Spreewald und Dahme im Frühjahr im Team
und alleine

1 - Die Tour

Wer und Wann

Mecke, Rutker, Holger

3 Tage im Frühjahr 2004

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Die Strecke

100km (18km - 44km - 38km) Lübben-Oberspreewald(Hochwald)-Lübben-Unterspreewald-Köthener See-Dahme-KW

 

Kartenskizze

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3 - Die Tour in Wort und Bild

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»Start in die neue Paddelsaison

Ich finde die Paddelsaison kann eingeleutet werden. Mit mir einer Meinung sind Mecke und sein Jugendfreund Rudker. Andere Mitpaddler waren im April nicht von der Idee begeistert, selber Schuld. Aber wohin? Es sollte was entspanntes sein als Starttour. Die Wahl fällt auf den Spreewald von Lübben in den Hochwald, da war ich noch nie. Für Rudker ist es von Beeskow aus ja nur ein Katzensprung und aus Berlin braucht man auch nur 90 Minuten. Mecke und Rudker hatten keine Lust auf Faltboot, ja ja Meckes alte Vorurteile gegen Faltboote. Er ist immer noch der Meinung sie seine zu empfindlich und der ganze Aufwand mit Auf- und Abbau dazu das Trocknen und Saubermachen nach der Tour. Da die beiden nur am Freitag und Samstag Zeit zum Paddeln haben kann ich das Aufwandsargument sogar nachvollziehen. So musste ich mich alleine mit dem Aufbau meines Ladoga quälen während die anderen beiden etspannt ihr Leihboot ins Wasser warfen und ihre Ausrüstung ins Boot. Während ich mich also mit meinem Boot kämpfte, konnte sich Kollege Mecke ein paar spitze Bemerkungen bezüglich Faltbootaufbau nicht sparen.

Aber ich weiß irgendwann ist er auch von den Vorteilen dieser Boote überzeugt. Die Erkenntnis, dass das Faltbootkonzept genial ist kommt auch bei ihm früher oder später (Nachtrag 12.2005 Mecke hat seit ein paar Wochen auch einen russischen Dreier). Aber irgendwann war auch mein Boot aufgebaut und beladen und wir machten uns auf in Richtung Hochwald. Unterwegs erfuhren wir von einem Eingeborenen, dass der sogenannte Hochwald garnicht natürlichen Ursprungs ist, sondern zu DDR Zeiten die entstanden ist.

Das Holz der hier gepflanzten schnell und hochwachsenden Bäume sollten der Streichholzfabrik Risa als Nachschub dienen. Das war sicher einer dieser oft seltsamen Parteitagsbeschlüsse. Gegen Abend waren wir gezwungen uns innerhalb des Biosphärenreservates eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Das geringste Übel war die Übernachtung im einer Schleusenanlage. Ich glaube wir haben der Natur keinen übermäßigen Schaden zugefügt. Am Feuer gab es ein paar spannende Geschichten von Rudkers gerade beendeten Nepal-Trekking-Urlaub und lange Fachsimpeleien über Fototechnik und dem Sinn oder Unsinn ultraleichter und ultrateurer Outdoorausrüstung. Rudkers Zelt hätte ruhig ein wenig mehr kosten können, es war derart instabil, dass es von jeder frühabendlichen Windböe völlig aus der Form gebracht wurde. Die Böen ließen aber nach Sonnenuntergang nach und einer erholsammen Nacht stand nichts mehr im Wege.

Am nächsten Tag mussten wir wieder zurück nach Lübben, da Mecke und Rudker am Sonntag andere Verpflichtungen hatten. Zum Glück bietet der Spreewald immer genug Möglichkeiten den Rückweg über andere Kanäle zu nehmen. Unterwegs trafen wir eine größere Gruppe Paddler aus Hannover. Wiedermal war mein Einer der Schlüssel zum ersten Kontakt. Auf den ersten Blick hielten sie das Boot für ein Festboot und zeigten sich sehr überrascht als sie ihnen erzählte das es aus russischer Produktion kommt. Natürlich wurden wie üblich Paddeltipps ausgetaucht und so sind Schwentine (bei Kiel) und die Aller (bei Wolfsburg) in meine "ToDo-Liste" gekommen.

Schwub die wubb waren wir wieder am Ausgangspunkt unserer kleine Anpaddeltour. Da ich am nächsten Tag noch frei von allen Verpflichtungen war, dachte ich nicht im Traum daran hier wieder mein Boot einzupacken. Ein Blick auf die Karte zeigte, dass es nur noch 60 km bis Königs Wusterhausen und damit bis zur Berliner S-Bahn sind. Wenn ich die 4 Stunden die es heute noch bis zum Sonnenuntergang sind durchpaddel komme ich nach bis zum Köthener See und von da sind es nur noch 40 km am Sonntag.
Während meine Mitpaddler ihre sieben Sachen zusammenpackten, kümmerte ich mich um das Auffrischen meiner Trinkwasservorräte. Dabei machte ich mal wieder von der Brandenburgtypischen Freundlichkeit in gastronomischen Einrichtungen. Mit meinem Wasserkanister tippelte ich in das nächstgelegene Restaurant um nach ein paaar Litern Wasser zu fragen. Das Wasser bekam ich auch allerdings begleitet von erstgemeinten Kommentaren wie: "... meinst Du ich bekomme das Wasser umsonst?..." oder "... ja, ja so kann man auch durchs Leben kommen..." Ich habe mir anschließend mal die Mühe gemacht die Kosten für die 5 Liter auszurechnen und bin auf die nicht zu verachtene Summe von 0,5 Cent gekommen. Wahrscheinlich ist die Kneipe inzwischen pleite.
Um 17:00 Uhr paddelte ich zwar alleine aber mit gutem Spreewälder Trinkwasser in Richtung Berlin zunächst durch den wunderschönen Unterspreewald. Die ersten Kilometer wurde ich von leichtem Nieselregen begleitet und anschließend speziell an den Selbstbedienungsschleusen von tausenden durstiger Mücken. Zum erstenmal alleine im Spreewald unterwegs merkte ich schnell, dass die Bedienung der Schleusen als Alleinpaddler nicht ganz unkompliziert ist. Als ich das Ende des Unterspreewaldes an der Schleuse Groß Wasserburg erreicht hatte, war es bereits so dunkel dass ich mir erstlich Gedanken um ein Übernachtungsplatz machen musste. Groß Wasserburg selbst schien aber nicht sehr attraktiv. Bis zum sicher schöneren Köthener See waren es ja auch nur noch 2,5 km. Ok die habe Stunde schaffe ich noch. Leider war es zum Zeitpukt meines als ich den See erreichte schon so dunkel, dass ich keine brauchbaren Übernachtungsstellen mehr ausmachen konnte. Es erschien mir wenig zweckmäßig auf gut Glück am Seeufer entlang zu paddeln bis ich irgendwann vielleicht ein geeignetes Fleckchen Erde finde. Wenn ich mich am See ausgekannt hätte hätte es anders ausgesehen. So wusste ich nur dass in 1,5 km westlich Köthen mit seiner Jugendherberge zu finden war. Dem Seeufer in entgegengesetzter Richtung zu folgen machte auch keinen Sinn, dort zeigte meine Karte Sumpf. Die einzige sinnvolle Alternative war in nordwestlicher Richtung zum gegenüberliegenen Dahme-Umflutkanal. An dessen Mündung in den Köthener See gab es eine prima Stelle zum Lager aufschlagen daran konnte ich mich aus einer vergangenen Tour erinnern. Also nichts wie los das letzte Dämmerlicht ausnutzen, schließlich wird es nicht einfach im fast Dunklen um 21 Uhr den Kanal auf der anderen Seeseite zu finden. Mit Ach und Krach und den letzten Körnern fand ich den Kanal und das geräumige Pätzchen. Ich glaube noch nie war ein Boot so schnell entladen und das Zelt so schnell aufgebaut. 40 Minuten nach anlegen saß ich auf meinem Dreibeinhocker am Ufer und futterte mein Reisfertiggericht. Es war schon ein seltsames Gefühl hier so ganz alleine mitten im Nichts zu sitzen. Schwer zu beschreiben, einerseits versuchte ich die Einsamkeit in der Natur zu genießen und lauschte den Geräuschen die man als Stadtmensch so selten wahrnimmt. Anderseits waren genau diese Geräusche und das fahle Licht des hinter Schleierwolken verborgenen Mondes irgendwie unheimlich. Jedenfalls konnte ich mich nicht so recht Entspannung und Anspannung entscheiden. Die Vogelschreie über dem See wurden immer wieder von gruseligen Astknacksern im Wald hinter mir unterbrochen. Aber vielleicht war ich einfach auch nur körperlich am Rande meiner Möglichkeiten. 44 km am Stück bin ich schließlich auch noch nie gepaddelt, wenn man die vielen Unterbrechungen durch Selbstbedienungsschleusen und "nette" Kneipenbesuche noch hinzuzieht war das schon ein eichter Kraftakt am Beginn der Paddelsaison. Deshalb hielt ich mich auch nicht mehr lange damit auf zu überlegen ob ich mich gruseln oder entspanne soll und verschwandt schnell in meinem Schlafsack.
Am nächsten Morgen macht ich mal wieder die Erfahrung, dass man alleine nicht nur beim paddeln schneller vorwärts kommt, sondern auch viel schneller mit Frühstück und allen anderen Erledigungen rund um Zelt und Boot ist. Alleien hat man eben niemanden mit dem man quatschen kann. Obwohl ich mir keinen Stress machte und sogar Zeit für einen kleine Verdauungsspaziergang fand, war ich zwei Stunden nach dem Aufstehen wieder auf dem Wasser in Richtung Berlin unterwegs. Bis Königs-Wusterhausen sind es immerhin auch noch knappe 40 km und wieder im Dunklen ankommen und dann Boot und Ausrüstung zusammenpacken war nicht in meinem Sinne. Die Strecke habe ich eigendlich in ganz guter Erinnerung. Einzig die 5 großen Wehre und Schleusen waren speziell dadurch dass ich alleine war ein bisschen blöd. An den Schleusen nutzte ich lieber die Bootschleppen als auf die planmäßige Öffnung der Schleusen zur warten. An der Hermsdorfer Mühle muss man das Boot mit einem für jederman nutzbaren leicht überdimensionierten Bootswagen an der Schleuse vorbei transportieren. Während des letzten Streckendrittels türmten sich bedrohlich dunkle Wolken westlich meiner Route auf später waren aus dieser Richtung auch Donner und Blitz zu hören und zu sehen. Der Gedanke auf einem der beiden Seen vor KW von einem Gewitter begleitet zu werden war nicht sehr verlockend. Die Angst davor ließ mich noch einen Gang zu legen. Der größte Teil der Strecke vom Köthener See nach KW verlief stramm nach Norden, so konnte ich mich im Schatten des westlichen Ufers immer schön vor dem strammen Westwind verstecken. Etwas schwieriger wurde es auf dem Dolgensee, da lief meine Route nach NW. Aber richtig lustig wurde es auf dem Krüpelsee nun sah es wirklich nach Weltuntergang aus. Etliche Segler hatten ihre liebe Mühe und Not. Zwei kleinere Boote waren auch schon gekentert. Ich versuchte mich zwar möglichst in Ufernähe vorwärts zu bewegen, wegen der Windrichtung aus West hatte ich aber trotzdem mit den sich auftürmenden Wellen zu kämpfen. Hier konnte sich mein Boot mal richtig beweisen. Der Ladoga durchpflügte die Wellen, dass es eine Pracht war. Richtig genießen konnte ich das aber nicht, denn von alleine bewegt sich auch dieses Boot nicht. Zum Ende des Sees nahm der Seegang ab und auch der Himmel wurde wieder freundlicher. Das Gewitter hatte mich verschont. Da war auch schon die Schleuse Neue Mühle in Sicht. Da die Schleusenzeiten bereits vorbei waren, hieß es ein letztes Mal umtragen. Jetzt war nur noch ein geeigneter Platz zum aussetzen und Abbauen zu finden, der sich nach Möglichkeit auch in direkter Nachbarschaft zum S-Bahnhof befinden sollte. So versuchte ich mein Glück im Nottekanal und fand kurz vor der nächsten Schleuse auf der Rechten Kanalseite einen kleinen Park der sich für mein Vorhaben ideal eignete. Nach dem Abbau im fast Dunklen waren es mit Sack und Pack höchstens 10 min bis zum Bhf. Dort angekommen machte ich drei Kreuze, die letzten beiden Tage mit je ca. 40 km und einigen Umtragestellen steckten mir nun doch in den Knochen und ich wollte nur noch die Augen zu machen. Das war dann auch 2 Stunden später nach Bad und einem kleine Abendbrot endlich möglich.

Fazit

Der Holger kann auf Strecken mit Hindernissen etwa 40km zurücklegen, aber nur mit dem richtigen Boot. Der Ladoga bewies sich als idealer Begleiter wenn es darum geht Strecke zu machen. Es ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass das oft vorkommen wird.

Und ganz wichtig, ich muß mich in Zukunft kürzer fassen!