Wildwasser für Anfänger auf der Saale

1 - Die Tour

Wer und Wann

Mandy, Katrin, Stefan, Christoph, David P., David H., Mecke, Marten, Holger, Kalle, Gena, Daniel, Sergey

Anfang Oktober 2005
4 Tage davon 3 Tage paddeln

>>> Galerie

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Die Strecke

Rudolstadt - Dornburg 55km

1. Tag Rudolstadt - Orlamünde
2. Tag Orlamünde - Jena
3. Tag Jena Dornburg

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Skizze nach einer Idee von www.blaues-band.de

Skizze

 


Kartenskizze

 

Impressionen

Bilddie meiste Zeit fließt die Saale ruhig vor sich hin

bildzwar nicht immer

Bildaber meistens

 

3 - Die Tour in Wort und Bild

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»Intro

Nachdem wir im letzten Jahr schon einen Versuch auf die Saale zu kommen abblasen mußten, war es diese Jahr endlich so weit. Nach langer theoretischer Vorbereitung bezüglich der zu erwartenen Schwierigkeiten auf einem Fließgewässer war es nun soweit. Einzig die große Menge an Saalenteressenten wurde kurzfristig zum Problem. Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Boot reichte einfach nicht aus um alle Wikinger unterzubringen. David war überhaupt nicht begeistert sein klapprigen Hammer Robinson auf einen Fluss wie die Saale mitzunehmen und Leihboote waren auch nicht mehr zu organisieren (Himmelfahrt). Letztlich fuhr Davids Boot doch und Christoph half uns noch mit einem antiken Einer aus seiner Sammlung aus.Lange Rede kurzer Sinn, kurz nach Sonnenuntergang waren alle 3 Autos mit 8 Berliner Paddlern im schönen Thüringen angekommen. Fehlen nur noch die Donnerstagstarter. Nach einem ordentlichen Abendbrot ging es für die einen ab in die Federn und für die anderen mit einer Flasche Wodka in eine nächtliche Diskusionsrunde über "Gott weiß was". Ich glaube das ging bis halb fünf in der Frühe. Aber am nächsten Morgen gab es keine Gnade um spätestens 8 Uhr war die Nacht für alle vorbei. Frühstück und Boote aufbauen macht sich nicht von alleine. Holger muste dann ja auch noch Christoph mit seinen beiden Booten aus Jena abholen. Ganz schön aufregend sowas mit einem ganz frischen Führerschein, aber alles lief wie ein Länderspiel. Frischer Kaffee von der Tanke sorgte dann auch noch für beste Laune (Holger hat den Kaffee zu Hause in der Küche stehen gelassen).


 

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Bootsgenerationen - Ladoga 2 und ein antiker Hart-Einer auf der Saale
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»Auf gehts

Nachdem auch Gena incl. 3 Flaschen Wodkanachschub dank Deutscher Bahn eintrudelte war alles andere Routine. Bevor wir dann aber endlich aufs Wasser kamen, gab es dann noch eine intesive Einführung über die Tücken der Fließgewässer von Christoph. Bei denen, die noch nie auf einem Fluss wie der Saale unterwegs waren (und das waren die meisten von uns) wurden die Gesichter immer länger und blasser. Ich glaube nach der Ansprache war der Eine oder Andere nahe dran seine Sachen zu packen. Aber der Verlauf der Tour zeigte bald, lieber mit etwas mehr Respekt als zu sorglos. Gegen 14:00 Uhr ging es endlich los. Und schon 30 min nach dem Start gab es die erste knifflige Situation. Durch umgestürzte Bäume uns Büsche im Fluss wurde es so eng und schnell, dass der Puls schon kräftig hoch ging, zumal gerade ein Kanadier vor uns aus den Fluten geborgen wurde. Aber alle Boote kamen ohne Probleme (abgesehn vom erhöhten Adrenalinspiegel) durch. Am Wehr Uhlstädt gesellte sich Marten mit Plasteboot und Hund Youkon zu uns. Wieder mal eine Premiere, zum ersten mal die Wikinger mit Hund unterwegs. Das Umtragen an den Wehren der Saale ist mit schwer beladenen Booten nicht immer ganz einfach. Die zu überwindenen Strecken sind selten länger als 100 Meter aber oft sind die Ufer recht steil und unwegsam. Ein Bootswagen ist bei vollen Booten sicher eine Hilfe. Kurz vor Orlamünde fanden wir ein nettes Plätzchen zum campen. Der Ort Orlamünde erhält seinen Reiz dardurch, dass recht hoch über dem Flusslauf der Saale liegt. Mit diesem schönen Blick auf Orlamünde brannte bald das Feuer und das Fleisch bruzelte auf dem Grill. Der Abend war lustig und schnell waren die ersten zwei Flaschen Wodka alle. Kurz gesagt alles war gut und nichts deutete auf irgendwelche Schwierigkeiten hin. Am nächsten Morgen aber war Schluss mit lustig. Gena bekam einen unangenehmen Anruf aus Berlin - Einbruch im Büro. Schöne Scheiße. David war irgendwie auch unlustig und eröffnete den erstauten Mitpaddlern er will nach Hause fahren, da gibt es ein Haufen Arbeit und er möchte nicht mit seiner schlechten Laune die Tour versauen. Das ist natürlich nur eine sehr grobe Wiedergabe seiner Befindlichkeit. Ja manchmal ist es ebend so und läst sich schwer in Worte fassen. Am Sportplatz Orlamünde wurden die überflüssigen Boote eingelagert und die desertierten Wikinger pilgerten zum Bahnhof um wieder nach Berlin zu fahren.

Wann passiert denn mal wieder was spannendes? Warum hat uns den Christoph so viel Angst gemacht? - Abwarten Freunde es passiert noch genug! Den ersten Aufreger war das Wehr bei Kahla. Das Wehr hat eine Flossgasse und bietet so die Option bei genug Wasser im Fluss und genug Mut im Herzen das Wehr ohne mühsames Umtragen zu bewältigen. Die RZ-Besatzungen und Marten mit seinem Hund als Pasagier entschieden sich ohne großes Überlegen für die Umtragevariante. Zitat Chr.K.: "Die von uns befahrene Floßgasse ... ist nur bei bestimmtem Pegel befahrbar. Bei zuwenig Wasser kratzt man über den Boden und bei zuviel bildet sich unten eine hohe, stehende, evtl. gefährliche Walze! Also, wer das nachmachen will, sollte sich da genau kundig machen, ob es geht. Kurz vor dem Sportplatz gab es zum Abschied noch eine kleine Stromschnelle (WW 1) die aber für niemanden eine Problem darstellte. Die Übriggebliebenen rätselten noch eine Weile über den plötzlichen Stimmungsumschwung bei David, konzentrierten sich dann aber wieder auf die Saale und die schöne Thüringer Berge rechts und links der Strecke. Christoph und Holger gingen auf Erkundung um die Verhältnisse in der Flossgasse zu untersuchen. Ergebniss der Untersuchung - wir riskieren es. Also wie immer an den schwierigen Stellen, Christoph vorraus als Testballon. Danach zur allgemeinen Überraschung ohne sich die Sache genau anzuschauen und mit viel Gottvertrauen Daniel und Mecke mit dem 6 Meter langen Ladoga 2. Zu guter Letzt Holger mit dem schnittigen Ladoga 1. Es war aufregend. Zum Schluss dieses Kapitels muss ich noch anfügen, dass die 3 umgetragenen Boote genauso schnell auf der anderen Wehrseite waren wie wir nach der ganzen Erkunderei. An den Ufern der Saale findet man nicht nur historische Sehenswürdigkeiten aus längst vergangenen Jahrunderten sondern auch solche aus dem letzten Jahrhundert. Und dann der große Aufreger am ersten Wehr am Rande von Jena. Aufgepasst! Nichts Schlimmes ahnend und durchs Fotografieren der schönen Kulisse total abgelengt verlor ich meine Aufmerksamkeit und merkte nicht das mein Boot immer schneller in Richtung einer hohen verrosteten Wand trieb. Als Christoph rief: "passt auf ihr werdet ins Kraftwerk gezogen", war es schon zu spät. Der Sog war so stark, dass weder David und Katrin im dicken RZ noch ich im Ladoga dem Unheil entgehen konnten. Was war geschehen? Unterhalb der beschriebenen Stahlwand erkennt man, bei entsprechender Aufmerksamkeit einen etwa 10 cm breiten Spalt durch den der größte Teil des Flusses in ein Kraftwerk fließt.

Warum vor dieser gut getarnte Paddlerfalle nirgends mit Schildern oder Absperrungen gewarnt wird ist mir bis heute ein Rätsel. Während der breite RZ an der Stahlwand hängen blieb und sich nicht von der Stelle rührte, reagierte ich genau falsch und wollte mich von der Gefahrenstelle wegstoßen, das war die völlig falsche Reaktion und der schmale Ladoga 1 kenterte sofort. Der Mensch ist schon ein erstaunliches Ding. Wie er sich in bestimmten Situationen, ohne schon einmal ähnliches erlebt zu haben heraus manövriert. Diese Erfahrung habe ich schon öfters gemacht, vielleicht ist es angeborener Überlebensinstinkt? Jedenfalls war ich unter Wasser ganz schnell aus dem engen Ladoga raus und wieder an der Oberfläche. Die ersten Worte waren: Scheiße die Kamera ist weg, sie lag ja im Moment meiner Kenterung ungesichert und unverstaut auf meinem Schoß. Der Wassersog machte das "an Land gehen nicht gerade leicht. Schwimmen war unmöglich und so hangelte ich mühsam am umgedrehten Boot entlang zum ausgestreckten langen Arm von Stefan. Inzwischen hatte Daniel auch meine Kamera, die sich glücklicherweise irgendwo am Boot verfangen hatte aus dem Wasser gefischt. So dass vorerst nur der Verlust meiner Brille und ein gewisses Kälteempfinden zu beklagen war. Während sich meine Begleiter um die Bergung meines Bootes und das Umtragen kümmerte galten meine ersten Gedanken der Untersuchung und Trocknung meiner Kamera, der Objektive und der übrigen Wertsachen. Und jetzt kommt der Hammer, was war bei der Untersuchung meines Handys im Display zu lesen? Zwei Anrufe in Abwesenheit. Es ist kein Scherz, genau im Moment meines unfreiwilligen Bades hat mich erst Matthias aus MeckPom (Kanutour) und dann Karl-Heinz (gerade in Jena angekommen) angerufen. Die letzten Meter zum Gelände eines Jenaer Kanuclubs verliefen abegesehen von meinem reduzierten Sehvermögen und den nassen Klamotten problemlos. Zumindest das Problem mit den nassen Sachen war ja dann an Land schnell zu beheben. Während Christoph sich bald zum Nachtdienst verabschiedete, nahm Karl-Heinz, der im Laufe des Tages mit dem Zug und Fahrrad aus Berlin gekommen war den freien Platz in unserer Runde ein. Dank dem Erlebten fehlte es während des Abends natürlich nicht an Gesprächsstoff. Morgens gab es dank Christoph frischen Brötchen und Gehacktes. So dass mit frischen Kräften in die nächste Katastrophe gehen konnte. Und dann die nächste Panne. An einem recht flachen Seitenarm der Saale wurde der RZ von David und Katrin aufgeschlitzt (ein Stück Blech im Fluss). Aber Dank Panzerband ging es bald weiter. Uns haut jetzt nichts mehr um. Bis auf einige flache Stellen im Fluss, die ich ohne Brille immer zu spät erkannte und dem mittlerweile recht miesen Wetter verlieg zunächst alles nach Plan. Unterwegs trafen wir auch planmäß André und Benjamin die auf dem Saaleradweg unterwegs waren pünktlich zum gemeinsamen Mittagessen an einer extrem zugigen Ecke der Saale. Bei einigen drückte das ungemütliche Wetter mittlerweile sichtlich aufs Gemüht. In der Nähe von Dornburg stellte sich langsam die Frage nach einem Platz zur Übernachtung. Eine große Wiese am Wehr in Dornburg bot sich an. Nach einem kurzen Disput ob man am Wehr (Betriebsgelände) campen darf oder nicht, sorgte das schlecht Wetter für eine Entscheidung. Am nächsten Tag erzählten uns Einwohner, dass hier oft Paddler zelten. Gerade rechtzeitig vor dem großen Unwetter konnten wir unsere Wasservorräte bei der Dornburger Feuerwehr auffüllen und uns ans kochen machen. Dank des großen 4-Mann-Iglu-Zeltes mit 5 qm Vorzelt konnten wir trotz des Weltuntergangs draußen gemeinsam einen trocknen gemütlichen Abend verbringen. Da der Bahnhof nicht weit entfernt war und wir alle durch Wetter und Aufregung geschafft waren, entschlossen wir uns am Morgen die Boote abzubauen und die Heimreise anzutreten. Wie es der Teufel so will weckte uns am Morgen schönster Sonnenschein und ein wunderbarer Blick auf die Dornburger Schlösser, aber die Entscheidung stand.

Nach gemeinsamen Frühstück machte sich die Autofahrer auf zur Bahn um die Autos zu holen, Christoph ließ seine Boot wieder zu Wasser um noch bis Montag weiterzupaddeln (der Glückliche) und der Rest kümmerte sich um den Abbau von Zelten und Booten. Der Rest war Routine ohne weitere Pannen.


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»Schlusswort

Saale du schöner aber tückischer Fluss, wir kommen sicher wieder und dann wissen wir was uns erwartet! Im Übrigen hat ein 24-stündiger Aufenthalt im Trockenschrank die Lebensgeister der gute alte Spiegelreflexkamera wieder geweckt, nur dass Weitwinkelobjektiv hat ein paar Wasserablagerungen auf den inneren Linsen. Ob eine Digitale das überlebt hätte? Also immer schön vorsichtig beim Paddeln liebe Leute!


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