Anpaddeln dänisches Wiek - kein Aprilscherz

1 - Die Tour

Wer und Wann

Jana und André

01.04.2006

>>> Galerie

Bild

bild

Die Tour

  • Greifswald (Ryck) - Dänisches Wiek und zurück - 9km

Bild

Karte

3 - Die Tour in Wort und Bild

bildbildbildbildbildbildbild

Samstag, 1.04. 2006

» Greifswald- Ludwigsburger Haken- Greifswald, 9km

Da André mich um die unchristliche frühe Uhrzeit von 7.30 Uhr bereits aus dem Bett geklingelt hatte, war der Vuoksa bei seiner Ankunft gegen 10 Uhr schon startklar. Nach einem ausge-dehnten Frühstück, bei dem der eine Teil der Besatzung bestän-dig darauf drängelte, doch nun endlich aufzubrechen um das schöne Wetter zu nutzen, während der andere Besatzungsteil noch auf Kuscheln eingestellt war, ging es gegen 12 endlich los. Nachdem der Vuoksa auf seinem Wagen um Rosen und Wein herum aus dem engen Vorgarten herausmanövriert war, fuhren wir mit ihm die Dorfstrasse hinab dem Ryck entgegen. Da unser Haus- und Hof- Fluss ja praktischerweise über eine Einsatzstelle zum Slippen der Boote verfügt, haben wir diese doch gleich genutzt, und wenig später glitten wir auf dem Ryck hinaus aufs dänische Wieck.

Bei schönem Rückenwind kamen wir flott voran, auch bei zwischenzeitlicher Verweigerung der Paddler. Die Stimmung war leider schon nicht mehr so gut, ich hatte gefragt, ob André etwas dagegen hätte, wenn Olaf Ostern mit paddelt, nicht ahnend, was ich damit auslösen würde. André fühlte sich davon total überfahren und entwickelte in seiner plötzlich aufkeimenden Eifersucht die These, ich könnte ihn abschieben wollen, was natürlich gar nicht der Fall war. Die Kommunikation fiel entsprechend knapp aus und beschränkte sich darauf, dass ich ihn ab und an auf die Untiefen hinwies, wenn das Paddel mal wieder Grundberührung hatte. Der Ludwigsburger Haken fällt sehr flach ins Meer ab, so dass auch 100 Meter vom Ufer entfernt das Wasser gerade knöcheltief ist. Als das stillgelegte Atomkraftwerk Lubmin zum greifen nahe schien, beschlossen wir, das es langsam Zeit zum umkehren war. Was uns bis dahin nicht präsent war: Auch das Wetter hatte einen Stimmungswechsel durchgemacht.

Zwar wurden wir noch von der Sonne beschienen, doch Greifswald war bereits in dunkle Regenwolken gehüllt, welche ziemlich bedrohlich aussahen und auf uns zuhielten. Einen Augenblick noch hatten wir Gelegenheit, dieses traumhafte Panorama zu genießen, bevor der Schauer uns erreichte. Silbern glänzend brach sich die Sonne im Wasser, was so schön mit dem dunkelblauen Hintergrund kontrastierte! Solange man noch von der Sonne beschienen war, konnte man sich dieser Faszination nicht entziehen, doch als wir etwa auf der Mitte des dänischen Wiecks waren, wurden wir von Zuschauern zu Teilnehmern an diesem Spektakel. Ich hatte gerade noch Zeit, die Regenjacke anzuziehen, dann ging das Unwetter auch schon los. Mit einer Gewalt, die ich gar nicht erwartet hatte! Im Handumdrehen waren die Wellen einen halben Meter hoch und drohten unser Boot umzuwerfen. Keine sehr verlockende Aussicht, wo der Bodden doch noch vor kurzem gefroren war…

Andrés erster Gedanke war denn auch, zurück zum Ufer, doch das wäre unser Untergang gewesen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn es hätte bedeutet die Wellen seitlich zu nehmen, und dazu waren sie entschieden zu kurz und zu steil. Zwar brachen sie sich nur vereinzelt, aber da sie so schnell kamen hätten wir wohl trotzdem ein Bad genommen. Also brüllte ich ihm durch den Sturm, jedenfalls erschien mir der Wind in diesem Moment der Überraschung fast als solcher, zu, er solle die Wellen seitlich nehmen. Ich war nicht sicher, ob er mich überhaupt verstanden hatte, der stärkere Wind, der einem Schauer voraus geht, verwandelte unseren schönen geschützten Bodden in einen brodelnden Kessel. Der Regen klatschte in einer Heftigkeit auf uns herab, wie es sie wohl nur im Frühling gibt, der Wind pfiff und die Wellen rauschten wie verrückt. Umdrehen konnt´ ich mich auch nicht, ich war vollauf damit beschäftigt, das Boot im rechten Winkel zu halten.

Scheinbar hat Andre dann auch kapiert was ich vorhatte oder eingesehen, das es kein zurück mehr gab, jedenfalls paddelten wir wie wild auf der Stelle oder gar rückwärts, Hauptsache, die Wellen kamen von vorn. Ich hatte das Gefühl, sie kamen aus allen möglichen Richtungen, ständig musste man den Winkel ändern, das Ufer konnte man sowieso nicht sehen, und als der „Sturm“ dann vorüber war, war ich doch ziemlich überrascht, das wir immer noch Kurs auf die Ryck hatten. Ich hatte uns sonst wo vermutet.

Kaum war der Schauer vorbei, war das Wasser wieder ruhig als wäre nie was geschehen, endlich näherten wir uns dem Ufer, und waren froh und stolz, aus allem so gut heraus gekommen zu sein. So was schweißt zusammen, es war doch ein eindrucksvolles Erlebnis. Weiter paddeln wollt ich dann doch nicht mehr, ich hatte ordentlich Wasser gefasst, es war an der Regenjacke runter ins Boot gelaufen, die Wellen sind mir regelrecht die Arme hoch gespült, selbst in die Jacke rein, wenn mal wieder eine Welle gar zu hoch über den Bug und mich drüber rollte. Alles was nicht unter der Regenjacke war, war sowieso nass. So ging´s mit dem Wägelchen zurück nach Haus…