Herrentag, Höllenwetter und Hexentanz auf
und an der Havel

1 - Organisatorisches

Wer und Wann

David mit Sohneman Sergej, Michael S. und Holger

4 Tage im Frühjahr 2004

Die Strecke

98km (19km - 30km - 23km - 26km) Wannsee - Brandenburg - Premnitz - Rathenow

Kartenskizze

3 - Die Tour in Wort und Bild

Hier die Bilder rein - Leider gibt es keine von dieser Tour.

»Intro

»Eigentlich sollte es zum Herrentag und dem anschließenden Wochenende auf die schöne Saale gehen. Alles war vorbereitet, Jübermann-Wasserwanderkarte und die gesammelten Infos von Christoph zur Saale lagen auch schon bereit, aber in Anbetracht des schlechten Wetters sagte ein Kandidat nach dem anderen ab. Und so standen die übriggebliebenen dann auch noch ohne Auto da. Als Alternative stand kurz die Bahn zur Debatte, aber mit Kind und Kegel (Boot, Verpflegung und Ausrüstung) war uns das alles zu aufregend. Ganz abgesehen davon, dass die Bahntickets bei kurzfristiger Buchung echt ein Heidengeld kosten und das für dann effektiv 3 Tage Paddeln. Lange Rede kurzer Sinn, in leicht dezimierter Besatzung entschlossen wir uns vom Wannsee in Richtung Brandenburg und Rathenow zu paddeln. Neuwikinger Michael sorge für einen fahrbaren Untersatz um Boote und Ausrüstung ans Wasser zu bringen. Am Mittwochabend wurde noch schnell das erste Boot aufgebaut. Ich übernachtete im Zelt am Wannsee um die Ausrüstung zu bewachen und am nächsten Morgen gleich vor Ort zu sein.

Donnerstag

»1.Tag - Herrentag

Nachdem die anderen 3 zum gemeinsamen Frühstück eintrafen und das zweite Boot aufgebaut war ging es noch vor dem Mittag aufs Wasser.

Leider war uns Petrus nicht wohl gesonnen und schickte schon am ersten Tag ausgiebig Regen und Wind - es sollte so bleiben.

Vor allem Michael war mit seinen Baumwollklamotten nicht zu beneiden. So mußte er gleich bei der ersten Tour Lehrgeld zahlen, aber wer konnte schon ahnen, dass das Wetter so mies wird.

Erste Übernachtungstelle war kurz vor Ketzin am Rand einer Bungalowsiedlung. Während wir uns um Holz fürs Feuer kümmerten bekamen wir auch schon Besuch von einem älteren Pärchen, die auf ihrem Abendspaziergang waren. Zunächst glaubten wir, dass es nun Ärger mit den Anwohnern gibt - aber das Gegenteil war der Fall.

Bevor es zu irgendwelchen Missverständnisse kommen konnte, stellte David uns als nette Faltbootfahrer vor und fragte ob es ein Problem sei hier für eine Nacht zu Lagern. Ja, wer kann diesem Charme wiederstehen. Die beiden zeigten sich ebenfalls als sehr freundlich und kommunikativ - boten uns gleich Trinkwasser von ihrem Grundstück an. Prima das nennt man Service und zeigt mal wieder, dass offene freundliche und direkte Ansprache meist zum gewünschte Ziel führt. Nach kurzer Zeit entwickelte sich ein nettes Gespräch mit den Beiden. Inhalt woher, wohin, Beruf, Davids Akzent, die Gegend ....

Besonders Interessant war der Beruf des Herrn - Versicherungsvertreter
... oh wie langweilig (dachten wir zunächst). Im weiteren stellte sich heraus, dass das garnicht so langweilig ist. Durch verschiedene Umstände hatte er sich auf ein besonderes Versicherungsfeld spezialisiert - Tiere. Und zwar nicht irgendwelche Kühe, Schweine und Hunde - nein bei Ihm wurden Tiere aus dem Zirkus und aus Zoologischen Gärten versichert. Es ist schon spannend was man zu tun bekommt wenn ein Zirkustiger ausreißt oder ein Elefant in Brandenburg Ärger macht.

Beim Paddeln lernt man immer wieder interessante Leute kennen. Ich erinnere mich auch noch, dass David später sagte dies wäre seine erste menschlich angenehem Erfahrung bei Ausfllügen ins Berliner Umland gewesen. Leider hatte er es in den letzten Jahren wegen seiner offensichtlich nichtdeutschen Herkunft weniger gut getroffen - er spürte sehr oft eine deutliche Distanz zu den Menschen. Ich kann hier sagen, an ihm lag das sicher nicht.

Freitag

»2. Tag - Brückentag

während wir am ersten Tag vorwiegend auf kanaliserten Gewässern unterwegs waren ist der Abschnitt zwischen Ketzin und Brandenburg echt was für den Naturliebhaber. Zum Teil wirkt die Havel ob ihrer Breite, den vielen Altarmen, Inseln und Buchten wie ein gaaaaaaanz lang gestreckter See. Wegen dem bescheidenen Wetter hielt sich auch die Anzahl an Freizeitkapitänen sehr in Grenzen.

Das Wetter war auch ursächlich daran Schuld, dass wir im Laufe des Tages den weiteren Tourablauf änderten. Michael hatte wegen seiner nicht ganz passenen Klamotten relativ wenig Spaß an der Tour. Zwar war kein Wort der Beschwerde zu hören aber David und ich konnten uns vorstellen wie er sich in seinen dauernassen Baumwollklamotten fühlte. Für Sergej unseren Mannschaft-Junior war es auch die Idealtour - noch war er nicht groß genug um wirklich mit zu paddeln und damit auch kaum in der Lage warm zu werden. Deshalb reifte die Entscheidung, dass Michael und Sergej am nächsten Morgen mit der Regionalbahn nach Hause fahren, während David und ich die Tour unter dem Motto "was uns nicht umbringt macht uns stärker" fortsetzen werden.

Um am nächsten Morgen einen kurzen Landweg zum Bhf zu haben entschieden wir uns für ein Nachlager direkt in Brandenburg. Das von der Stadtseite eingezäunte Gelände war trocken und man konnte gut Anlegen, selbst Feuerholz war ausreichend vorhanden. Seltsam mitten in der Stadt. Am nächsten Tag erkannten wir das es ein ehemaliges Kasernengelände war - Zutritt streng verboten.

Am Abend war dann in Ruhe noch zu klären wie wir das morgen alles logistisch machen. Da wir nur einen Bootswagen dabei hatten, war es ausgeschlossen, dass die beiden vorzeitigen Heimkehrer ein Boot mit nehmen. Naheliegend war demnach David und ich fahren die kommenen 2 Tage jeweils alleine im Zweier. Prinzipiell möglich, und auch schon praktiziert aber bei dem weiterhin angekündigten strammen Gegenwind aus NW und den knappen 50km in anderthalb Tagen bis zum Bhf. in Rathenow war das kein verlockender Gedanke. Daher kamen wir auf diese Variante:

Morgen fahren wir zu zweit mit beiden Booten zum Campingplatz am Breitling See, versuche Davids Boot dort eine Woche zwischen zu lagern. Fahren in meinem Zweier die Tour wie geplant zu Ende. Und am nächsten WE (Pfingsten) macht sich die David mit Frau und Kinder einen schönen Tag auf dem Zeltplatz und fahrt mit Sohn am So und Mo entspannt die Strecke zurück zum Wannsee. Klingt kompliziert war aber eine absolut praxistaugliche Idee. Da das nächste WE auch richtig schön wurde war es für die ganze Familie auch ein richtig schöner wenn auch spontaner Pfingstausflug.

Sonnabend

»3.Tag - Hexentag

Wie am Abend zuvor geplant wurde es gemacht. Während David die beiden "Abbrecher" noch zum Bhf. begleitete und noch etwas Verpflegung besorgte kümmerte ich mich um Zeltabbauch und Bootsbeladung.

Gegen Mittag konnten wir aufbrechen und hatten in unseren nun sehr hecklastig beladenen Booten auf dem Breitling See bei tüchtigen Wellengang unseren Spaß. Die Boote hüpften von Welle zu Welle. Besonders Davids leichter Pionier bewegte sich mehr über als auf dem Wasser. Ganz wohl war uns bei der Überfahrt nicht.

Schließlich erreichte wir heil den Zeltplatz organisierten eine Platz für Davids Boot genehmigten uns ein ausgiebiges Mittagessen und setzen nach einem kurze Bad im See unsere Tour in Richtung Rathenow fort.

Ein gleichmäßig austarierter RZ85 fährt sich auch bei Wellengang doch deutlich angenehmer. Bald waren wir wieder auf der Havel und es wurde etwa ruhiger. Vor allem wenn wir dicht am Westufer im Schutz von Wald und Schilf fuhren ging es ganz gut vorran. Viele Pausen konnten wir uns nun nicht mehr leisten und suchten uns erst nach Sonnenuntergang ein geeignetes Plätzchen für die Nacht.

In der Dämmerung fande wir auf Höhe des Ortes einen kleine von Bäumen umgebenen Strand der geschützt und einladent aussah. Erst nachdem das Boot an Land lag und die Ausrüstung bereits am Strand verteilt war, bemerkte wir, dass der Strand zu einem Park mit Villa gehörte. Was solls, wenn wir höflich fragen wird man uns schon nicht wegjagen. Diesmal übernahm ich diesen Part. Oh, hier war ja richtig was los - viele Menschen - ein riesiges Lagerfeuer wird grade vorbereitet.

Na mal sehen wer hier das sagen hat - nanu nur Frauen - wo sind wir denn hier gelandet. Ich frage mich durch und erhalte die Erlaubniss unser Zelt am Strand auf zu bauen und auch noch eine Einladung ans Feuer wenn wir mit Zeltaufbau fertig sind. Naklar Wärme können wir gebrauchen, für die Nacht ist Frost angekündigt.

Ohne mich in Details zu verlieren, hier nur eine kurze Zusammenfassung des sehr gelungenen Abends. Die Villa (Villa Fohrde e.V.) ist so eine Art alternatives Schulungszentrum - ein paar Schlagworte:

  • politische Bildung
  • lebendige Demokratie
  • ökologische Bildung
  • Lehmbau
  • traditionelles Handwerk
  • Yoga
  • Aromatherapie

Zu letzteren Thema hatten sich die sehr weiblich geprägte Runde hier versammelt. Dozent war allerdings ein Herr, darüber hinaus gabe es noch genau einen weiteren Quotenmann in der Gruppe und nun uns - denen esoterische Themen etwas fremd sind. Aber wir sind zu meist neugierig und aufgeschlossen. Jedenfalls entwickelte es sich zu einem ausgergewöhnlichen Abend unter Hexen. Als moderne Hexen sah man sich hier jedenfalls - aber zu unserer Beruhigung als "weiße" Hexen. Weiße Hexenkunst, zur Erklärung, wirkt einfach gesagt positiv auf den Menschen (sein Wohlbefinden, seine Gesundheit etc.). Der Abend bleibt mir jedenfalls in sehr positiver Erinnerung und krank bin ich nach dieser zehrenden Tour auch nicht geworden - ob es an dem positiven Einfluss dieses Abends lag?

Sonntag

»4.Tag - Endtag

Unser Aufbruch am nächste Morgen war angesichts des Wetter von besten Wünschen und ein wenig Mittleid begleitet. Ich bekam noch eine Aromaprobe passend zu meinem Typ überreicht. Interpretiert wurde diese Kombination aber nicht.

Man, man was für ein Herrentags-Wochenende, das Wetter wird ja immer schlimmer. Heute peitscht der Wind ja in Böen orkanartig über die Havel. Die Wellen haben richtige Schaumkronen und der Wind bläst so stark, dass ich teilweise kaum ausatmen kann - der Wind drückt den Atem einfach zurück in die Lunge. Um in manchen Passagen überhaupt etwas Vortrieb zu bekommen ist der Puls bei mir sich er im 180iger Bereich. Die einzige Chance, ist möglichst immer dicht am etwas windgeschützten Ufer zu fahren - das macht die Strecke aber nicht gerade kürzer. Auf das Wetter haben unsere Hexen scheinbar keinen großen Einfluss. Oder doch - am frühen Nachmittag klart es auf, die Sonne kommt raus und der Wind ebbt ab. Oh wie schöööön - welch ein Genuss, Paddeln kann so schön und entspannend sein. Unser Klamotten trocknen, wir auch. In Rathenow am Kanuclub dürfen wir abbauen und das Boot kann fast trocken eingepackt werden.

Während des Abbaus bekommen wir Gesellschaft von einem Paddler im Rennkajak - während des Gesprächst erfahren wir dass der gute Mann (fast so alt wie David und ich zusammen) am Morgen in Spandau losgepaddelt ist. Er hat also in ca. 10 Stunden eine größere Strecke zurückgelegt (gut 100km) als wir in 4 Tagen - Respekt. Und da murren meine Mitpaddler, wenn wir mal mehr als 25 km am Tag paddeln.

Netterweise werden wir von einem Vereinsmitglied zum Bhf. gefahren und erreichen so entspannt und zufrieden unseren Zug. In Berlin trennen sich dann unsere Wege und für mich geht die Tour der interessanten Begegnunge weiter. In der Straßenbahn am Alex spricht mich ein Finne an der mein verpacktes Boot sofort als RZ 85 identifiziert und mir erzählt er hatte auch mal einen, diesen hat er leider im Ladogasee bei St. Petersburg versenkt. Deteils konnten wir in der Kürze nicht austauschen. Ich konnte nur noch erzählen, dass ich ein Boot namens Ladoga 1 habe welches in St. Petersburg hergestellt wird. Machmal gibt es erstaunliche Zufälle im Leben.

Man trifft am Alexanderplatz einen Finnen, der das gleiche DDR-Faltboot besaß welches man gerade dabei hat, dieses jedoch in einem Russischen See versekt hat, der den Namen meines zweiten Bootes trägt! - Da kann man nur mit dem Kopf schütteln.

»Fazit

Miesestes Wetter - Aber wegen der tollen Begegnungen - eine Tour mit großem Erinnerungswert .


Leider gibt es keine weiteren Bilder von der Tour

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