherweise eine halbwegs brauchbare Stelle zum Übernachten mit genügend Feuerholz zu Trocknen von Schuhen, Hosen, Socken usw.

Das Aus- und Einbooten war durch das hohe Ufer schwierig und mit einigen Ausrutschern verbunden aber am nächsten Morgen hatten wir ein schönes Plätzchen zum Frühstücken in der Sonne. Meine persöhnliche Pechsträne hatte sich auch fortgesetzt und zwar in Form eines angebrockenen Zeh. Am Tag zuvor war noch nichts zu spüren aber dei Ruhe in der Nacht ließ ihn ordentlich anschwellen und mich am nächsten Tag nur noch auf einem Bein hüpfend vorwärtskomen. Dank der ersten Hilfe Kenntnisse von David musten wir keinen Rettungshubschraber anfordern und ich ich konnte die Tour wenn auch unter Schmerzen fortsetzen.

Der folgende Tag ging genauso weiter wie der letzte aufgehört hatte. Sohlschwelle auf Sohlschwelle bis zu Abend kurz vor Spremberg. Für Abwechslung sorgen nur die Wehre zwischendurch. Ich konnte es einfach nicht begreifen wie man bei diesem Wasserstand Faltboote hierlang schicken kann. Nach Beendigung der Fahrt wurde diese Frage durch ein Blick auf die Pegelstände der letzten Tage beantwortet. Während unserer Expedition sank der Pegel um ca 15 cm auf 125 cm (5 cm unter der Befahrungsgrenze für Plastikboote). Das erklärt dann wohl einiges. Von unsere Übernachtung kurz vor Spremberg gibt es noch eine lustige Anekdote zu erzählen. Während sich die Jungs um Boote und Zelte kümmerten wurde Katrin mit den Wasserkanistern losgeschickt um für Trinkwasser zu sorgen.

Wegen der nahen Kleingartensiedllung, gar kein Problem. Schnell hatte sie einen Garten mit Bewohnern gefunden und fragte nach Wasser: Hallo, wir sind ein paar Wasserwanderer und wollten fragen ob sie uns die Kanister füllen könnten. Antwort der Bewohner: Ach, Wasserwanderer? Und jetzt wandern sie von Haus zu Haus und sammeln Wasser?

Laut Katrin war diese Frage mit vollstem Ernst gestellt worden. Man kann aus der seltsamen Frage schließen, dass sich wirklich selten Paddler auf diesen Spreeabschnitt wagen.
Am Sonntag, also dem letzten Tag paddelten wir nur noch durch Spremberg bis zum Ende des Stausees Spremberg um auf dem Spree-Camp unsere sieben Sachen zu packen. Axel verließ uns schon in Spremberg in Richtung Bahnhof, ich glaube er hat während der Tour ganzschön gelitten, es war aber auch nicht gerade das was man sich unter eine Einstiegstour für Paddelanfänger vorstellt. Ich hoffe Axel kommt mal wieder zu einer entspannten Tour mit.

Matthias und Dieter hatten es bis Samstag immerhin bis Cottbus also ca. 15 Kilometer weiter geschafft, allerdings war das Stück zwischen Talsperre und Cottbus auch nicht gerade erholsam und mit einigen Wehren verbaut. Das Umtragen an der Talsperre will ich mir garnicht vorstellen. Da die beiden in Ihrem Boot fast nur Bier verstaut hatten musten sie sich bis zu einer Einkaufs-gelegenheit in Spremberg von Tomatenmark und zwei Fischbüchsen ernähren. Von Cottbus aus war es für sie aber recht einfach zu ihrem Auto in Lübben zu kommen und gegen 17:00 Uhr trudelten sie bei uns am Stausee ein, um mich und Stefan zum Transporter nach Lieske zu fahren.

Alles weitere lief dann bis Berlin ohne Probleme. Die Boote lagerten wir verpackt in Lübben, um in zwei Wochen von dort aus nach Berlin weiter zu paddeln.
Wenn ich bedenke, dass wir bis nach Burg oder Lübbenau kommen wollten ... Das war wohl sehr optimistisch gerechnet. Unter optimalen Bedingungen ist es sicher möglich in 4 Tagen bis nach Burg zu kommen.
Optimale Bedingung bedeuten:

  • pünktlicher Start am ersten Tag
  • spartanische Ausrüstung und Verpflegung (Bootsgewicht)
  • guter Wasserstand (laut www.dundak.de)
  • angenehmes Wetter (keine 33 Grad im Schatten)
  • eingespielte Teams an den Wehren (wir haben mit den vier Booten immer mindestens eine Stunde fürs umtragen gebraucht)

Unter Beachtung dieser Punkte werde ich die Tour sicher nochmal wiederholen, denn die Natur dort ist wirklich lohnend, wenn man sie genießen kann.

Trotz aller Mühsal während der letzten Tage hatte war mindesten eine positiv nachhaltige Wirkung festzuhalten. Insperiert von den vielen Landpasagen entstand der Name unserer Homepage. Da die Wikinger auch ab und zu ihere Langboote über Land getragen haben, war der Name wikingerpaddeln.de naheliegend (danke, für die Idee Stefan).


bildbildbildbild

»Die zweite Etappe - nun wieder genug Wasser unterm Kiel

Zwei Wochen später gings dann weiter von Lübben nach Berlin, oder zumindest in dessen Nähe. Die beiden Davids und ich fuhren schon am Mittwochabend in den Spreewald um die Boote aufzubauen und bereits die ersten 9 km zum Gasthaus Petkampsberg zurückzulegen. Am nächsten Morgen wollten wir uns früh gegen 10 Uhr mit Katrin und Sergej in Schlepzig treffen. Aber der Plan war natürlich auch wieder zum Scheitern verurtreilt, denn kaum waren die Boote aufgebaut und beladen fing es wie aus Kübeln an zu regnen und nicht nur das, der Regen wuchs sich zu einem waschechten Unwetter mit Blitz, Donner und Sturm aus. An paddeln war dabei absolut nicht zu denken. Hektisch wurden die Boote wieder entladen und irgendwie das Zelt aufgebaut und zwar mitten in der Stadt, aber was blieb uns anderes übrig. In den wenigen Minuten des Ausladens waren die Boote bereits derart voll Regenwasser gelaufen, dass es fast unmöglich war die entladenen Boote aus dem Wasser zu bekommen. Irgendwann saßen wir dann trocken gelegt im Zelt und ließen uns das schnell zubereitete Lidl-Fertigreisgericht schmecken. Für den nächsten Morgen war es nötig den Wecker zu stellen. Unser Termin 10:00 Uhr in Schlepzig muss ja eingehalten werden und bis dahin sind es knapp 15 km und 2 Schleusen also mindesten 3 eher 3,5 Stunden. Vor allem sonst paddeln wir nie vor 10:30 Uhr los! Der Wecker klingelte um 5:30 Uhr ohne viel Federlesen wurde klar Schiff gemacht, eine kleinigkeit gegessen und ne Tasse Kaffe geschlürft. Pünktlich um 7:00 Uhr machten sich 3 Zweierfaltboote mit je einem Mann Besatzung auf nach Schlepzig.

Bis auf einen feinen Nieselregen hatte sich das Wetter im Laufe der Nacht auch beruhigt und so konnten wir die Einsamkeit zu dieser frühen Stunde auf dem Wasser genießen. Kurz nach 10 waren wir in Schlepzig, wo wir von Katrin und Sergej schon mit frischen Brötchen und frischen Spreewälder Tomaten erwartet wurden. Beim Bäcker wurden dann noch ein paar Tassen Kaffee organisiert und die Welt war trotz des frühen Aufstehens wieder in Ordnung. Anschließend folgte eine etspannte Fahrt durch den Rest des Unterspreewaldes. Das Wetter trug mittlerweile ein hochsommerliches Gewand und alle waren guter Laune. Leider war es mit dem Ende des Spreewaldes auch zu Ende mit den praktischen Selbstbedienungsschleusen, bei einem Blick auf die Karte sah ich, dass die nächste Schleuse in Alt Schadow nur alle 2 Stunden bedient wird und so versuchten wir mit einem paddlerischen Kraftakt die nächste Schleusung noch zu erreichen. Völlig fertig kamen wir nach mittlerweile fast 30 Tageskilometer natürlich 10 min zu spät an. Zur Verbesserung der allgemeinen Stimmung und zum auffüllen der gerade verbrauchten Energiereserven gönnten wir uns ein paar Leckereien am "Schleusenimbiss". Wir hatten ja jetzt fast 2 Stunden Pause bis zur nächsten Schleusung. Während dieser Zeit trudelte eine riesige Meute weiterer Paddler an der Schleuse ein und drängelte sich frecherweise mit ihren Booten derart vor, dass wir befürchten mussten nicht mehr mit in die Schleuse zu passen. Aber Bange machen gilt nicht und um 19:00 Uhr konnten wir Alt Schadow hinter uns lassen. Nun stellte sich aber die Frage wo will die Gruppe mit ihren 15-18 Booten eigendlich übernachten, hoffendlich nicht am Biwakplatz kurz vor Werder (5 km entfernt). Um allen Schwierigkeiten beim Kampf um einen Biwakplatz aus dem Weg zu gehen sahen wir uns auch vor Werder nach einem geeigneten Platz zum Übernachten um aber so richtig was tolles war nicht zu finden.

Bis Werder hatten wir fast alle Konkurenzboote überholt, aber eben nicht alle und die Zwei Boote vor uns steuerten tatsächlich den Biwakplatz vor Werder an.
Glücklicherweise gab es gerade 100 Meter davor auf der anderen Flussseite doch noch ein ganz praktikables Plätzchen für unsere zwei Zelte. Nicht das wir menschenscheu sind aber diese mindestens 30 Mann/Frau machten irgendwie den Eindruck als könnte ein näherer Kontakt, äääh ... na sagen wir anstrenged werden. Und nach den etwa 33 km heute mit dem sehr frühen Weckerklingeln am Morgen hatten wir irgendwie Bedarf nach Ruhe. Am nächsten Morgen gings für unsere Verhältnisse recht früh (10:30 Uhr) weiter. Als erstes entsorgten wir noch unseren Müll am gegenüberliegenen Biwakplatz, wo man noch genüsslich beim Frühstücken oder diskutieren war. Eigendlich bin ich niemand der andere bei ihren Gesprächen belauscht aber in dem Fall konnte ich nicht anders. Bei meinem Rückweg zum Boot schnappte ich einige Gesprächsfetzen auf. Diese bestätigten unser Entscheidung vom Vortag, die Zelte nicht mit der Riesenpaddelgruppe zu mischen. Gesprächsthema: "wie groß war eigendlich der Einfluss des Maoismus auf die Studentenbewegung in Wien 1968?" Toll, da hätte ich nicht viel zu beitragen können, aber Gott sei Dank gibt es ja Menschen die sich da auskennen. Kurz vor Kosenblatt trifft man auf eine recht große aber verfallene Schleusen- und Wehranlage. Als Ersatz für die defekte Schleuse gibt es eine spektakuläre elektrisch angetriebene Bootsschleppe, für Faltboote völlig überdimensioniert aber die Bedienung macht Spaß, wenn man die Funktionsweise duchschaut hat. Die folgende Strecke, man kann sagen bis Beeskow ist nicht sonderlich aufregend, sei denn man hat Freude daran sich den Fluss mit sehr vielen motorisierten Booten jeder Größe zu teilen (in der warmen Jahreszeit). Die folgende Stadt Beeskow hat sicher einen gewissen Reiz. Wir haben uns wegen der vorgerückten Stunde nichts mehr angeschaut. Beim nächstenmal kann man sich Burg, Stadtmauer oder den historischen Stadtkern mal ansehen. Es gibt zwei Möglichkeiten die Stadt mit dem Boot zu durchfahren. Beide Varianten führen durch ein Schleuse, haben aber unterschiedlichen Charakter. Kurz vor dem Stadtzentrum teilt sich die Spree in nordöstlicher Richtung. Der rechte Hauptarm ist sehr breit und führt zu einer vollautomatischen riesigen Schleuse (stündliche Schleusung). Der linke viel schmalere Flussarm hat mehr Charme und führt den Paddler zu einer echt rustikalen alten Selbstbedienungschleuse auf Höhe der Burg. Vorsicht ist am Wehr links neben der Schleuse geboten der Sog ist recht stark und man muss beim anlegen aufpassen. In die niedliche Schleuse passen auch nicht sehr viele Boote rein (ich glaube zwei). In Beeskow hatten wir uns mit Gena verabredet und zwar an der Schleuse, hahaha. Nicht dran gedacht, dass es zwei Stück gibt und deshalb haben wir uns geteilt. David und Katrin sind durch die Große gefahren und die beiden andern Boot zur Kleinen. Gena wartete am Ende der großen schon ungeduldig auf uns. Die Fahrt durch den schmalen Spreearm war sicher idyllischer, aber der im Verhältniss winzige RZ-85 von David und Katrin ganz allein in der riesigen für große Schiffe gebauten Schleuse war auch nicht ohne Reiz. Um halb acht war Gena samt Rucksack verladen und es war Zeit schnell ein Platz zum übernachten zu finden. Gerade 1,5 km nach der großen Schleuse fanden wir auf der rechten Seite knapp ausserhalb der Stadtgrenzen ein echt schönes Plätzchen zum Grillen und Vodka trinken. Für Sergej war die nagelneue Videokamera von Gena eine tolle Atraktion und willkommene Abwechslung nach der tagelangen Paddelei bei über 30 Grad. Trotz regelmäßiger Abkühlungsbadepausen und einiger Schleusen hatten wir wieder 30,5 km hinter uns gebracht.

Die Spree von Beeskow über Neubrück und Drahendorf zur Fürstenwalder Spree hat nun wieder einen deutlich höheren Genusswert. Besonders die 12 km auf der Drahendorfer Spree (wieder schmaler) sind sehr schön. Bei Erreichen der Fürstenwalder Spree waren wir alle wegen der weiterhin sehr großen Hitze ganz schön fertig, praktischerweise gab es genau an dieser Stelle eine Art besseren Imbiss mit ein paar einfachen Gerichten, Salat und Eis. Das ließen wir uns nicht entgehen und so waren die nächsten eintönigen 5 km bis zu einer geigneten Übernachtungsstelle ganz gut zu verkraften. Auf diesem begradigten Flussabschnitt findet man immer wieder Überreste des alten Flussverlauf die sich relativ weit in das angrenzende Land erstrecken. Einer dieser von Bäumen umgebenen Altarme machte einen gemütlchen Eindruck und wurde zum biwakieren ausgewählt. 45 Minuten später standen die Zelte und ich saß am Kochtopf um lecker Nudeln in Tomatensoße zu kochen.
Praktischerweise wurde es wie oft am Abend ganz windstill, was ja beim Kochen angenehm ist. Nur wurde es sehr plötzlich windstill und dann genauso plötzlich ziehmlich duster. Minuten später brach die Hölle los. Das Essen war gerade fertig als uns die ersten kräftigen Böen um die Nase wehten. Nachdem in erster Linie von den beiden Davids und Gena schon fast eine Flasche finnischer Vodka vernichtet wurde war ich verdammt erstaunt wie trotz des Alkoholpegels innerhalb von 3 Minuten das Ganze Lager sturmsicher (im Rahmen der Möglichkeiten) gemacht wurde. Die Boote wurden an Stellen abgelegt die einen halbwegs sicheren Eindruck machten. Die Zeltleinen wurden sofern möglich an Bäumen und Wurzeln befestigt und alles was sonst noch so im Freien rum lag wurde in den Booten oder in den Zelten verstaut. Anschließend gabs als Belohnung die fertigen Nudeln (noch richtig heiß weil es so schnell ging). Obwohl es draußen klang wie Weltuntergang war der Abend im großen Zelt zu sechst sehr lustig. Nach einer guten halben Stunde war der Spuk vorbei ohne das wir von einem Baum erschlagen wurden.
Das Ergebniss des gestrigen Orkans konnten wir am Morgen in Augenschein nehmen. Einige ziehmlich dicke Äste sind in der Nähe unserer Zelte von den Bäumen geholt worden aber die Bäume standen alle noch, auch die Boote hatten keinen Schaden genommen. Als wir den Altarm mit unseren Booten verlassen wollten wurde es aber eng. An der Ausfahrt hat es doch einen Baum umgelegt, wir bekamen die Boote nur mit Mühe wieder auf den Fluss. Der folgende Abschnitt der Fürstenwalder Spree hat bis Fürstenwalde weiterhin keinen großen Genusswert. Deshalb sollte man die Schleuse Fürstenwalde als Gelegenheit zu einer Unterbrechung der Fahrt nutzen und sich eine Pause in der Innenstadt gönnen. Ab der Schleuse sind es nur noch 5.5 km bis sich der Fluss in den Oder-Spree-Kanal (weiter begradigt mit befestigten Ufern) und die schöne Müggelspree teilt. Bevor man die Fahrt auf der mit 2-3 km/h strömenden Müggelspree genießen darf ist mittels Bootsschleppe das Wehr "Große Tränke" zu überwinden. Nach den recht trostlosen letzten Kilometern waren die 6 km bis Hangelsberg ein herrlicher Schlusspunkt unter die vergangenen Tage. Bevor wir von meinem Vater mit dem Transporter abgeholt wurden deponierten wir die Boot für eine Weiterfahrt in 14 Tagen im Garten eines direkt am Fluss liegenden Eiscafes (Sage noch Einer alle Berliner und Brandenburger sind unfreundlich). Dann gings ab nach Hause.


hier gibt es wohl tatsächlich keine Fotos - doch welche gefunden müssen noch reingemacht werden!!!

»Spreeetappe 3 Hangelsberg - Erkner

Eigendlich wollten wir ja in 2 mal vier Tagen von Bautzen bis noch Berlin kommen. Auf der ersten Etappe fehlten uns schlappe 55 km zu unserem Ziel. Auf der zweiten Etappe nur noch 25 km, wir haben uns gesteigert. So blieb uns aber noch eine entspannte Tagesetappe für einzelnen Tag. Die Boote lagen ja noch aufgebaut an besagtem Eiscafe, so brauchten wir uns nur mit etwas Tagesverpflegung in die Bahn nach Hangelsberg setzen und anschließend in die Boote, leider war der Weg vom Bahnhof zum Bootsliegeplatz mit 2 km doch recht weit am Sonntagmorgen. Gegen 10 Uhr waren die wenigen Gepäckstücke sowie die Paddler in den Booten verstaut und bei wieder herlichem Sonnenwetter lagen 28 gemütliche km ohne irgendwelche Schwierigkeiten vor uns. Neben den altgedienten Wikingern Stefan, Katrin, David H., Sergej und Holger war diesmal zum erstenmal Olga dabei, während ihr Gatte David P. zu Hause die Zwillinge hüten durfte. Zu Beginn der Strecke wird die Paddelei auf der Müggelspree noch von einer spürbaren Strömung unterstützt. Leider kommt spätestens nach der hälfte der Strecke zum erliegen und man muss doch ein bisschen was dafür tun um ans Ziel nach Erkner zu kommen. Die Müggelspree schlängelt sich zumeist unbegradigt durch eine offene Wiesenlandschaft. Am späten Nachmittag, ca. ein Monat nach dem Start in Lieske, erreichten die drei Faltboote in Erkner sozusagen wieder heimische Gewässer.


bild

»Schlusswort

Für die meisten Beteiligten war es sicher die härteste Paddeltour ihres Lebens, nicht nur wegen der Schwierigkeiten auf dem ersten Abschnitt unterhalb von Bautzen, sondern auch wegen der extremen Temperaturen im Sommer 2003 (immer über 30 Grad) und den trotzdem sehr langen täglichen Etappen um die 30 km. Sicher sind solche Tagesetappen kein Problem bei gutem Wetter und Temperatuen um die 20 Grad und wenn es keine Hindernisse wie Schleusen und Wehr gibt. Inzwischen vermeide ich es wenn möglch genaue Streckenlängen einzuplanen wenn ich die Tour nicht schonmal gefahren bin. Hindernisse, Wetter, Bootspannen, Sehnswertes an der Strecke usW. ist einfach nicht vorraussehbar. Irgendwann schaffe ich es sicher die Strecke in ursprünglich geplander Form abzupaddeln.