Die Trebel

1 - Die Tour

Wer und Wann

Jana und André

29.04. - 01.05.2006

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Die Strecke

Tag 1 Grimmen – Kirch Baggendorf, 20km

Tag 2 Kirch Baggendorf - In der Botanik 34km

Tag 3 nach Demmin 20km Bild

Karte


3 - Die Tour in Wort und Bild

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Samstag, 29.04.2006

»Grimmen – Kirch Baggendorf, 20km

Langsam glaube ich, der Wetterbericht hat etwas gegen unternehmungslustige Leute. Sobald es ein verlängertes Wochenende gibt, sagt er Regen an. Regen, Regen, nichts als Regen. So auch dieses Wochenende. Und wir beschließen daraufhin, die Ryck statt der Tollense zu fahren. Weil die Ryck muss eh mal ran, und die Tollense soll sehr schön sein, die kann man sich ja aufheben für besseres Wetter, dann hat man mehr davon. So war der Plan. Eigentlich. Am Samstag Morgen dann, wie hätte es anders sein können, strahlender Sonnenschein. Ein wolkenloser Himmel, der vorgab, kein Wässerchen trüben zu können. Mir kamen erste Zweifel, ob es richtig war sich vom Wetter abschrecken zu lassen, aber nun gab es ja kein zurück mehr. André war bereits auf dem Weg nach Grimmen und auch mich würde Martin zu 12.30 Uhr dort abliefern. Nachdem das Gepäck von der S- Klasse auf den Bootswagen umgeladen war, rollten wir Richtung Gartensparten davon. Dort entlang fließt der Schwedengraben, welcher in die Ryck und in die Trebel mündet. Und André beschloss, sich die ganze Sache erst einmal anzusehen. Eine halbe Stunde später war er wieder da, um die Erkenntnis reicher, das der Ryckgraben ein stinkender Abwassergraben und wohl kaum attraktiv ist. Also die Trebel. Sah ja doch eher nach Wetter für eine 3- Tages- Tour aus. Unter den skeptischen Blicken der Spaziergänger bauten wir das Boot auf, noch einladen und dann endlich schwamm es wieder vor sich hin. So soll es sein. Als der Schwedengraben sich nach wenigen 100 Metern mit der Trebel vereinte, war das ganze schon so breit, das an den Seiten ausreichend platz zum Paddeln war. Aber auch nicht mehr. Und wie kleine Flüsschen, die mal groß werden wollen, es in ihrem Oberlauf zu tun pflegen, floss die Trebel munter vor sich hin. Um unzählige Kurven. Ich hätte nie gedacht, dass ich Grimmen noch so oft und von so vielen Seiten sehen würde. Aber die meiste Zeit sahen wir eigentlich nur blühende Wiesen und ab und an einen malerischen Strohballen am Ufer wie von Künstlerhand arrangiert. Wie unser munteres Flüsschen flossen auch die Stunden schnell dahin, und dann war es auch schon Zeit nach einem geeigneten Zeltplatz zu schauen. Und davon gab es massig. Eigentlich war das ganze Ufer mit seinen Wiesen ein einziger Zeltplatz, wir mussten nur die allerschönste Stelle aussuchen. Eine nach oben durch ein Waldstück und seitlich und unten durch Schilf begrenzte Wiese war dann die Alternative der Wahl, auf die wir uns ganz ohne die gewohnt langen Diskussionen einigen konnten. Wir waren ja diesmal auch nur zu zweit. Und keine Zeltplätze weit und breit. Sehr gut. Nachdem das Zelt aufgebaut war, und André wie immer herumstrolchte, um heraus zu finden, was wohl hinter dem Berg liegt, musste ich feststellen, dass der Büchsenöffner noch zu Hause lag. Da lag er gut! Aber letzten Endes konnte ich den Bohneneintopf doch befreien und bei Sonneuntergang ließ ich mich von André gesättigt und bereitwillig am golden angestrahltem Schilf entlang und den Berg hinauf führen, um auch zu sehen, wo wir denn eigentlich sind. In Mecklenburg. Sanft geschwungene Hügel und endlos weite Felder. Langsam traten die unlösbaren Probleme in den Hintergrund, und wir begannen uns zu entspannen. Es war ja doch nicht zu ändern, dass niemand Agrarwissenschaftler einstellen wollte, und wahrscheinlich hatte André Recht wenn er kein Kind wollte, solange ich keine Arbeit hatte. Die ganze Woche war ich am Gedanken wälzen und verzweifeln gewesen, aber mit den Farben des Tages verblasste das alles. Interessiert beobachteten wir das Abendrot und versuchten auszumachen, wie viel Feuchtigkeit wohl schon in der Luft war.


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Sonntag, 30.04.2006

»Kirch Baggendorf - In der Botanik 34km

Die Nacht über hatte es geregnet. Das war ja zu erwarten. Aber gegen jede Erwartung hatte es am Morgen bereits wieder aufgehört. Sonntag sollte der wettertechnisch schlimmste Tag werden. Sagte jedenfalls Wetter online. Doch als wir skeptisch aus dem Zelt lugten, war es zwar bedeckt, aber eindeutig trocken. Ob das hielt? Besser den André aus dem Schlafsack scheuchen, damit wir bereits im Boot sitzen, wenn es wieder losgeht. Mit Kakao und Müsli und dem androhen schlimmer Strafen ist mir das nach gar nicht so langer Zeit auch gelungen.

Früh saßen wir im Boot, doch statt dem Regen fuhren wir einem strahlenden Tag entgegen. Nach einer Weile und unzähligen Flusswindungen später erschien am Horizont die Kirche von Triebsees. Unser erstes Etappenziel. Und als solches hoffentlich mit Tankstelle ausgestattet, denn wir hatten zu wenig zu essen. Denn eigentlich sollten wir um die Zeit ungefähr auf der Ryck in Greifswald einfahren, wo der ganze Kühlschrank voller Leckereien und der Vorratsschrank voller Saft war. Aber nun entfernten wir uns mit jedem Kilometer den wir zurücklegten von diesen kulinarischen Schätzen, und brauchten folglich neue. Schon von weiten begrüßte uns die dicke Marie, das ich mich zum wiederholten Male fragte, ob es in Mecklenburg eigentlich nur einen einzigen Architekten gegeben hat. Sie sah genauso aus wie die in Greifswald und war identisch mit der in Grimmen. Waren wir im Kreis gefahren? So viele Kurven wie wir gefahren sind, war das gar nicht so unwahrscheinlich, doch nein, dies war Triebsees.

Als wir endlich da waren, das Frühstück war längst umgesetzt und vor der Schokolade lagen so viel Kurven, das ich schon das paddeln aufgeben wollte, fiel mir die Ehre zu, die Tankstelle zu suchen. Eigentlich wollte ich. Denn sobald man das Boot verließ war es kalt und windig. Im Boot unter der Spritzdecke, da war es warm und gemütlich, aber am Wasserwanderrastplatz, der sehr schön zu Füßen der Kirche gelegen war, war es kalt. Besonders wenn man nur herumstand. Da war es doch besser, sich etwas die Beine zu vertreten und Nahrung zu beschaffen. In der Tankstelle gab es außer der BILD und Bier eigentlich nichts, doch dann konnte ich doch noch eine weitere Büchse Eintopf und zwei Flaschen Saft ausfindig machen. Und Schokolade natürlich. Mit dieser Beute machte ich mich auf den langen Rückweg, die Tankstelle lag natürlich außerhalb des Ortes. Und als André bereits in Sichtweite war, hielten Anwohner mich auf um zu erzählen, dass wir nicht die einzigen auf der Trebel wären. Schon gestern und auch heute wieder hätten sie einem Haufen Boote beim Einsetzen zugesehen. So? Na, wir hatten jedenfalls noch keine gesehen, und waren auch ziemlich sicher, das obere Stück exklusiv genossen zu haben.

Nachdem wir uns mit Schokolade und Brötchen gestärkt hatten ging es auch schon weiter, erst durch ein offenes Wehr über eine Pflanzenbarriere und dann durch eine Straßenbrücke. Kurz darauf, als wir auch die Autobahn hinter uns hatten, mussten wir uns entscheiden: Alter Trebel mit vielen Schlingen und Verkrautung oder Trebelkanal. Als wir sahen, wie zugewachsen die renaturieret Trebel mittlerweile war, gab es da nicht viel zu überlegen. Und dem Kanal sah man eigentlich gar nicht an, dass er ein solcher war. Zwar ging er gerade aber die Ufer waren bewachsen und mit Bäumen bestanden. Und wie schon den gesamten Vormittag sahen wir auch hier eine Menge Rehe. Langsam glaubten wir an eine Plage oder faule Jäger. Sooo viele Rehe waren doch nicht normal! An der Einfahrt zum Kanal kamen wir an unsere erste und einzige Umtragestelle, für die wir nicht mal den Bootswagen bemühten. Was machte es schon, wir waren ja von der Warnow ganz anderes gewohnt. Als der Trebelkanal sich wieder mit der alten Trebel vereinigt hatte, hatten wir schon gut 40 km zurück gelegt. Und obwohl die Sonne noch hoch stand, fand ich es Zeit einen Zeltplatz zu suchen. Also, da keine Gefahr durch Zeltplätze bestand, sollte André mal dran sein mit aussuchen, aber dann musste ich doch erst mit dem Zaun winken und auf dies unglaublich schöne nach allen Seiten geschützte Wiese hinweisen. Und geschützt war sie wirklich. Vielleicht 50x50m, nach allen Seiten durch Schilf und Gebüsch begrenzt. Als wir anlandeten, hatten wir das Gefühl, unsere eigene Insel im Paradies gefunden zu haben. Und die Sonne tauchte die Szenerie in goldenes Licht.

Nach dem Abendessen machten wir noch einen Spaziergang zu den umliegenden Feuchtwiesen und lauschten allerlei Vögeln, bevor wir vom Zelt aus die untergehende Sonne beobachteten.

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Montag, 1.05.2006

»nach Demmin 20km

Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck!
Hat man denn nirgends seine Ruhe? Schalt doch jemand diesen verdammten Vogel aus! Das oder ähnliches knurrte André in seinen Schlafsack. Auch die Tatsache, dass die Sonne allen Prognosen zum Trotz schon wieder auf unser Zelt schien, stimmte ihn nicht versöhnlich. Die 40km von gestern steckten uns noch in den Knochen, und keiner von uns hatte Lust schon aufzustehen. Vorzelt auf, Sonne rein lassen und gemütlich in den Morgen kuscheln. Nach Demmin war es nicht mehr so weit, und jede Minute zu früh dort bedeute eine Minute weniger für uns. Da fiel die Entscheidung zum Liegen bleiben nicht schwer. Vorerst nicht. Ewig kann man die Sonne natürlich nicht ignorieren. Und dieser Tag schien genauso verregnet zu werden, wie die vorangegangenen. Wieso nur hatten wir Regenjacken statt Sonnencreme eingepackt? Dummer Wetterbericht. Diese Wetterfritzen waren Schuld, dass ich noch Tage später mit Sonnenbrand herumlaufen musste. Was die nur immer erzählen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Toast, Müsli gab es ja an der Tankstelle nicht, verließen wir schweren Herzens diesen idyllischen Platz um die hier schon deutlich breitere und fast strömungslose Trebel Richtung Demmin zu fahren. Der Gegenwind ließ uns ab und an darüber spekulieren, welche Höhe die Wellen wohl auf der dänischen Wieck erreichten, doch alles in allem waren wir davon reichlich unbeeindruckt. Gemächlich paddelten wir unserem Ziel entgegen, vorbei an Schilf und Wiesen und ab und zu durch ein Waldstück. Die Trebel ist fast komplett unverbaut, die Dörfer stehen weit weg vom Fluss, wenn man so tief im Boot sitzt, wie wir das taten, konnte man glauben ganz weit weg zu sein. Man merkt doch deutlich, das Mecklenburg eine der am dünnsten besiedelten Gegenden Deutschlands ist.

Erst als Demmin und damit die Hoffnung auf eine weitere Portion Schoki in Sicht rückte, war eine Kirche auszumachen. Aber Nein, diesmal war es keine dicke Marie, diesmal war es eher ein luftiger Dom. Wir hatten uns also doch vorwärts bewegt. Mit Demmin bereits in Sicht legten wir an einem Steg an, auf dem wir die letzten Brote aßen und uns noch eine Weile sonnten, bevor wir die letzten Kilometer in Angriff nahmen. In Demmin dann machten wir Bekanntschaft mit der verschmähten Tollense und außerdem mit der Peene. Ein anderes Mal. Für heute wollten wir langsam aussteigen und zusammen packen. Sonne und Wind und weitere 25km machten müde. Vom Energiemangel mal ganz abgesehen. Einmal mussten wir noch die Stadt umrunden, so dass wir auch den Dom von allen Seiten betrachten konnten. So hatte alles eine Richtigkeit. Was mit einer ausgiebigen Betrachtung der Grimmener Kirche begann, endet mit einer ebensolchen in Demmin.

Die Aussetzstelle war mit Anglern besetzt und endete im Nirgendwo. Nanu? Hat sich Jübermann mit den Wetterfritzen verschworen? Weiß denn hier keiner mehr wo es lang geht? Wir jedenfalls wussten es, fuhren 100 Meter zurück und setzten an einer Gartensparte unter den Kritischen Blicken einiger Pferde aus. Bald wurden wir uninteressant und sie versenkten ihre Nase wieder im Gras, während wir den Vuoksa zusammen und zurück auf sein Wägelchen packten. Im Gegensatz zu unseren Vorgängern nahmen wir unseren Müll mit und liefen die wenigen Meter zum Bahnhof. Dort war alles wie immer. André sah seine Zug noch weg fahren, mein letzter Bus war vor 10 Minuten gefahren. Da Martin auch nicht konnte, würde ich wohl in einer Stunde über Stralsund nach Greifswald zurück fahren müssen. Und für eine Strecke von 30km fast genauso lange brauchen wie André nach Berlin. Aber bis dahin war ja noch Zeit. Viel dringender war die Frage, wo zum Teufel es Schokolade gab. Der Automat am Bahnhof schien kaputt. André hatte schon einen Mann erfolglos sein Geld versenken sehen. Seufz. Es musste doch irgendwo Schokolade geben? Gab es aber nicht. Wirklich nicht. Demmin schien kein guter Ort zum verweilen zu sein. Aber statt uns aufzuregen setzten wir uns auf den Bahnsteig in die Sonne. Und viel zu schnell kam dann Andrés Zug. Warum nur enden alle schönen Fahrten so?

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