Die Neiße zwischen Steinbach und Guben

1 - Die Tour

Wer und Wann

Mecke und Holger ausnahmsweise mit Leihplastikschüssel

4 Tage im Frühjahr 2004

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>>> GPS-Track

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Die Strecke

94 km (4km; 37km; 42km; 11km)
Steinbach - Bad Muskau - Forst - Guben

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Kartenskizze

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3 - Die Tour in Wort und Bild

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»Donnerstag- die ersten Kilometer

Nachdem Mecke im letzten Jahr schon den Abschnitt Rothenburg-Bad Muskau erkundet hatte war der Wunsch da, auch das restliche Stück bis zur Mündung in die Oder zu erkunden. Wegen der Spree-Erfahrungen vom letzten Jahr (Wasserstand, riesige Wehre, Steinschüttungen im Fluss) hielt sich die Begeisterung für die Idee bei den anderen Wikingern in Grenzen. Auch die spärlichen Infos aus dem Faltbootforum verhießen nichts tolles. Lange Rede kurzer Sinn, Holger ließ sich breitschlagen seine Faltboote im Keller zu lassen und mal eine Tour mit Plasteschüssel zu unternehmen. Nach dem Beladen des Prijon-Zweiers ging es gegen 18:30 Uhr los. Eine Stunde später fanden wir am linken Ufer eine wunderbare Biwakstelle. Einziges Problem hier die Höhe des Ufers (3 Meter). Aber mit einem Plasteboot kann man schon etwas sorgloser umgehen und so war Boot und Ausrüstung nach 15min an Land. Weitere 15min später stand auch das Zelt, der Kocher tat seinen Dienst und die ganze Szene wurde von einem perfekten Sonnenuntergang begleitet.


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»Freitag- bis nach Zelz

Nachdem wir gegen 7:00 Uhr aus dem Schlafsack gekrochen sind, versuchen wir Frühstück, Lagerräumung und Bootsbeladung zügig durchzuziehen. Schließlich wissen wir nicht was uns heute erwartet. Gegen 10:00 sind wir auf dem Wasser. Die Neiße fließt weiter zügig an zumeist unberührten Ufern entlang. Das erste Wehr erwartet uns nach ca. 4 km bei Klein Priebus. Mit dem unempfindlichen Plasteboot und Bootswagen ist das Umtragen nach 20 Minuten erledigt. und wir schippern weiter. Gegen 13:00 und weiteren 10 km gönnen wir uns am Wehr bei Pechern einen kleinen Imbiß. Um 14:00 Uhr gehts weiter Richtung Bad Muskau. Auf dem Weg zum nächsten Hindernis passieren wir Skerbersdorf und Sagar (beide vom Wasser nicht erkennbar). Nach 13 km am Flusskilometer 79,5 erreichen wir Bad Muskau. Mittlerweile ist es 15:45 Uhr, deshalb nehmen wir uns nicht sehr viel Zeit für den berühmten Fürst Pücklerpark, der rennt ja schließlich nicht weg.

Nach dem Umtragen genehmigen uns ein Eis und holten bei durchaus freundlichen Beamten des BGS noch einige Infos bezüglich der vor uns liegenden Kilometer ein. Neben dem üblichen, ... auf der deutschen Seite bleiben..., gab es auch noch einen wirklich hilfreichen Tip. "... fahrt bei der nächsten Ableitung/Flußteilung nach ca. 6 km auf die polnische Seite zum umtragen, auf der deutschen Seite wird das nichts ...". Unsere Bedenken, von wegen 'nicht auf die polnische Seite kommen' hat man schnell zerstreut. Gegen 17:00 Uhr geht es weiter.

Nach einer knappen Stunde Fahrt auf dem weiterhin zügig dahin fließendem Fluss. erreichen wir die angekündigte Ableitung nach Polen und fahren mit etwas gemischten Gefühlen nach rechts auf die Polnische Seite. Zunächst passieren wir eine alte Betonbrücke und landen schließlich in einer Industrieruine mit Wehr an dem umgetragen werden muss. Mecke erkundet den Ort (Zarki Wielie)und sucht den besten Weg zum umtragen. Holger wartet leicht angespannt im Boot. Schließlich sind wir ja ohne Einreisestempel, quasi illegal in Polen eingereist. 20 Minuten später taucht Mecke wieder auf und meint alles kein Problem höchstens 400m Umtragen nur die Einsatzstelle hat es etwas in sich.

Viele Steine, alte Metallträger und dazu kräftige Strömung. Aber was soll's, es gibt ja keine Alternative und es ist auch schon deutlich nach 18:00 Uhr. Also Boot aus dem Wasser alles auf den Bootswagen und ab durch den sehr trostlosen irgendwie vergessen wirkenden Ort. Für zwei mit Gartenarbeit beschäftigte Polinen ist unsere Einsetz- und Ablegeaktion eine willkommene Abwechslung.
Langsam geht es auf 19:00 Uhr zu und es wird Zeit ein Nachtlager zu finden. Nach einem Blick auf die Karte ist klar, Ziel muss das nächste Wehr bei Zelz (Flusskilometer 68) sein. Nach gerade 25 min kommt die Wehranlage in Sicht. Es bedurfte nur einer kurzen Ufererkundung um eine gute Aussetzstelle zu finden. Die Stelle wäre auch ein perfektes Nachtlager, allerdings hätten wir am Morgen die ganze Strecke durch Zelz zur Einsetzstelle vor uns. Außerdem steht hier schon ein Caravan samt Angler und Gattin. Der sehr nette Herr schwärmt uns außerdem von einer ebenso tollen Stelle 500m flußabwärts mit flachem Ufer vor, die für uns perfekt wäre.

Naja, ich glaube die würden wir heute noch suchen. Nach 40 min und 1,5km Boot-über-Land-Zieherei und sinnloser Suche entscheiden wir uns für ein Plätzchen auf einem abgeerntetem Feld mit allerdings sehr steilem Ufer. Mittlerweile war es 20:30 Uhr das Zelt steht gerade, da tauchen aus der Dämmerung einige Fahrräder auf. Man fragt uns ob man sich dazu gesellen dürfe und so wird es noch ein lustiger Abend mit ausgiebiger Weinverkostung.


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»Sonnabend - Traumstrand an der Neiße

Der lange Abend und nicht zuletzt der Wein sorgen dafür, dass wir erst um 8:00 Uhr aus den Federn kommen. Bevor das tägliche Ritual des Abbauens und Einpackens beginnt frühstücken wir mit unseren Zeltnachbarn wobei vorhandene Spezialitäten brüderlich geteilt werden.

Außerdem werden noch Tipps zu schönen Fahrradtouren oder Paddel-Ausflügen ausgetauscht. Heute legen wir verhältnis-mäßig spät los. Erst um 11:30 Uhr machen wir die ersten Paddelschläge in Richtung Forst. Zweieinhalb Stunden später erreichen wir diesen Ort. Mecke meint sich erinnern zu können, dass wir nicht auf der Neiße bleiben dürfen sonder auf dem Mühlgraben durch die Stadt paddeln müssen. Das Wehr am Eingang des Mühlgrabens ist glücklicherweise offen und befahrbar. Die Strömung des Mühlgrabens bringt uns zügig durch die Stadt. Unser Trinkwasservorrat ist fast aufgebraucht also nutzen wir die erste Gelegenheit diesen aufzufüllen. Dabei erklärt uns der freundliche Wasserspender, dass wir auf dem falschen Dampfer sind. In ein paar hundert Metern wird fast das ganze Wasser aus dem Mühlgraben in eine Fabrik abgeleitet. Danach ist weder paddeln noch umtragen möglich. Aber wir können ja gegen die Strömung (ca. 3-4 km/h) zurückpaddeln, das ist kein Problem. Er macht das jeden Morgen mit seinem E65. Der Unterschied ist wohl nur, dass er ein leeres Boot bewegt und wir voll beladen sind. Jedenfalls geben wir das Unternehmen nach kurzer Zeit auf und entschließen uns das Boot mit Bootswagen ca. 800 m durch die Stadt zur Neiße umzusetzen.

Die Wassermenge im Hauptfluss reicht gerade so um vorsichtig ohne Treideleinlagen vorwärts zu kommen. Jedenfalls bis zur alten Eisenbahnbrücke nach Polen. Da war Schluss mit lustig, eine Faltboothaut hätte bei dem vielen Stahl und Beton im Wasser wohl das Zeitliche gesegnet. Die Plasteschüssel hing nur fest. In der starken Strömung zwischen dem ganzen Schutt war es gar nicht so einfach das Boot wieder frei zu bekommen. Nach insgesamt ca. 2 Stunden in Forst folgen nun wieder sehr schöne Kilometer auf dem Fluss. Die ordentliche Strömung läßt uns gut vorwärts kommen und nährt die Hoffnung, die verlorene Zeit doch noch irgendwie aufzuholen.

Unterwegs überholen wir eine Gruppe Schlauchbootfahrer die an einer geführten Tour teilnehmen. Die Schlauchboote tauchten nicht gerade sehr überraschend auf, sondern waren schon von weitem gut zu hören. Diese Begegnung blieb das einzige Zusammentreffen mit anderen Wasserwanderern während unserer Tour. Ab und zu gibt es auch interessante Hindernisse im Fluss. Eines davon ist das alte Kraftwerk bei Grießen. Da ist auch das Umtragen nicht so schlimm. Neben dem Kraftwerk steht eine alte MIG zwischen den Bäumen und rostet vor sich hin. Die Anwohner konnten uns nicht sagen wie der Vogel dahin kam. Ist ja auch egal, jedenfalls kann er da kein Unheil anrichten.

Das war auf jeden Fall das letzte mal Umtragen für heute. Ab hier ist der Fluss wieder richtig schön mit ordentlicher Strömung und es sieht so aus, als ob wir unser Tagesziel das Wehr bei Groß Gastrose doch noch erreichen würden.
Und tatsächlich bei wunderschönem Abendlicht erreichen wir das Wehr Groß Gastrose. Nach kurzer Erkundung der Örtlichkeiten finden wir einen perfekten Platz für uns und unser Zelt auf dem Stück Land zwischen Ableitung zum Kraftwerk und dem Hauptfluss. Das nette Plätzchen bietet sogar einen echten Sandstrand zum baden und entkeimen. Man gönnt sich ja auf so einer Tour sonst nichts.


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»Sonntag - Schlußetappe

Wie am vorhergehenden Tag beim Baden im Hauptfluss befürchtet reicht das Wasser im Fluss nicht annähernd aus um paddelnerweise vorwärts zu kommen. Aber wie wir seit Kneipp wissen ist Wassertreten ja sehr gut für die Durchblutung und nach einem halben Kilometer kommt das abgeleitete Wasser zurück in den Fluss und ermöglicht eine ungehinderte Weiterfahrt nach Guben.

Nach wenigen Kilometern kommen die ersten Industrieanlagen von Guben in Sicht. Jetzt ist es vorbei mit der Paddelromatik auf der Neiße. Die Strömung läßt nach, der Fluss ist breit und oft flach. Auf beiden Seiten der Neiße sieht man nur flaches Ackerland und alte Industieruinen. Kurz vor dem Wehr/Grenzübergang Guben legen wir an und entschließen uns die Tour hier zu beenden. Die letzten 15 Kilometer bis zur Mündung in die Oder schauen wir uns ein andermal an. Mecke macht sich bereit zum Auto zurück zu trampen und ich kümmere mich um das Trocknen und Einpacken unserer Ausrüstung. Dreieinhalb Stunden später ist unser vierrädriger Untersatz da und es geht zunächst nach Märkisch-Buchholz und dann zurück in die "Reichshauptstadt"


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»Fazit

Die Neiße ist auf dem beschriebenen Stück meist ein absolut paddelnswerter Fluss. Mit Faltbooten ist es sicher mit Risiken für die Bootshaut verbunden (Pegelabhängig). Ein Plasteboot ist bei den zahlreichen Umtragestellen mit oft sehr steilen Ufern deutlich unproblematischer. Die Steinschüttungen und andere Arten der Wasserbremsung sind meist nicht am Ufer zu umgehen (steile Ufer). Wir haben meist in der Nähe der Wehren gezeltet. Das Boot war da sowieso an Land und wir hielten uns nicht an völlig unbewohnten Stellen des Grenzgebietes auf. Unliebsame Begegnungen mit dem BGS oder polnischen Grenzern, wie sie von anderen Paddlern beschrieben wurden hatten wir nie. Wasserknappheit nach Wehren hatten wir in Forst auf dem Hauptfluss besonders unter der Brücke und bei Groß Gastrose auf ca. 500 m hinter dem Wehr. Bei den teilweise mehrere hundert Meter langen Umtragungen ist ein Bootswagen echt hilfreich.


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