Die Obra in Polen - ein Katzensprung von Berlin
222 Bäume im Fluss

1 - Die Tour

Wer und Wann

Stefan und Holger

10.09. - 17.09.2005

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Die Strecke

Von Zbaszyn mit Bhf. (Obra) nach Gorzów Wielkopolski (dt.: Landsberg) auch mit Bhf (Warta)

  • 103 km auf der Obra davon 25 km auf stehenden Gewässern
  • 32 km auf der Warta bis Gorzów Wielkopolski
  • 17 km auf der Struga Jeziorna und über 3 Seen (hin und zurück)

Bei genügend Zeit bieten sich zwei Abstecher in angrenzende Flüsse und Seen an.

  1. Seenkette nördllich von Trzciel: Jez Rybojady - Jez Wedrom. - Jez Chlop (ca. 18 km Hin- und Rückweg). Da waren wir nicht.
  2. vom Stausee Bledzew über die Struga Jeziorna (Seenfließ) in die Seenkette Chycina, Dlugie und Kurskow (ca. 17 km Hin und Rück). Eventuell geht es sogar noch ein ganzes Stück weiter in den Jez Keszyckie. Bis zum Jez Kurskow ging unser Abstecher und ich kann dieses Extrastück nur empfehlen.

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Kartenskizze

 

 

 

 


3 - Die Tour in Wort und Bild

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»Sonnabend (Anreise) Berlin - Zbaszyn

Kurz nach Acht bringt uns ein Taxi zum Ostbahnhof. Wir haben uns schon am Abend zuvor getroffen, um gemeinsam aus der gleichen Wohnung zu starten. Auf dem Bahnhof der spannende Augenblick: bekommen wir unser Gepäck (Faltboot, Paddel, Ausrüstung, Verpflegung und Klamotten für 9 Tage) wirklich zu zweit per Bahn transportiert und durch die Weltgeschichte getragen? Dank Holgers Einfall - das Gestell einer alten Kraxe zum Transportieren von Zelt und zwei Ortliebsäcken zu nutzen - geht das leichter als gedacht (und rettet uns in Zbaszynek, siehe unten). Beim Kauf der Fahrkarten stellt sich heraus, dass entgegen Holgers Annahme wir für den polnischen Streckenteil einen internationalen Tarif berappen müssen - also demnächst den polnischen Teil beim sowieso notwendigen Umsteigen in Polen zahlen. Das Abenteuer dieser spätsommerlichen Reise beginnt in der polnischen Regionalbahn, deren antiquierter Zustand einen deutlichen Kontrast zu hochglanzpolierten modernen deutschen Zügen bildet. Bahnfahrerromantik pur. Schon nach kurzer Zeit naht unser Zielbahnhof - denken wir :-( Erst nachdem wir ausgestiegen sind und der Zug weg ist, wird uns klar, dass Zbaszynek NICHT der gleiche Ort wie Zbaszyn ist. Diese zwei Buchstaben "yk" trennen uns 8 km vom Ziel und der nächste Zug fährt in sechs Stunden .. Das bedeutet für uns, in der Mittagshitze mit der gesamten Ausrüstung zur Hauptstraße zu hecheln und möglichst zu trampen. Doch leider verschrecken wir jeden Autofahrer mit unserem Gepäckberg. Schließlich bringt uns ein Taxi für fünf Euro zum Wassersportzentrum Zbaszyn.


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»Sonnabend (3,2 km) Jez Zbaszynskie

Bis wir unser Boot im See bepackt zu Wasser lassen können, vergehen mit Bootsaufbau, Geldtausch, Getränkeeinkauf und Eisessen noch einmal fast drei Stunden, während derer wir ein lautstarkes Erntedankfest samt Treckerparade miterleben. Der Versuch, im Ort eine gute Obra-Wasserwanderkarte zu bekommen scheitert leider (sogar bis zum Schluss der Reise, aber die 1:200000 Karte aus dem Berliner polnischen Fremdenverkehrsamt erweist sich zum Glück als ausreichend). Gegen 17 Uhr stechen wir bei herrlicher Abendsonne auf dem Jez Zbaszynskie in See, und haben bereits 40 Minuten später am Ostufer einen schönen Biwakplatz gefunden.


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»Sonntag 28,5 km
Jez Zbaszynskie - Jez Rybojadl

Zunächst unternehmen wir einen kleinen Abstecher an die Südspitze des Sees, in der man auf beiden Seeseiten offizielle Biwak-möglichkeiten findet (auf der Ostseite auch mit Hütten und Duschen). Dann geht es weiter auf der Westseite des Sees in Richtung Norden um den Austrittder Obra zu finden. Auf dem Wasser dümpeln in Sichtweite dutzende Angelkähne, auch in den nächsten Tagen werden wir immer wieder an angelnden Polen vorbei paddeln.

Der Ausfluss befindet sich fast genau in der Mitte der östlichen Seeseite und bereits 400 Meter später muss an einem Wehr rechts etwa 60 m umgetragen werden. Zunächst sehen wir viele Weiden, Erlen, Buschwerk und Schilf am Flussufer. Die Wasserqualität verleitet nicht zum Baden, denn im Fluss schwimmen seltsame verwesende Dinge. Schließlich beginnt der wunderbare von dichten Wäldern umgebene Jez Lutol. Die vielen wunderschönen Biwakplätze am Nordufer des Sees laden uns zu einer Bade- und Kaffeepause ein. Auch hier ist die Wasserqualität noch nicht so doll.

Der Jez Konin, den wir bald erreichen ist sehr verschilft, so dass wir uns nach einiger Zeit in einer Sackgasse wieder finden und zurück fahren müssen.
Tipp: bei der T-Kreuzung im Schilf rechts der Strömung folgen. Dann gelangen wir zum Jez Wielkie, der ein einzigartiges Vogelreservat darstellt, das deshalb jeweils vom 15.08-15.06 zum Befahren gesperrt ist.

In der freigegebenen Zeit muss trotzdem immer der durch Bojen gekennzeichneten Linie gefolgt werden. In der Dämmerung - es ist inzwischen fast dunkel - erreichen wir kurz hinter dem Ende des Reservats ein schönes Biwak am linken Ufer. Ein totes Reh im Wasser hält Holger nicht davon ab noch einmal baden zu gehen und bei vielfachen Vogelrufen geht dieser Tag mitten in der Natur zu Ende, es wird eine ruhige Nacht am Wasser.


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»Montag(24,5 km)
Jez Rybojadl - Obrzyce (Vorort v. Miedzyr.)

Gleich links hinter dem Biwak fließt die Obra aus dem See. Nach 1,5 km erreichen wir ein altes verfallenes befahrbares Wehr. Man sollte vorher aussteigen und sich die 30 cm Stufe ansehen. Immer häufiger sehen und hören wir Eisvögel, Reiher und Enten, doch leider sind Eisvögel sehr scheu und so hören wir sie meist nur oder sehen sie viele Meter vor uns als blaugrünen Blitz übers Wasser huschen. In den vielfach am Wasser stehenden abgestorbenen Bäumen sitzen Reiher. Nervös beobachten sie uns und erheben sich majestätisch - fast wie Flugsaurier - in die Luft, um sich weiter vorn wieder niederzulassen, stundenlang geht das so. Bis Ransko erleben wir einen offenen Fluss mit Wald und Schilfabschnitten, dahinter kommt ein hohes Ufer und wilder dunkler Wald.

Wieder bricht die Dämmerung relativ früh herein und wir beschließen, in einem ehemaligen Ferienlager im Wald für 9 Zloty pP inkl. spartanischer Dusche zu übernachten. Es liegt nahe beim Ort Obrzyce, der eine riesige Nervenheilanstalt beherbergt. Auf der Suche nach Lebensmitteln und Bier begegnet mir eine gespenstische Atmosphäre, ein riesiges ummauertes Gelände, endlose Backsteingebäude, vergitterte Fenster, stumme Menschen eilen in weißen Kitteln umher. Im Reiseführer lesen wir, dass hier bei fragwürdigen medizinischen Experimenten der Nazis zehntausend Menschen ums Leben kamen. In dieser Nacht schlafe ich unruhig.


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»Dienstag (17 km) Obrzyce - Gorzyca

Wieder fahren wir durch eine offene Landschaft, in der hier und dort einzelne Gehöfte liegen, Wiesen und Felder. Gegen Mittag erreichen wir Miedzyrzecz, den größten Ort der Tour mit Einkaufsmöglichkeiten, einer mittelalterlichen Burg mit Museum. Während Holger einkauft und die Burg besichtigt, gönnt sich Stefan am Wasser zwei einskalte Bier.

Hinter Miedzyrzecz mäandert der Fluss stark, er hat hohe Ufer und wieder sind wir stundelang allein, ohne einem Menschen zu begegnen. Überhaupt scheint sie Paddelsaison Mitte September hier lange vorbei zu sein. Bei Swety Wojciech sehen wir die letzten Biwakplätze vor Gorzyca, bevor wir sehr viele Baumhindernisse umfahren oder überwinden müssen (zum Glück nicht so schlimm wie von anderen beschrieben). Oft liegen die Bäume gerade so unter Wasser, dass wir dass voll beladene Triton zu zweit darüber ziehen können. Häufig haben unsere Vorgänger bereits Schneisen geschlagen. Am Ende der Tour werden wir feststellen, dass die Haut des Triton Ladoga 3 nur eine winzige Perforation erhalten hat. Ein gutes, sehr robustes Boot!! Bei Gorzyca finden wir einen schönen großen Biwakplatz mit überdachtem Tisch auf einer riesigen Wiese vor. Bei tief stehender Abendsonne können wir unsere Sachen trocknen und mal wieder am Tisch essen. Die wunderschöne Gegend treibt Holger vor dem Abendbrot tatsächlich dazu noch 50min Laufen zu gehen. Dabei endeckt er auch einige markierte Radrouten. Später endecken wir dass der R1 Fernradweg den Flusslauf der Obra kreuzt.

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»Mittwoch(14 km) Gorzyca - Jez Chycina (Abstecher 2)

Die Strecke bleibt weiter sehr hindernisreich, eine Stelle hält uns sogar eine ¾ Stunde auf, da kurz hintereinander mehrere große Bäume quer liegen und sich verkeilt haben. Wir müssen einen 30 cm dicken Baum, teilweise unter Wasser, mit der Axt trennen. Für solche Fälle wäre eine Kettenhandsäge hilfreich, um sich nicht zu sehr nass zu spritzen. Wieder durchfahren wir viele Mäander und kommen bald in den Rückstaubereich von Zalew Bledzewski. Der große See ist von schönen Kieferwäldern umgeben. Da wir unerwartet genügend Zeitpolster haben und diese Seen als sehr klar und schön beschrieben werden, machen wir einen größeren Abstecher in die Struga-Jeziorna-Seenkette. Dort erwartet uns hinter einer Brücke plötzlich so klares Wasser, dass man in mehreren Metern Tiefe die Wurzeln der Seerosen am Boden sehen kann. Wir erleben eine sanft dahin gleitende Schwanfamilie auf einem windstillen, märchenhaft und fast verwunschenen verwachsenen See.

Am Jez Chizyno machen wir heute bereits um 16 Uhr am Biwakplatz am linken Steilufer fest. Beim Baden treffen wir drei polnische Taucher, die hier in den klaren und offensichtlich tiefen Seen wunderbare Bedingungen vorfinden. Der Wald spendet uns reichlich Feuerholz und so erleben wir am Lagerfeuer - in dem heute direkt die Suppe gekocht wird - einen herrlichen Sonnenuntergang über dem See (Holger hat das Lagerfeuer um 25 Meter verlegt, damit wir einen noch besseren Blick auf See und Landschaft haben ..). Wieder sind wir trotz des guten Wetters die einzigen hier. Der Slivovic und die goldenen Flammen des Feuers wärmen mich angenehm in den Schlaf. Ein schöner Tag.


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»Donnerstag (21,5 km)
Struga Jeziorna - 5 km hinter Bledzew

Heute setzen wir unseren Abstecher weiter fort, über drei Seen hinunter zum Jez Kursko, da der Reiseführer hier den Besuch eines alten Bunkers aus dem WK II verspricht. Ich lasse auf einem Steg die Beine baumeln und mache mir ein paar Brote. Nach einer Stunde kehrt Holger enttäuscht zurück, denn er hat nur ein seltsames Betonloch entdeckt, dass ohne Ortskundigem besser nicht betreten werden sollte.

Wir fahren also die Strecke zurück zum Zalew Bledzewski Stausee, wieder durch die verwunschenen stillen Seen - für mich einer der schönsten Momente dieser Fahrt. Das Wetter ist uns wieder gnädig, die Seen liegen trotz einiger Winde ruhig da. Am Staudamm erwartet uns bereits der Turbineningenieur, um uns das Tor zu öffnen. Das Umtragen über etwa 100 m ist dank des mitgeführten Bootswagens erträglich und schnell erledigt. Zeit für einen Müsliriegel.

Es geht weiter in Richtung Bledzew, wo uns wieder offene Wiesenerwarten, skurrile hellgraue Baumskelette und Gesträuch, Schilf und immer wieder ein weiter Blick. Doch auch heute erwarten uns wieder viele Hindernisse, die wenigstens einmal ein Umtragen erforderlich machen.

Auf halber Strecke, mitten in einer fast urwaldartigen wilden Landschaft finden wir in einer menschenleeren Gegend einen wunderbaren Platz um unser Zelt aufzuschlagen. Als das Feuer brennt und sich die müden Glieder entspannen, breitet sich eine wunderbare Stille über die Landschaft. Die Dämmerung lässt die Gedanken schweben, ein Augenblick, für den sich die Anstrengungen des Tages gelohnt haben, ein Augenblick, den du in der Stadt nie erleben wirst ..
Kaum ist unser Abendessen fertig und der erste Löffel gegessen, fallen die ersten Regentropfen, wir ziehen uns unters Tarp zurück. Das leise Prasseln und platschen stört uns in unseren warmen trockenen Schlafsäcken nicht, sondern singt uns leise in den Schlaf.

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»Freitag (17,5 km) über Stary Dworek nach Skwierzyna

Seit gestern Abend regnet es und es wird den ganzen Tag mit kleineren Pausen so weiter gehen. Wir stehen deshalb in einer Regenpause auf und verpacken die nasse Ausrüstung nach einem kurzen Frühstück. Im Boot ist es dank Spritzdecke und Schürze ganz erträglich, aber leider zwingen uns auch heute wieder viele Baumhindernisse zum Aussteigen, die Nässe fängt an zu kriechen und es wird auch deutlich kälter. Der mit Entengrütze bedeckte Fluss verzweigt sich häufig, so gerät die Suche nach dem Hauptweg teilweise länger. Die Strömung wird jetzt stärker. In Stary Dworek versuchen wir unsere Vorräte aufzufüllen, doch leider hat der kleine Dorfladen geschlossen (Öffnungszeiten nur 5:30-11:00 & 16:00-19:00). Dank Holgers perfekter Planung werden wir aber zum Glück nicht hungern müssen. Bis Skwierzyna ist es weiter ein schwieriges Vorankommen. Es ist wenig Wasser im Fluss und es gibt spitze Steine; Hindernisse lassen sich so aber im Fluss stehend überwinden, unter einer Brücke, die durch ein im Wasser stehendes Gerüst eingeengt ist, schießt uns das turbulente Wasser wie eine Nussschale hindurch. Uff! Hinter einer Eisenbahnbrücke finden wir endlich einen Biwakplatz - leider findet sich hier kein Span Feuerholz und so müssen wir nach diesem regnerischen Tag nach Sonnenuntergang in feuchten Schuhen frieren. Schnell mit den Bildern des Tages ins Bett!! bild


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»Sonnabend (34,5 km) Skwierzyna - Gorzow Wlkp.

Heute geht die Sonne an einem strahlend blauen Himmel auf. So sind die nassen Klamotten bis zum Einsetzen nahezu trocken und die Stimmung steigt wieder. Wegen der fehlerhaften Kilometrierung in unseren Quellen sind wir nun schon am Freitagabend kurz vor der Obramündung und damit gute 30 km vor unserem Tourziel. Die letzten Baumhindernisse bis zur Mündung waren für uns nun noch ein genüsslicher Abspann diese vielseitigen Flusses hindernissreichen Flusses. Ein letztes Mal kommt die "lebensnotwendige" Axt zum Einsatz.

Da auf der Warta keine Hindernisse und eine gewisse Strömung zu erwarten sind, wollen wir versuchen, heute gegen 16:00 Uhr den 34 km entfernten Zielort Gorzów Wielkopolski zu erreichen. Und doch erwarten uns auf diesen letzten 1,5 km bis zur Obramündung tatsächlich noch 10 Baumhindernisse. Nichtsdestoweniger haben wir bald die breite Warta erreicht und von nun an geht es mit "Rückenwind" bei kräftiger Strömung mit durchschnittlich 9 km je Stunde unserem Ziel 32 km weit entgegen.

Die Landschaft bietet nicht mehr soviel Spektakuläres wie auf der Obra ist aber überhaupt nicht langweilig. Schon gar nicht, wenn an uns plötzlich ein Polizeiboot vorbei rast (und eine riesige Welle macht), umdreht und an uns ranprescht. Sucht man uns wegen ..? Die Polizisten fragen uns was auf polnisch, wir stammeln unschuldig dreinblickend und das Boot wendet und rast weiter ....
Die Warta schlängelt sich nun meist durch offenes Weideland unterbrochen von Waldabschnitten oder einer recht seltenen Buschlandschaft. Auf den letzten 10 km wird der Fluss von einer Hügelkette am rechten Ufer begleitet. Immer häufiger ziehen Häuser und Orte vorbei. Die Schäfchenwolken am pariserblauen Himmel und die Sonne brennen sich als wunderbares Bild in meine Erinnerung ein. Kurz vor dem Ziel legen wir an einem kleinen Sandstrand noch eine Kaffeepause ein und genießen den Augenblick. Das Abenteuer der Rückfahrt kann beginnen ..

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Sonnabend (Rückreise) Gorzow Wlkp. - Slubice - Berlin

Zwei Stunden vor Zugabfahrt erreichen wir eine praktische Abbaustelle in der Nähe des Bahnhofs (nur sechs min zu Fuß). Bereits 90 Minuten später haben wir alles gepackt und verschnürt und sind auf dem Weg zum Zug. Aber dann: am Fahrkartenschalter erfahren wir auf recht ruppige Weise, dass der letzte Zug nach FFO für heute weg ist. Auf Holgers Ausdruck ist der Hinweis abgeschnitten, dass der anvisierte spätere Zug ausgerechnet heute am Sonnabend NICHT fährt .. Und nun? Übernachten in dieser nicht sehr einladenden Stadt wollen wir beide nicht. Stefan denkt wieder an ein Taxi, doch FFO ist 80 km entfernt, das wird sehr teuer. Doch dank Holger entdecken wir gleich neben dem Bahnhof ein PKS-Busterminal und es stellt sich heraus, dass hier weit mehr Busse als Züge fahren. Polen wird mit diesem Überlandnetz offensichtlich gut erschlossen. Leider habe ich bislang trotz aufwändiger Suche keine Internetseite mit Fahrplänen kleinerer Städte finden können, das muss man ggf. kurzfristig vor Ort organisieren.

Schon eine halbe Stunde später geht ein Bus in Richtung Slubice. Wir bekommen vom Busfahrer die gesamte Rückbank für unser Gepäck. Die Busfahrt ist ein bleibendes Erlebnis - der altersschwache Bus klappert mit mahlendem Getriebe wohl fast alle Dörfer Westpolens ab. Währenddessen versinkt die Sonne blutrot während wir ein eisgekühltes Bier trinken und in den Ortschaften die Lichter in die Dunkelheit leuchten. 90 Minuten später endet die Fahrt im Zentrum von Slubice östlich der Oder. Und wieder dürfen wir unsere Ausrüstung ein gutes Stück unter hilfsbereiter Führung eines sehr gesprächigen polnischen Jungen selbst zur Grenze transportieren. Von da an - es ist bereits lange dunkel - ist es nur noch ein "Katzensprung" nach Hause - Taxi - RE1 - S-Bahn - U-Bahn - zu Fuß - Mitternacht zu Hause. Geschafft!!


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Fazit

Man kann nicht alles vorhersehen und am Ende machen solche Odysseen und Abenteuer eine Paddeltour erlebnisreich und unvergesslich ..

stAst, September 2006

P.S. Dank der überdehnten Kilometrierung der Quellen erwiesen sich die geplanten Tagesstrecken als sehr entspannend und die im allgemeinen sehr unbeliebten "Dembowski-Kilometer" waren auf dieser Tour damit kein Thema ;-)


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