Ostereiersuchen auf der Pliszka oder nicht ohne
Axt und Schutzanzug

1 - Die Tour

Wer und Wann

Mecke, Holger, André, Jan, Kalle mit dem Radl

25-28.März, Ostern 2005

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>>> GPS-Track

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Die Strecke

Pliszka von Kosobudki bis zum Wehr nach See J. Wielickle (Grosser See) in 3 Tagen.
Mehr war nicht möglich. Die Pliszka ist ein ursprünglilches Flüsschen mit ein paar kleinen Wehren und vielen Baumhindernissen auf der dem ersten Teil - Axt und Säge sind notwendig. Wasserdichte Verpackung bis zum Bauchnabel war bei den Wassertemperaturen unerlässlich.
Um eine gewisse Vorstellung von den Schwierigkeiten zu bekommen hier mal die von uns bewältigten Strecke.
1. Tag - 5 Stunden 4km
2. Tag - 8 Stunden 6,5 km
3. Tag - 8 Stunden 13,5 km
24 km in 3 Tagen, sowas habe ich noch nicht erlebt und kann es immer noch nicht glauben.

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Kartenskizze

 


3 - Die Tour in Wort und Bild

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»Eindrücke

Unser erster Eindruck von der Brücke in Kosobucki: Das kann ja heiter werden mit unseren langen Booten (RZ85 und Vuoksa3). Der Fluss ist hier sehr schmal (3 Meter) und liebt es sich in sehr engen Windungen durch die zugegebenermaßen ursprüngliche Natur zu winden. Dieser Eindruck bestätigte sich auch für die ersten 2 Tage. Schnell war klar, dass ein Erreichen der 80 km entfernten Oder illusorisch ist. Die hier lebenen sehr zahlreichen Bieber haben wohl was dagengen von irgendwelchen Paddlern gestört zu werden. Erst ab dem Ort Pliszka (Fischzuchtanlage) ist es möglich zumindest halbwegs ungehindert vorwärts zu kommen. Einige Hindernisse halten auch hier die Fahrt auf aber die Häufigkeit nimmt deutlich ab. Teilweise wurde hier und da schon mit der Säge und der Axt gearbeitet. Einige Jogaübungen im Boot sind trotzdem nötig um unter den vielen umgestürzten Bäumen hindurch zu kommen und die eigene Axt darf man auch nicht zuweit wegpacken. Schwimmende Baumhindernisse kann man oft beiseiteschieben oder man schiebt das Boot Stück für Stück über die Hindernisse. Dabei steht man oft bis zum Bauch im Wasser oder Schlamm. Meckes Schutzanzug war eine lohnende Investition vor der Tour. Bei 8 Grad Wassertemperatur war er der einzige der es länger als 60 sec im Wasser ausgehalten hat. Einige Stellen im Fluss waren selbst Ende März schon so stark verkrautet das es kaum möglich war sie zu durchqueren. Später im Jahr sind diese Stellen sicher unpassierbar. So schwer die Befahrung auch war, die Natur ist echt einmalig - unzählige Bieberburgen, Sumpfgebiete im Wechsel mit unterschiedlichen Waldgebebieten, Hügel, Seeen, Kraniche, Fischadler ... . Mit den gemachtern Erfahrungen steht fest die Tour wird irgendwann wiederholt, wenn Bäume und Sträucher richtig grün, die Temperaturen höher und alle mit der richtigen Ausrüstung dabei sind. Ach und eines ist mir noch unklar, wie ist der gute Pole aus Thailand mit Familie diesen Flussgepaddelt? Sicher nicht ab Kosobucki! Oder sind die Polen einfach härter im Nehmen?


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»Die Tour

Mecke und Holger fuhren schon am Donnerstag Nachmittag als Vorhut in Richtung Kosobuki um die Lage zu peilen und sich vor allem schon einen gemütlichen Abend in unberührter Natur zu gönnen. Die Fahrt verlief völlig problemlos und auch der befürchtete Stau vor Ostern in Richtung Polen blieb aus. Nach 3 Stunden waren wir mit einem Großteil der Gesammtausrüstung an der Holzbrücke Kosebuki. Kosebuki besteht eigendlich nur aus einer Hand voll Häusern und Gehöftenen. Ein schönes Plätzchen fürs Zelt und zum Aufbau der Boote in Wassernähe gibt es auch. Die Bewohner meinten hier zelten öfters Paddler - alles kein Problem. Schnell war Meckes schickes Zelt aufgebaut und ein Haufen Holz gesammelt. Bei Temperaturen um 10 Grad und immer wieder kehrender Nieselregen war ein Feuer für die Stimmung unerlässlich. Aus dem Wetter ergab sich aber auch das Problem wie bekommen wir das völlig durchnässte Holz ohne Hilfsmittel zum Brennen.

Aber als alter Globetrotter bekam Mecke mit einem großen Stück Birkenrinde und einer Menge Geduld das Feuer zum lodern und der Abend war gerettet. Am Feuer bekamen wir dann noch netten Besuch von einem älteren Herren mit großer roter Nase, es war aber mit Sicherheit nicht der Weihnachtsmann. Nach dem Frühstück am anderen Morgen meldeten sich auch die beiden anderen Mutigen und wurden von Mecke vom 4 km entfernten Bahnhof abgeholt. 3 Stunden später waren die Boote aufgebaut, das Zelt eingepackt und das GPS initialisiert - also alles fertig für das große Abenteuer. Schon die ersten Meter gaben einen Vorgeschmack auf das was uns an den nächsten 3 Tagen erwarten würde. Noch dachte ich Neoprensocken und Aquashellhose werden schon dafür sorgen das alle Treidel- und Engstellen im Wasser stehend, ertragbar sein werden. Trotz aller Wiedrigkeiten gleich am Beginn, besonders durch die vielen Baumhindernisse, waren wir von der Urspünglichkeit der Natur begeistert und gefesselt. Manchmal hätte man sich nur gewünscht, das alles mal für ein paar Kilometer ohne Hindernisse genießen zu können. Aber denkste, ungelogen oftmals alle 50 Meter lag ein Baum im Wege. Zu allem Überfluss schaffte es der etwas übermotivierte Jan nicht nur einen dicken Baum aus dem Weg zu räumen sondern auch mich mit. Der Gute bedachte halt nicht, dass ich im bis zum Hintern im Wasser und Schlamm stehend nicht ganz so schnell bin wie er mit festem Boden unter den Füßen. So begab es sich, dass ich mich vom Baum überrollt der Länge nach im Wasser liegend wiederfand. Bei 8 Grad Wassertemperatur nicht wirklich angenehm. Und vor allem ist es ja auch nicht geplant die Wechselklamotten schon nach einer Stunde Fahrt zu brauchen. Wer weiß was noch kommt. Immer wieder fanden wir neue Techniken zur Überwindung der Hindernissstrecke. Nach gerademal 5 Flusskilometern und einbrechender Dunkelheit wurden wir mit einem tollen Biwakplatz an einer Flussschleife einige Meter über dem Fluss belohnt. Die Gegend um die Pliszka herum ist wirklich sehr einsam, so waren wir froh doch den Wasserfilter mitgenommen zu haben. Damit war der morgendliche heiße Kaffee und am Abend der heiße Tee immer gesichert. Die nächste kalte nacht zeigte mir endgültig das für Temperaturen unter 5 Grad plus mal wieder ein neuer Schlafsack her muss. Aber der alte hat ja schließlich auch schon 12 Jahre auf dem Buckel und bekommt nun als Sommerschlafsack noch ein paar Jahre bei gutem Wetter geschenkt.

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Ein wahres Paradies ist die Tour natürllich auch zum Fotografieren. Egal ob moderne Spiegelreflex von Canon (Holger) oder antike manuelle Nikon-Spiegelreflex (Jan) es war schwer den Auslösefinger still zu halten. Nach eineinhalb Tagen war einiges klar. Besser wird es nicht. Die Pliszka werden wir nicht bis zu ihrer Mündung in die Oder durchpaddeln können. Ohne Meckes Schutzanzugshose wären wir verloren gewesen. Die Wassdichten Socken von Jan und André waren eher was für die Show. Und in meine Aquashellhose, konnte ich auch nur 4-5 mal für ein paar Minuten am Tag mit dem Beil im Wasser stehen. Danach reagierte der Körper mit Dauerzittern. Mecke war so immer der jenige, der in der zweiten Tageshälfte die meiste Arbeit zu verrichten hatte. Aber letztlich wurden wir immer wieder durch die wilde Natur belohnt und kamen mit allen Wiedrigkeiten zurecht. Nur das geplanten Treffen mit Karl-Heinz bekamen wir nicht auf die Reihe. Der Gute war wie immer mit dem Radl unterwegs und wollte versuchen am Nachtlager zu uns zu stoßen. Aber mehr als ein paar SMS hörten wir nicht von einander. Karl-Heinz ist am 25. erst recht spät in Berlin los gefahren und so erst in der Dämmerung in der verabredeten Gegend angekommen. Trotz guter topografischer Karten ist es im Dunkeln mit der Orientierung nicht so leicht und mit dem Frage ist es im fremden Land nich so einfach. Jedenfalls hat er dann auch am nächsten Tag ganz aufgegeben und ist zurück in seine warme Berliner Wohnung gefahren wo er nun intensiv über die Anschaffung eines kleinen Outdoor-GPS nachdenkt. Auch wir hatten weiterhin so unsere liebe Mühe und Not mit der Natur. Zwischenzeitlich schlängelte sich die Pliszka durch eine weite offene Landschaft wo die Bieber uns keine Bäume in den Weg legen konnten. Stattdessen fuhr sich die Vuoksa von André und Jan in irgendwelchem dicken Gestrüpp derart fest dass irgendwann kein kein Vor und kein Zurück mehr möglich war. Während der RZ eine andere Fahrrinne wählte mussten die beiden armen Schweine 45 min um ihre Freiheit kämpfen. Zu unserm Glück wurde der Fluss ab dem Ort Pliszka dann doch etwas breiter und man sah, dass hier auch mal ab und zu die Säge an Bäumen im Fluss angesetzt wurde. Jetzt gabe es auch mal die erhofften freien Flussabschnitte aber natürlich nicht zu lange. Wir kamen nun endlich vorwärts überquerten noch den kleinen J. Ratno See und den großen J. Wielickle (Grosser See) bevor wir an dessen Ende die Schnauze voll hatten und die Tour beendeten. Am Ende haben wir gerade die Hälfte der ursprünglich geplanten Strecke geschafft. Am Abend gab es nochmal ein kräftiges Futter und eine ausführliche Tourauswertung am Feuer. Am Ende war uns allen klar wir kommen irgendwann im Frühjahr wieder. Dann wissen wir was uns erwartet. Aber was ist dann anders?

  1. höhere Temperaturen und längere Tage
  2. eine zweite Axt ist Pflicht
  3. mehr dieser Schutzanzüge
  4. hoffendlich ist d.Fluss dann etwas geräumt
  5. man weiß auf was man sich einlässt

Am nächsten Morgen gings für André und Jan zur Bahn und für Mecke zur einer abenteuerlichen Autorückholung und dann ab nach good old Germany.

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»Fazit

Ein toller kleiner Fluss der wahrscheinlich nicht von sovielen Booten befahre wird und eine Menge Natur bietet. Die ersten km bis Pliszka sind sicher nur im Frühjahr und mit viel Einsatz zu bewältigen - aber wo kann sich der abenteuerlustige Berliner Paddler im Nahbereich um Berlin herum schon mal so richtig austoben? Mit den gewonnen Erfahrung werden wir sicher auch noch den Unterlauf irgendwann in Angriff nehmen.


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