Reizvolles in Polen- Bóbr (Bober)

1 - Die Tour

Wer und Wann

Mecke, Holger und Karl-Heinz der uns aber letztllich nicht gefunden hat

Himmelfahrt Mittwoch - Sonntag 24.5. - 28.5.

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Die Strecke

von Wlen (km 184,4)
über Lwówek Slaski (km 167,5)
über Boleslawice (km 139)
nach Szprotawa (km 98)

  • 1. Tag: Wlen (km 184,4) bis Marczow (km 178,1) - 5km
  • 2. Tag: bis Wlodzice (km 156,2) - 21,9km
  • 3. Tag: bis Golnice (km 128,9) - 27,3km
  • 4. Tag: bis Bobrowice (km 106,2) - 22,7km
  • 5. Tag: bis Szprotawa (km 98) - 8,2km

Pegel bzw Durchfluss: ca. 7 qm bei Pilchowice Infos dort Zeile Pilchowice" und in der Spalte "Odplyw" schauen
Bemerkung zu unserer Beladung: 2 Personen mit etwa je 65 kg Körpergewicht, Boot Vuoksa 3 mit insgesamt wenig Tiefgang. Die Wassermenge hätte nicht viel geringer sein dürfen!bild

Skizze

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Kartenskizze

 

 


einzufügende Bilderunterschriften

Eine Menge schöner Eindrücke gab es auch vom Fahrad aus

Am Rande der Radstrecke

Foto von der Radstrecke

Karl-Heinz mit dem Rad in der polnischen Wildnis

Der letzte Abend vom Radler.


3 - Die Tour in Wort und Bild

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»Anreise am Mittwoch

Seit wir im Jahr 2004 die Neiße mit Festbooten gefahren sind und uns Roland (dundak) während der Recherchephase eher zum Bobr geraten hatte. Spukte uns dieser Fluss im Kopf herum. Leider sind die Infos die zu finden sind sehr dürftig und wiedersprüchlich: Alle Quellen schwärmen zwar von seiner Schönheit aber über die Befahrbarkeit mit Faltbooten gab es sehr unterschiedliche Aussagen (zB. WW III und versenkter Kolibri). Im Laufe der Zeit setzte sich die Neugier und Abenteuerlust gegen Vorsicht und Skepsis durch und im Winter 2005/2006 stand fest im Frühjahr 2006 gehts los. Zu Beginn gab es auch eine ganze Menge Interessenten die mitkommen wollten. Aber letztlich blieben nur die beiden Neißeveteranen Mecke und Holger. Die Gründe für die vielen Absagen waren ganz unterschiedlicher Natur und nicht in Bedenken gegenüber den zu erwartenen Bedingungen auf dem Fluss zu suchen. Glücklilcherweise blieb zumindestens Karl-Heinz dabei uns und dem Fluss 4 Tage lang zu folgen. Die Gegend bietet auch für Radfahrer einiges. Ursprünglich wollte Kalle über den Rübezahl-Radweg von Zittau aus den Bobrtal-Radweg erreichen und uns am jeweiligen Nachtlager treffen. Moderne Kommunikationstechnik (SMS) und einheitliches Kartenmaterial macht ein solches Vorhaben theoretisch durchaus möglich. Aber wie es so ist mit dem Wiederspruch zwischen Theorie und Praxis. Vorm Beginn unserer Tour wurden Handynummern und Kartenmaterial abgeglichen und so sollte dem Vorhaben nichts mehr im Wege stehen. Leider stellte sich bald heraus dass wir massivste Kommunikationsprobleme hatten. Bei mir lage es wohl daran, dass ich erst wenige Tage vorher den Anbieter gewechselt hatte und das Roaming für Auslandsgesprächen noch nicht freigeschaltet war. Aber auch die Verbindung zwischen Mecke und Kalle funktionierte nicht. Nur Mecke konnte mich erreichen. Aber die Gründe dafür werden wohl für immer im Dunklen bleiben.

So fuhren Paddler und Radler jeweils alleine durch die schöne polnische Landschaft. Wahrscheinlich sind wir mehrmals andeinander vorbeigefahren, gesehen haben wir uns allerdings nie. Zur Ergänzung, die Anfahrt über den Rübezahlradweg war Kalle dann doch zu anspruchsvoll bzw zu aufwendig wenn her ihn abkürzen wollte (5 oder 6 mal umsteigen mit der Bahn). So ist er vom schönen Görlitz losgefahren und erreichte nach 1,5 Tagen den Bobr.


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»Mittwoch

Nun aber zur Schilderung der Ereignisse aus Sicht der Paddler. Das Auto wurde schon am Dienstag-Abend beladen. So ging es am Mittwochmorgen pünktlich und entspannt gegen 8 Uhr ab in Richtung Polen. Direkt nach dem Grenzübertritt merkt man schon, dass man in einem anderen Land ist. Da Mecke polnische Autobahnen vermeiden wollte, haben wir uns eine Route über gottverlassene recht schlechte Landstraßen gesucht. Verkehr gab es im Vergleich zu Deutschland hier kaum noch aber die Natur (große Waldgebiete) machte gleich Appetit auf mehr. Unser erstes Ziel war Jelenia Gora, zum einen versprachen unser Erkundigungen ein ganz nettes Städtchen und zum anderen mussten wir uns noch mit Proviant versorgen. Bald wurde es hüglig und Mecke genoss die Autofahrt auf den fast leeren Straßen sichtlich. Meinem Magen bekam die rasante Fahrweise weniger. Aber bis zum ersten Etappenziel hielt ich durch. Ein Besuch von Jelenia Gora zu Beginn einer Bobrtour kann ich in jedem Fall empfehlen. Zum Einen ist es einfach ein nettes Städtchen mit einer schönen Altstadt, die sich ganz hervorragend dazu eignet nach den 4,5 Stunden Autofahrt bei einem Becher Eis einer Tasse Kaffee oder Ähnlichem in die richtige Stimmung für die kommenen Tage zu kommen. Neben dem Provianteinkauf lohnte sich auch der Besuch des Buchladens um noch etwas Kartenmaterial für eine der nächsten Polentouren zu kaufen. Gegen 15 Uhr war alles erledigt und wenn wir heute wirklich noch ein paar km paddeln wollten wurde es langsam Zeit nach Wlen aufzubrechen. Leider musten wir schnell feststellen, das die Orientierung in fremden Landen nicht immer ganz einfach ist. Ein Blick auf die Karte zeigte wir haben uns verfahren. Auf unsere Frange wie es den nach Wlen ginge. meinten die Einheimischen wir sollen in die Stadt zurückfahren. Aber wir wussten es besser, schließlich zeigt unsere Karte eine viel kürzere Querverbindung, die wir schließlich auch fanden. Schnell wurde klar warum die Einheimischen den Rückweg in die Stadt empfahlen. Die Straßenqualität war zu vergleichen mit burmesischen landlichen Nebenstraßen (Verhältniss Asphaltfläche zu Schlaglochfläche = 2:1). Überraschenerweise lagen einige Bushaltestellen am Rand der Straße. Meckes fühlte sich inzwischen eh wie auf einer Ralley. Und so ging es mit Schmackes Berg auf und Berg ab über die Gott sei Dank gottverlassene Piste. Landschaftlich sind diese Strecken ein echtes Highlight. 30 Minuter später fingen wir in Wlen an das Boot aufzubauen. Gegen 19:00 Uhr gaben wir Meckes Auto in die Obhut einer polnischen Familie, die es während unserer Abwesenheit ein Auge auf das gute Stück haben wollten. Ziel für die erste kurze Etappe war Wehr Nr.1, gerade 5 km vom Startpunkt entfernt. Die ersten Metern erforderten gleich unsere volle Aufmerksamkeit kleine Stromschnellen und einige Untiefen die treideln erforderten. Kleine Anmerkung: die Wassermenge am Ausgang des Stausees von Pilchowice betrug während unserer Tour so um die 7qm. Das ist recht wenig. In Anbetracht der Tatsache, dass das Boot (leichter Vuoksa3 mit Luftschläuchen) mit ca 2 mal 65 kg plus ca 40 kg Ausrüstung und Proviant recht leicht beladen war, sind unter anderen Vorraussetzungen sicher Durchflussmengen von 10 oder mehr qm empfehlenswerter. Gerade 40 min später war das Wehr erreicht. Als Biwakplatz nicht gerade ein Traum aber um die Uhrzeit ok und eine Umtrageaktion hätte jetzt einfach zu lange gedauert. Gut und ruhig haben wir jedenfalls geschlafen. Am nächsten Morgen war für mich um 6:00 Uhr die Nacht vorbei, wegen eines Laufwettkampfes in der kommenden Woche standen 70min Laufen auf dem Programm. Die ersten Meter waren nicht schön aber bei blauem Himmel und der wunderbaren hügligen Landschaft wurde das Training nach 10 min zu einem echten Genuss. An meiner Wendemarke, nach 7km konnte ich nochmal einen Blick auf den Fluss werfen und sehen dass es mit den Untiefen und Schnellen auch auf den kommenden Kilometern weitergehen wird. Bei meiner Rückkehr war Mecke inzwischen auch schon munter und dabei den Fühstückstisch zu decken.


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»Donnerstag

Aufbruch zur ersten echten Tagesetappe war dann um 9:45 Uhr, verdammt früh für unsere Verhältnisse. Wir ahnten wohl schon was uns an diesem Tag erwartet würde. Die erste Panne gab es genau 10 min oder 1,2 km später. in einer Kurve incl. kleiner Stromschnelle ragte mitten in unserer Fahrlinie ein dicker Felsbrocken aus dem Wasser. Die Kurve bog nach links, die Klamotte lag halb rechts in der Kurve. Rechts vorbeifahren hätte uns zu nahe ans Steinige, flache Ufer bebracht also blieb nur der Weg lings am Stein vorbei. Wie sich ein mehr als 5,6 m langes Faltboot in einer Kurve mit ordentlicher Strömung steuern lasst ist vielleicht dem einen oder anderen bekannt, keine leichte Aufgabe. Mit ordentlichem Krafteinsatz und guten Worten an das Boot kamen wir auch ganz gut an dem Hinderniss vorbei. Dachten wir jedenfalls, auf Höhe des Brockens sahen wir das Unglück, das gute Stück reichte unter Wasser noch 1,5 Meter weit mit Messerscharfer Kante in unsere Fahrlinie hinein. Nun war es nicht mehr zu verhindern. Drei kräftige Stösse schüttelten unser Boot durch. Und 30 sec später kam vom Steuermann Mecke die Diagnose "Loch im Boot. Glücklicherweise gab es in der nächsten Kurve gleich eine ideale Stelle (15m langer Sandstrand) zum anlanden und inspizieren des Schadens. Nach dem Motto alle guten Dinge sind drei waren jeweils auf Höhe der Spannten kleine maximal cent-große Löcher zu erkennen. Also Boot ausladen, Stellen trocknen und Panzerband raus. Am Abend vor unserer Reise meinte Mecke er habe Aldi-Panzerband gekauft (angeblich Wasserdicht. Nichts gegen Aldi, aber vorsichtshalber hatte ich dann doch meine Rolle Panzerpand eingepackt. Nun war die perfekte Gelegenheit, die beiden Produkte in der Praxis miteinander zu vergleichen. 90 Minuten später ging es weiter. Bis Silesian Lwówek gab es keine nennenswerten Probleme, ein paar Schnellen und flache Stellen machten keine großen Probleme. In Silesian Lwówek trifft man auf eine schicke Bogenbrücke, deren Konstruktion aber dafür sorgen kann, dass alles mögliche Treibgut dort hängen bleibt. Ausserdem ist es unter ihr so flach dass man (bei unserm Wasserstand) treideln muss. Hinter der Brücke kommt eine steinige Stufe (80m) die mit unserem langen Boot kompliziert zu bewältigen war (schieben, ziehen, heben). 2 km später das nächste Wehr, im Anschluss daran sollte es eigendlich 8 km hindernissfrei weitergehen. Aber dann die Überraschung der Wasserlauf führte uns 500m später zum nächsten nagelneuen Riesenwehr. Ausserdem folgte der Flusslauf nun einer falschen Richtung, Großes Fragezeichen!!! Ein Landgang und mehrmalige Kontrolle unseres Kartenmaterial führte zur Annahme, dass die Polen den Flusslauf geändert haben. Und zwar wird der Fluss nun durch eine künstliche Seenlandschaft westlilch des ursprünglichen Flusslaufes geleitet. In den Seen wird Kies, Ton o.ä. durch große Tagebaumaschienen abgebaut, also Vorsicht beim druchqueren. Immer am rechten Ufer halten dann findet man auch den Rückweg zum Bobr. Wir waren natürlich schon neugierrig wie es im alten Flussbett aussah und sind zwischendurch mal an Land gegangen um den allten Flusslauf zu suchen, sieht schon witzig aus so ein ausgetrockneter "Canyon". Kurz nach der entpannten Fahrt durch die künstliche Seeenlandschaft wurde es wieder interessanter. Auf Höhe einer alten Brücke muss man versuchen einige alte Holzpfeiler zu umschiffen. Die Strömung ist hier nicht ohne! Nachdem man denkt, alles ist überstanden sieht man eventuell zu spät, dass etliche Felsbrocken im Flussbett nur darauf warten Faltboothäute zu verletzen. Wieder erwischte es uns. Meckes Kommentar: Holger bitte zügiger paddeln ich komme mit dem schöpfen nicht hinterher. 2,5 km später kommt das nächste Wehr und da kann man sich ja gut um das verletzte Boot kümmern. Nach der Bergung des Bootes am Wehr, war für Mecke klar heute paddelt er wegen akuter schlechter Laune keinen Meter weiter. Wenn man bei der ersten Tour mit seinem neuen Boot 6 Löcher an einem Tag davonträgt ist das sicher verständlich. Eine ordentliche Mahlzeit am Feuer läst die Stimmung langsam wieder steigen.

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»Freitag

Am nächsten morgen war alles wieder gut. Auch die Sonne lies sich am Morgen mal blicken. Frische polnische Bötchen und Kaffee machten uns munter für den neuen Tag. Am nächsten Wehr gute 4 km weiter war es zu nächst ziehmlich unklar wie es am besten zu überwinden ist. Rechts durch das Dorf 400m durch das Dorf bis zur Brücke oder wie eingezeichner rechts kurz am Wehr vorbei. Aber unten wartet eine echte Mondlandschaft großer Felsbrocken. Mit Boot und Gepäck bricht man sich die Ohren und muss das Boot etliche Meter durch die Brocken schleppen. Wir entschieden uns dafür alles quer von rechts nach links über das Wehr zu tragen und unten an einem sandigen Uferstück wieder einzusetzen. Das Umtragen und Erkunden kostete diesmal eine glatte Stunde. Nach dem Wehr kam man nur langsam und vorsichtig in einem kleinen Bächlein vorwärts, hin und wieder musten wir aussteigen. 400 Meter weiter kam das Wasser wieder zurück. Als größer Ort auf unserem Weg erwartete uns nun Boleslawice. Die Stadt war als Station zum auffüllen unserer Proviantreserven eingeplant. Von der großen Straßenbrücke sind es gerade 300 Meter zu einem Einkaufszentrum. Beim nächsten Mal auf dem Bobr haben wir hoffendlich auch mal Muße die Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke in Augenschein zu nehmen. Von Boleslawice sah ich jedenfalls nur dieses Einkaufzentrum, während Mecke am Boot wartete. Am Ortsausgang kreuzt eine Bahnline den Fluss. Die hohe Bogenbrück ist schon von weitem zu erkennen. Wegen einem Stufenwehr direkt hinter der Brücke muss man wiedermal den Bootswagen aktivieren. Aber wie meisten ist das Umtragen kein großes Problem. Der Platz ist auch ganz nett für ein kleines Päuschen leider ließen uns zwei nette ältere Herren keine Ruhe, wollten immer unser Karten sehen und uns erzählen wann das nächste Wehr kommt und wie hoch es ist. usw. Da sie diese Informationen ca. zwei Dutzend mal wiederholten und auch keine Anstalten machten ihren freundlichen Redefluss zu unterbrechen verschoben wir unser Picknick bis zum nächsten Wehr um ungestört unsere Mahlzeit zu genießen. Das nächste Wehr ist in Abhängigkeit von Boot und Wassermenge eventuell befahrbar. Die Stufe hat eine Höhe von ca 50 cm. Nach unseren schlechten Erfahrungen im Verlauf der Tour verzichteten wir aber auf alle Experimente und trugen artig um. Die Stelle bietet sich auch als netter Übernachtungsplatz an (Wiese mit genug Platz, von Wald umgeben). Nun gabe es auch endlich was zu futtern. Die folgenden 15 km hat man hindernissfreihe Fahrt ohne ein einziges Wehr. Deshalb bot sich der heutige Abend auch an ein hübsches Plätzchen abseits lauter Wehr für die Übernachtung zu suchen. Ab 18:00 Uhr fingen wir an nach einem geeigneten Fleckchen Erde zu suchen. Aber wie es so ist trotz mehrmaliger Erkundungslandgänge war nichts wirklich perfektes zu finden. Nach eineinhalb Stunden wurde unser Suche doch noch von Erfolg gekrönt. Der wunderschöne Platz bei Golnice entpuppte sich zwar als Kuhweide war aber an dem Abend nicht von Viehzeug bevölkert.


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»Sonnabend

Nachdem ich am Freitag lauftechnisch faul sein durfte hieß es am Sonnaben 4 mal 1000m Intervalltraining. Nicht genug damit, dass diese Trainingsform überaus belastent ist (4 mal Puls bis fast 190), nein das Wetter meinte es auch nicht gerade gut mit mir. Kalter ungemütlicher Nieselregen war mein ständiger Begleiter während des Laufens. Das miese Wetter motivierte uns auch nicht gerade zügig unser Lager zu räumen. Dass es am Ende doch recht schnell ging lag eher daran, dass ein Bauer seine Kuh auf "unsere" Weide zum grasen brachte und wir keine Lust verspürten von einem neugierigen Rindvieh beim Boot beladen gestört zu werden. Am Ende war es kurz nach halb elf, also wieder so spät wie sonst auch immer. Genau eine Stunde und 7,5 km später erreichten wir nicht nur das erste Wehr des Tages sondern trafen auch die ersten Bobrpaddler seit dem Start. Schon aus einiger Entfernung war zu erkennen, dass das sicher keine Polen sind. Die Art der Boote (Grabener-Schlauchboote, Pouch-Faltboote und Necky Festboot) sowie die Art der Ausrüstung deutete auf Landsleute hin. Genau, insgesamt 8 Boote aus Leipzig und Berlin sind seit Donnerstag unterwegs. Genauer gesagt Männerrunde mit ihrem Nachwuchs. Wie immer erntete so ein russisches Faltboot interessierte Blicke, und sofort begann die Fachsimpelei. Mindestens genauso überrascht war man darüber, dass wir um kurz nach 12 schon seit über einer Stunde auf dem Wasser sind. Der Bereich hinter dem Wehr Stara Oleszna eignet sich übrigens ganz hervorragend zum biwakieren. Da 95% des Wassers ins Kraftwerk abgeleitet werden bleibt nur ein ein kleines Rinnsal (treideln) und das sandige Flussbett vom Fluss übrig. 700 Meter später vereinigt sich der Fluss wieder. Nach 5 weiter Kilometer erreicht man auf Höhe einer Bahnbrücke ein relativ niedriges Wehr (km 116,8). Auf der Karte ist Umtragen rechts oder links eingezeichnet. Rechts ist mit Sicherheit keine gute Idee. Auf der linken Seite geht es über eine Wiese ganz gut. Nachdem wir unser Boot hinter das Wehr geschafft und eine kleine Mahlzeit bereitet hatten, kam auch unser Preussisch-Sächsische Paddelgemeinschaft am Wehr an. Nach eingehender Erkundundung wurden die Grabener Schlauchboote als "Versuchsballons" durch das Wehr geschickt. Nach problemloser Durchquerung folgten die Festboote und dann die Falter. Also dieses Wehr ist wohl meist befahrbar. Naja gut, wir hatten halt kein Vorfahrer und beim nächsten Mal wissen wir wie es geht. Ein wenig ärgerlich war es schon, dass uns die große Gruppe mit ihren 8 Booten überholte. Am nächsten Wehr wird durch soviele Boote, dazu mit Kindern sicher ein gewaltiger Stau verursacht. Überraschenderweise dauerte es nach unserem Picknick nichtmal 10 Minuten bis wir unser Landsleute einholten. Gerade wurde die Landschaft wieder richtig aufregend und zwar fotoaufregen. Das führte dazu, dass erst ich als Vorderman die Kamera zückte und gleich danach der Steuermann Mecke. Während des Fotografierens drangen dann aber schon bedrohliche Wassergeräuschen an mein Ohr. Kamera schnell weg, Augen auf, Hals lang machen und paddeln. Die Fließgeschwindigkeit stieg deutlich, vor uns eine Kurve mit Stromschnelle und mindesten zwei frischen Baumhindernen im Fluss. Da kann man nicht einfach druchfahren ohne die Gegebenheiten in Ruhe von Land aus zu überblicken. Das alle war natürlich eine Sache von Sekunden und während ich vorne im Boot versuchte uns in ruhiges Wasser zu bringen, tat sich hinter mir nicht viel. Darum meine Frage: "... Mecke, was machst Du gerade? Steuern wäre nicht schlecht..." "...ja, ich packe gerade die Kamera weg ...". Da kamen auch schon die Warnrufe: "... Halt, nicht weiter fahren da kommt man nicht durch - umtragen!..." mit Ach und Krach erreichten wir das sichere Ufer und konnten uns vom anderen Ufer erzählen lassen, dass die ersten vier Boote die versucht haben die Stelle zu passieren alle gekentert sind. Die anderen Boote versuchte man gerade umzutragen während die Schiffbrüchigen sich hinter der Stelle gerade wieder sortierten. Glücklicherweise gab es nur Schäden materieller Art zu beklagen (Paddel, Kamera ...). Die Stelle vereinigte gleich drei Schwierigkeiten: 1. Doppel-S-Kurve, 2. Stromschnelle und 3. zwei oder frisch gefallen Bäume rechts und links im ersten Kurvenbogen. Aber für mich sah es irgendwie doch so aus als könne man durch geschickte Linienwahl trotz des viel längeren Boots, doch durchkommen. Ich hatte keine Lust das Boot durch unwegsammes Unterholz 2 oder 3-hundert Meter durch den Wald zu tragen. Außerdem hätte es noch mindestens eine dreiviertel Stunde gedauert bis die vier Boote vor uns umgetragen worden wären. Mecke schenkte mir volles Vertrauen und lies sich ohne eigene Erkundung auf das Risiko ein. Nochmal kamen die Warnungen vom anderen Ufer: "... mit Euerm langen Boot wird das schwierig, aber vielleicht ...". Egal, Augen zu und durch. Und genau die andere Linienwahl (nicht an der Hauptströmung orientiert) ließ uns fast entspannt durch die tückische Doppel-S-Kurve fahren. Die Gekennterten Bootsbesatzungen baten uns noch nach einem verlorenen Paddel Ausschau zu halten. Das einzige was wir unterwegs aus dem Wasser fischten war eine Flasche sächsisches Bier.

Hier eine Richtigstellung der Betroffenen: "Die ersten beiden Boote fuhren unbehelligt durch. Die nächste beiden Boote kenterten ( Kleidung verfing sich im Baumwerk). Beim Versuch zu helfen und durch den verursachten Stau kenterten weitere zwei Boote. Gemeinsam gelang es uns die Boote wieder flott zu machen und wir konnten nach einiger Zeit weiterfahren. Umtragen war nicht nötig. Zwischenzeitlich zeigten wir den beiden Faltbootfahrern Holger und Mecke die von den beiden ersten Booten genutzte Passage, die sie dankend nutzten."

Naja, den letzten Satz bezweifel ich, aber ich will keine Zitate verstümmeln oder verfälschen. Dieses Erlebniss verdeutlicht vielleicht ein wenig den Charakter und die Tücken des Flusses. Er ist sicher auch mit Faltbooten gut zu bewältigen, aber man muss schon aufmerksam sein. Also nichts für Sonntagspaddler. Für solche halte ich auch die Besatzungen der vier gekennterten Boote nicht. In Anbetracht ihrer Ausrüstung und der Tatsache sich diesen Fluss auszusuchen, gehe ich davon aus, dass die Kollegen öfters mal auf ähnlichen Gewässern unterwegs sind, also keine Sonntagspaddler sind. Das nächste Wehr (Leszno Gorne km 111,9) lässt sich relativ mühsam umtragen. Ein kleiner steiniger Bach ist kurz vor dem Einsetzenit Sack und Pack zu überwinden. Hier haben wir zum letzten Mal unsere Wasserreservern aufgefüllt und beim Ablegen unsere paddelnden Landsleute aus der Entfernung gesehen. Bis Szprotawa (km 97,9) hat man zu mindestens was Wehre betrift keine Hindernisse zu befürchten. Leider lag uns nach ein paar Kilometern noch ein frisch gefallener Baum im Wege. Im Laufe der Zeit hat sich an ihm noch etliches Treibgut verfangen. Der Fluss war schon recht tief und das Ufer war unwegsam und steil. Leider hatten wir diesmal keine Axt dabei nur so eine Falt-Ketten-Säge. Die ist bei Ästen bis 10 cm Durchmesser ganz ok aber nicht bei Stämmen von 30 cm Dicke. Umtragen war wegen des hohen Ufers kaum möglich. Also versuchten wir irgendwie das Treibgut aus dem Weg zu räumen. Es sah so aus als ob man sich auf diese Art eine Lücke schaffen könnte. Mecke stieg mit seinem schon berühmten NVA-Schutzanzug in den Fluss und aufzuräumen. Ich versuchte mein möglichstes mit der Säge. Nach einer halben Stunde war es soweit und eine Lücke tat sich auf. Da Unterwasser einige spitze Äste von der Baumleiche nicht zu entfernen waren und die Strömung durch die Flussverängung auch ordentlich Kraft hatte war mal wieder Fingerspitzengefühl beim Manövrieren nötig. Das waren wir ja mittlerweile gewöhnt und so ging alles gut. Belohnt wurden wir ein paar km später mit einem perfekten Biwakplatz in der Nähe von Bobrowice. Am Feuer war dann Zeit für ein erstes Fazit. Der Fluss bietet eine Menge Natur mit ein paar zu beweltigenden Herausforderung. Aber bei entspechenden Wasserstand und Aufmerksamkeit ist alles zu machen. Allerdings muss man damit rechnen, dass die Boote etwas leiden. Ein paar Perforationen an der Bootshaut muss man in Kauf nehmen wenn der Wasserstand zu niedrig wird. Die Anzahl der Wehre ist gerade noch zu ertragen, da die Umtragestecken kurz und meist einfach sind. Wir haben nichts dagegen nochmal wieder zu kommen. Schließlich sind es bis zur Mündung in die Oder noch fast 100 km unendeckte Kilometer.


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»Sonntag

Bis Szprotawa waren es zwar nur noch 8 km, aber man weiß ja nicht was einen noch erwartet. Das gilt für den Fluss wie auch wür die Autoholaktion die Mecke noch bevorstand. Die einzige berechenbare Aufgabe für diesen Tag war die Rückfahrt nach Berlin (ca. 3h). Also hieß es mal wieder: nicht trödeln und zügig in See stechen. Das gelang uns mal wieder ganz gut um kurz vor 9 waren wir auf dem Wasser und 1,5 Stunden später hatten wir das Tagesziel erreicht. Gegen 11:30 Uhr machte sich der Tramper auf die Socken und ich mich ans Abbauen, trocknen, reinigen und einpacken. Nachdem alles sozusagen in trockenen Tüchern war, kam was kommen musste - ein kräftiges Gewitter. Kurz danach, mir wurde schon langweilig, kam Mecke um die Ecke gebogen (2 h trampen, 1 h Rückfahrt). Tja dann ging alles ganz schnell und um 19:00 Uhr waren alle heil und gesund wieder in Berlin um wieder in den Alltag einzutauchen.

»Fazit

Wieder eine tolle Strecke in Polen. Nicht weit weg von Berlin, abwechslungsreich. Aber echte Anfänger sollten wo anders Paddeln. Die Wehre sind nicht immer leicht zu überwinden. Eine Anfahrt mit der Bahn ist von Berlin aus nicht ganz einfach. Da es aber Bhf entlang der Strecke gibt sollte man sich immer nach der aktuellen Situation erkundigen. Bahnpläne ändern sich ja.


bildAm Rande der Radstrecke.

 


bildFoto von der Radstrecke


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bildbildbildbildbildbildbildbildbildAuch der Radler hatte gemütliche Plätze zum Übernachten

 

 


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