Die Suche nach der Ziese

1 - Die Tour

Wer und Wann

Jana und André

08.04.2006

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Die Strecke

15 km Greifswald - Ziese - Greifswald

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Karte


3 - Die Tour in Wort und Bild

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Samstag, 8. 04.2006

»Greifswald- Neuendorf Ausbau- Greifswald, 15km

Heut fahren wir die Ziese! Wie es sich für das Wochenende gehört, schien die Sonne schon am frühen Morgen, so das einer Ausfahrt auf der Ziese, die André ja am liebsten schon letzte Woche gefahren wäre, nichts mehr im Wege stand. Na Ja, fast nichts. Oder eigentlich doch einen ganze Menge. Eine ganze Menge Schilf nämlich.
Nachdem wir den Bodden mit Rückenwind im Nu überquert hatten, diesmal schon sichtlich weniger beeindruckt vom Seegang, den der Wind über den Untiefen hervorruft, und an der weithin sichtbaren Baumreihe am Weg nach Neuendorf vorbei waren, sahen wir nichts. Außer jeder Menge Schilf und einem Schwarm Schwänen, die sich aber freundlicherweise auf Abstand hielten. Sehr nett von ihnen, ich habe nämlich Angst vor Schwänen. Wir fuhren so dicht am Ufer wie eben möglich, um die Einfahrt zu finden, wir wussten ja schon aus der Karte, das die Ziese eher ein kleinerer Fluss ist, aber außer dieser geschlossenen Wand aus Schilf konnten wir nicht viel ausmachen. Allzu dicht konnten wir auch gar nicht ans Ufer, ohne Gefahr zu laufen, vom Wind ins Schilf gedrückt zu werden, aber selbst als wir schon so dicht dran waren, das wir ständig eine von einer Muschel aufgeschlitzte Bootshaut riskierten, fanden wir nichts, was einem immerhin 5Meter breitem Fluss auch nur im Entferntesten ähnlich sah. Ganz am unteren Ende der dänischen Wieck haben wir nach einer Weile so eine Art Kanalsystem aus Entwässerungsgräben erkundet, aber die endeten alle ziemlich bald blind und nachdem wir uns anderthalb Stunden die Gesichter mit Schilf zerkratzt und Faulschlamm aufs Deck geschaufelt hatten, waren wir wieder auf dem Bodden, genauso schlau wie vorher. Trotz einiger Landgänge (so man Sumpf und Schilf als solches bezeichnen will) war nirgends ein Fluß auszumachen. Ziemlich ratlos wurden wir wieder vom Gegenwind in Empfang genommen, aber irgendwo zwischen dem Ende des Boddens und der Baumreihe musste der Eingang ja sein. Nur wo? Eine halbwegs passende Bucht wollten wir noch untersuchen, André würde ja doch keine Ruhe geben, bis wir die Ziese endlich hätten, und wenn wir den ganzen Sommer danach suchten, also landeten wir ein weiteres Mal an. Auch hier kein Eingang. Aber wir konnten aussteigen und uns durchs Schilf an Land kämpfen, hier war der Schilfgürtel nur wenige Meter breit, und von Land aus würden wir sie schon finden. Und wenn wir bis nach Neuendorf laufen müssen! Ganz soweit mussten wir nicht, von Neuendorf ging ein Weg zum Bodden, und siehe da, mitten in der Landschaft stand ein rostiges Gebilde, welches wohl die Brücke sein könnte. Und sie war es wirklich. Jetzt brauchten wir ja nur noch den Fluß, der gerade breit genug zum befahren war, zur Mündung verfolgen, dann hätten wir unseren Eingang. Er lag in der Nachbarbucht, an der wir gerade vorbei gefahren waren, und selbst als wir definitiv wussten das dies der Eingang war, fiel es uns vom Wasser aus schwer, ihn als solches zu erkennen. Aber nun wussten wir es ja und waren durch nichts mehr zu stoppen. Die sagenumwobene Ziese in der Wiese! Ich glaubte schon, sie wäre verlandet oder auf sonst eine mysteriöser Art verschwunden, aber nein, hier war sie, und wir fuhren, geschützt vor dem stärker werdenden Wind auf dem Bodden zwischen Wällen und unter Erlen hindurch geschützt dahin. Na Ja, nicht ganz geschützt, denn die Erlen streckten ihre Zweige nach uns, versuchten einem das Paddel abzuluchsen und zogen in den Haaren. Manche hatten sich auch quer über den ganzen Fluss, der eher ein Bach und bestimmt keine 5 Meter breit war, gelegt, das man aussteigen, über den Baum klettern, und auf der anderen Seite wieder einsteigen musste, aber alles in allem war es doch ein gemütlicher Fluss, auch wenn er deutlich dem Meer zu strebte. Eine Umtragestelle nutzten wir gleich für eine Pause, dann ging es noch mal hundert Meter weiter, dann war Schluss. Verrohrt. Also auf die Viehwiese schleppen, umtragen, wieder einsetzen. Aber ging es dahinter überhaupt weiter? War die Ziese oberhalb von Neuendorf wirklich fahrbar? Der Wasserwanderatlas schwieg sich darüber wohlweislich aus. Aber André ist Forscher, der Muss so was wissen, also stapften wir durch Matsch und Kuhkacke, um diese Frage zu klären. Ich bestand darauf, das André mitkommt, denn hätte ich gesagt es gebe kein Durchkommen, er hätte es ja doch nicht geglaubt. So sah er mit eigenen Augen, das sowohl Ziese als auch Kemnitz nicht fahrbar waren. Möglicherweise waren sie noch breit genug, sein Boot durchs Wasser zu ziehen, aber es gab keinen Platz das Paddel einzustechen, von den ganzen quer liegenden oder tief hängenden Bäumen mal ganz abgesehen. Hatten wir diese Frage also geklärt, und konnten ruhigen Gewissens mit dem Strom zurück paddeln. Das ging doch gleich viel flotter, und viel zu schnell hatte uns die Ziese wieder in den Bodden gespuckt. Ziemlich undankbar, wo wir uns doch solche Mühe gemacht hatten sie zu finden, hätte sie uns ruhig ein Stück weiter fahren lassen können. So mussten wir dem aufgefrischtem Wind viel zu früh wieder ins Auge sehen, noch im Schutze des Schilfes haben wir uns in Regenkleidung gehüllt, inklusive Kapuzen, wohl wissend, das der Kampf gegen die wellen ein feuchter werden würde. Im rechten Winkel gegen die Wellen sind wir ans andere Ufer gesteuert, jedes Mal wenn Andre dachte, wir könnten doch schon etwas Strecke Richtung Mole machen und der Winkel etwas spitzer wurde, wurde ich vom seitlich aufspritzendem Wasser geduscht, was dann auch zu Protesten führte, und im Windschutz des Ufers paddelten wir dann Richtung Heimat. Boot auf´s Wägelchen geladen, die Dorfstrasse runter gerollt, an den neuen Spanngurten aufgehängt, fertig. Kurz darauf saßen wir mit Blick aufs Meer am Fenster und freuten uns zuhause zu sein, das Wetter wurde ungemütlich. Aber uns scherte das nicht mehr.
Von Sonne und Wind und Bewegung an frischer Luft angenehm erschöpft, hingen wir auf dem Sofa, und eigentlich glaubte keiner von uns, das wir an diesem tag noch irgendwo hin gehen würden. Aber es war ja auch noch Greifswalder Musiknacht. 19 Bands in einer Nacht. Und obwohl ich schon fast ein halbes Jahr hier wohne, kennen wir eigentlich das Kneipenleben nicht. Ja, wissen nicht einmal sicher, ob es überhaupt eines gibt. Das sollten wir schon noch raus finden. Aber 10€ dafür, das André nach einer Stunde müde ist und nach Hause will, und überhaupt, noch mal rein fahren und dann wieder zurück…André meinte dann aber doch, wir sollten, er würde auch nicht nörgeln, und so sind wir noch mal los und trotz Regen war es dann richtig schön. Und Ja, in Greifswald gibt es ein Nachtleben, jetzt wo alle Studenten wieder da sind, hatte ich den Eindruck, nachts wären sogar mehr Leute unterwegs als am Tage. So waren wir bei „Shin´En“ in der Dompassage, dann bei „Freunde der Nacht“ im St. Spiritus, wo Mittvierziger begeistert schunkelten und johlten, während der Schlagzeuger wirkte, als wäre er auf einen Sprung aus der Garage gekommen und hätte an der ganzen Sache Null Interesse, sehr spaßig, dann im Mittendrin, wo man vor lauter mittendrin kaum stehen konnte, am Markt vorbei und runter in der Kontorkeller, wo „Hard of Stone“ jung und alt mitrissen. Nachdem wir auch dort ein halbes Stündchen verweilt hatten, wurde der Hunger so groß, das wir ins Restaurant oben drüber gegangen sind, wo wir in Ledersesseln und bei stilvollen Ambiente Ofenkartoffeln verdrückten und ausgiebig die Gesellschaft am Nebentisch analysierten, um herauszufinden, warum man schon auf den ersten Blick sieht, das das Wessis sind. Man sieht es halt.
Das Sofa, den Wallensteinkeller und Eiscafe San Marco klapperten wir auf dem Rückweg eher der Vollständigkeit halber ab, es stimmt also, Greifswald bietet vielfältige Möglichkeiten zum weg gehen. Einige Kneipen waren ganz gemütlich und sind weitere Besuche wert.
Der Sonntag verlief dann erwartungsgemäß eher ruhig, lange schlafen, bis mittags frühstücken, Vögel für den Nabu zählen, Boot zusammenpacken und eine Runde Carcassone mit Steffi. Und schon ist das Wochenende wieder rum. Schade, es war so schön, heut fiel es mir besonders schwer André gehen zu lassen…