Die Drawa - auf päpstlichen Spuren

1 - Die Tour

Wer und Wann

Christoph, Stefan, Holger, Karl-Heinz (Rad)

31.08. bis 08.09.2007 (8 echte Paddeltage, ein Reisetag)

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>>> GPS-Track

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Die Strecke

Start:
Czaplinek (km 0) Bhf - 2,5km Weg bis zum Wasser
Ziel:
Krzyz (km 181) - 2,5km bis zum Bhf.
Stare Bielice (km 192) Bhf. 1km bis zum Bhf.

abzüglich 17 Flusskilometer wegen dem zu umfahrenden Truppenübungsplatz (siehe unten)

Übernachtungen:

auf diversen Biwakplätzen

Tagesetappen:

Fr.: 3km im letzten Tageslicht 20:23 Uhr
Sa.: 27km Biw. am Bauernhof 18:40 Uhr
So.: 21,5km Biw. Lichtung am Wald 18:21 Uhr
Mo.: 14 km Traum-Biwak am Jez Lubie 19:45 Uhr
Di.: 18,5 km Platz mit freiem Blick 18:10 Uhr
Mi.: 24 km Notbiwak im Nationalpark 19:50 Uhr
Do.: 17,5 km im Nationalpark 17:20 Uhr
Fr.: 13,5 km Ende des Nat.park 17:42 Uhr
Sa.: 19 km zügig zur Aussetzstelle 13:40

Macht in der Summe 158 km. Zuzüglich der etwa 19 nicht gefahren Flusskilometer (16,5 km Truppenübungsplatz & 2,5 km zur Notec). Unter Berücksichtigung, dass man auf den Seen von der Ideallinie abweicht, scheinen die offiziellen Kilometrieungen in den unten genannten Quelle recht genau zu sein.

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Kartenskizze

 


3 - Die Tour in Wort und Bild

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»Freitag 3 km anpaddeln ab Czaplinek (km 0)

Gegen 10:30 ging es für die 3 Faltbootfahrer am Berliner Hpt-Bhf mit der Regionalbahn los. Die Stimmung war entspannt und voller Vorfreude. In Angermünde hieß es umsteigen. Der Anschlusszug brachte uns nach Szczecin. Den dortigen Aufenthalt (ca. 2:00h) nutzten wir zum Füllen der Mannschaftskasse mit einheimischer Währung, dem Einkauf erster landestypischer Lebensmittel und einem erfolglosen Buchhandlungsbesuch (Ergänzung unserer Kartenbibliothek). Schwieriger gestalltete sich zurvor die Suche nach der richtigen Zugverbindung und dem richtigen Gleis. 2 Stunden vergehen schneller als man denkt, aber vor der Weiterfahrt war dann doch noch Zeit für einen Polnischen Hot-Dog. Kleine Anmerkung noch, mit dem Brandenburg Ticket kann man bis Szczecin fahren. Nun gings mit einer zu Beginn der Fahrt rappelvollen Bahn zu unserme Startpunkt nach Czaplinek. Nachdem sich der Zug im Laufe der Zeit etwas leerte fanden wir auch Sitzplätze und genossen den entspannten Blick durchs Fenster auf die vorbei ziehende Polnische Landschaft, die nach und nach den typischen Charakter bekam. In Czaplinek angekommen schnallten wir unser Gerödel auf die beiden Bootswagen und machten uns auf auf den Weg zum Wasser (2,5km). Auf dem Weg zeigte sich schnell, dass wir wieder viel zuviel Balast mit uns rumschleppen. Die eingekauften Lebensmittel hätten wir uns auf jeden Fall sparen können. Die Lebensmittelläden am Wegesrand hatten am Sonnabend gegen 16:00 Uhr noch offen - hinterher ist man immer schlauer. Nahe des Ortszentrums findet man einen guten Platz zum Aufbau der Boote. Aufbau und Beladen war nach 90min erledigt. Wasser konnten wir im benachbarten Haus tanken. Langsam setzte die Dämmerung ein und es wurde höchste Zeit die Boote zu Wasser zu lassen. Da es inzwischen schon recht spät war begannen wir sofort am östlichen Ufer nach einer Biwakstelle zu suchen. Als es fast völlig dunkel war fanden wir einen prima Platz in einer Bucht des Sees. Mit einem einfachen aber Energiereichen Nudeltopf endete der erste Tag an der Drawa.


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»Sonnabend 27 km - jetzt gehts richtig los

Nachdem wir ja gestern nicht so sehr weit gekommen sind juckte es uns wohl in den Armen und nach unserem Frühstück waren wir tatsächlich um 9:40Uhr auf dem Wasser. Leider wurde uns das mit einem kräftigen Schauer gedankt, so dass wir erstmal auf der anderen Seite der Bucht Unterschlupf unter den ufernahen Bäumen finden musten (bild). Leider setzte sich das schlechte Wetter zunächst fort. Während unserer ersten Pause an der hier noch reicht schmalen und flachen Drawa kündigte sich erst die logistische Vorhut einer organisierten Paddelgesellschaft an und dann auch besseres Wetter. Vor der Weiterfahrt probierten Stefan und Holger noch ihre neueste Paddelerrungenschaft aus Kanada an. Die kniehohen Paddelstiefel (bild)schienen dicht und genau das zu sein was man sich vorgestellt hat. Hier nochmal einen herzlichen Dank an Susanne, die die Stiefel mit nicht unerheblichen Aufwand aus Kanada mitgebracht hat. Später gab es noch die erste kleine Umtragestelle an einer alten verfallenen Mühle zu bewältigen. Lange wird das Gebäude wohl nicht mehr stehe. Eigendliche schade drum (Bild). Am Ende des Tages fanden wir schnell unseren ersten offizielle Biwakplatz an einem Bauernhof. Schnell hatten wir Gesellschaft von dem Betreiber. Jedenfalls denken wir das. Leider war die Verständigung nicht ganz leicht. Er versorgte uns hilfsbereit mit frischem Wasser und Feuerholz, war sich aber irgendwie unsicher die an einer Tafel angeschriebenden Gebühren zu verlangen. Erst durch Stefans Einsatz wirden wir die fälligen Zlotys los (Zelt, Person, Feuerholz). Im Verlauf des Abends wurden wir den guten Mann fast nicht mehr los, das ist wenn man sich schlecht verständigen kann manchmal sehr anstrengend. Irgendwann saßen wir dann bei aufgehendem Mond am Feuer und genossen das Abendbrot mit ein paar Büchsen Wisent-Bier (Bilder)

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»Sonntag 21,5 km erster Einkauf

Bevor wir die 2. Umtragestelle in Drawsko Pomorski erreichten schlängelte sich die Drawa als schöner klassischer Flachlandfluss durchs Polnische Flachland. Umtragen war wieder kurz und schmerzlos ausserdem nuzten wir die Gelegenheit unser Vorräte im nahen Sklep aufzufüllen. Bei der Suche nach dem im GPS-Gerät gespeicherten Biwakplatz stiftete die Technik mal wieder Verwirrung. Die zu Hause aus dem Netz runtergeladene Marke am Beginn einer großen Flussschleife war einfach nicht als Biwakplatz erkennbar (dichter Wald und steiles Ufer). Da es langsam wieder dunkler wurde und alternative Plätze einfach nicht zu finden waren stieg unsere Nervosität. Glücklicherweise fanden wir den gesuchten Platz dann doch am Ende der großen Flussschleife. Die runtergeladenen Koordinaten haben einfach nicht gestimmt. Luftlinie waren es zwar nur ein paar Hundert Meter auf dem Fluss waren es aber 2,5 km. Belohnt wurden wir dann aber mit einem wirklich wunderschönen Platz (Bild). Leider war Petrus der Meinung einen solchen Platz muss man mit schlechtem Wetter bezahlen. So wurde die ganze Nacht vom Geräusch der prasselnden Regentropfen begleitet.


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»Montag 14 km ewiges Warten auf besseres Wetter Boot verschwindet

Während wir unseren Kaffee am Morgen noch im Freien unter dem bedeckten Himmel genießen konnten setzte danach wieder der Dauerregen ein. Lager abbauen und Boote beladen bei Dauerregen ist so ziehmlich das schlimmste was man beim Wanderpaddeln erleben kann. Also sparten wir uns das und verbrachten die nächsten Stunden lesend und Kaffeetrinkender Weise im Zelt, guter Hoffnung dass jeder Regen mal ein Ende hat. Das Ende ließ aber vorerst auf sich warten. Damit wir durch den so gesteigerten Kaffee und Teekonsum unsere Wasserreserven nicht völlig aufbrauchten kamen wir vor Langeweile auf die Idee den ergiebigen Regen als Basis für die warmen Getränke zu nutzen. Das macht sich unter Nutzung des Überzeltes und eines Auffangbehälters richtig gut und geht fast so schnell als würde man zu Hause den Wasserhahn aufdrehen.

Die Uhr zeigte 10:00, 11:00, 12:00, 13:00 aber eine Wetterbesserung war nicht in Sicht. Langsam wurde ich nervös. Wenn uns heute ein ganzer Tag verloren geht wären nach meiner Planung alle Zeitreserven bis zum Tourende aufgebraucht und das nach 2 Tagen. Wenn der Rest der Tour nicht in Hektick bzw. echten Sport ausarten sollte dürfte an den verbleibenden Tagen nichts mehr passieren, dass weiteren Zeitverlust mit sich bringt. Wie sorgt man dafür dass die Nervosität nicht weiter steigt ? ... Man schaut aufs Barometer und freut sich dass der Luftdruck seit dem Frühstück stetig steigt. Da sich das Wetter immer mit etwas Verzögerung an diese Luftdrucktendenzen anpaßt blieben wir weiter optimistisch. Und tatsächlich gegen 13:30 fingen wir an das Lager abzubauen. Da wir ja nun ein wenig in Verzug waren lief das alles ziemlich zügig ab, so daß wir eine halbe Stunde später fast mit dem Beladen der Boote vertig waren. Ich war glaube ich damit beschäftigt das Küchenmaterial zusammen zu packen, als ich in meinem Rücken etwas sehr Großes in einer ungewöhnlich hohen Gewindigkeit von unserer Lichtung flussabwärts bewegte. Ohne ihn wirklich zu sehen war mir klar, dass das Stefan war. Ganz kurz wunderte ich mich über diese doch etwas übertriebene Eile, dachte aber nicht weiter drüber nach. Erst einige Minuten später als ich das die verpackten Küchenutensilien zum Boot brachte und weder Boot noch Stefan am Ufer fand dämmerte es mir langsam was kurz zuvor passierte, also schnappte ich mir mein Paddel und machte mich ebenfalls auf den Weg. 150m stromabwärts finde ich Stefan, bis zur Hüfte im Wasser stehend und damit beschäftigt sein Boot einzufangen und ans Ufer zu ziehen - sah schon irgendwie lustig aus - Mensch, statt Paddel hätte ich den Fotoapperat mitnehmen sollen. Also übernehme ich statt ein Foto zu machen das Boot und fahre es zurück zum Strand, während sich Stefan trocken legt. Trotz des kleine Unfalls saßen wir gegen 14:30 in den Booten und konnten wenn auch reicht spät noch ein paar Kilometer unter den Kiel nehmen. Was nun folgte war landschaftlich wieder richtig reizvoll, weil kontrastreich zu den vorangegangenen Kilometern. Nun ging es durch einen regelrecht dschungelartigen Abschnitt. Die Flora wurde bestimmt von Weiden die sich weit in den Fluss hinein beugten und von Gebüsch dass mangrovenartig zu großen Teilen aus dem Flussbett wuchs (bild). Hier war Christoph mit seinem kleinen k-light zu ersten Mal deutlich im Vorteil, wobei es auch mit dem russischen Schlachtschiff langsam aber sicher zu bewältigen war. Nach diesem wunderschönem Abschnitt verbreiterte sich der Fluß langsam zu einem von Schilf und Seerosendominiertem kleinen Delta. So erreichten wir den Jez Lubie. Inzwischen hat sich das Wetter so verbessert, dass man kaum noch glauben konnte wie es noch vor wenigen Stunden dauergeregnet hat. Am Jez Lubie hat man mehrere Möglichkeiten neuen Proviant aufzunehmen, da es schon recht spät war nutzten wir gleich die erste Gelegenheit dazu und steuerten bei inzwischen strahlendem Sonnenschein den Campingplatz Gudowo an. Dieser zeigte sich wie auch schon der Fluss völlig ausgestorben. Glücklicherweise war die junge Platzwärterin gerade noch anwesend um uns über die Situation am Truppenübungsplatz aufzuklären. Ein Durchfahren ist demnach absolut unmöglich allerdings gibt es einen Shuttelservice an der Aussetzstelle. Das Shutteln wäre auch vom Campingplatz möglich allerdings wären dafür etwa 200 Euro fällig und wie wir im Verlauf des nächsten Tages sahen würde man sich um ein wiederum sehr schönes Stück der Drawa bringen. So jetzt wusten wir bescheid und musten nur noch eine Einkaufsgelegenheit finden. Da der Campingplatz etwas abseits vom eigendlichen Ortskern liegt hat man eine guten Kilometer zu laufen bevor man einen kleinen Sklep erreicht. Eine weitere Einkaufsmöglichkeit gibt es auch etwas weiter auf der linken Seeseite in Lubieszewo. Da Christoph beim Einkauf dabei war haben wir fast den gesamten Vorrat an Obst und Gemüse aus dem Laden geschleppt. Aber auch leckeres Eis am Stiel und Kuchen. Man muss es ja mit der Gesundheit nicht übertreiben. Nach dem Beladen der Boote setzte auch schon wieder die Dämmerung ein und nach meinem Plan lag noch ein ganzes Stück (ca. 5km) vor uns. Das führte natürlich zu Diskussionen während ich unbedingt das ursprünglich geplante Tagesziel kurz vor dem Drawaausfluss erreichen wollte war Christoph dafür im Schiffgürtel des Sees sofort nach einem geeigneten Übernachtungsplatz zu suchen. Ich bin ja im allgemein durchaus kompromissbereit, diesmal war ich aber stur und ließ mich nicht vom Kurs auf die zum nächsten GPS gespeicherten Biwakplatz abbringen. Ich hielt diese Entscheidung einfach für die einzig richtige. Eine eventuell erfolglose Suche am dicht mit Schilf bewachsenden Ufer kann mit Pech viel zeitaufwändiger sein als den direkten Weg zu einer sicheren Übernachtungsmöglichkeit zu wählen. Und nicht zuletzt wußte ich durch meine Recherchen, dass uns dort ein richtig schöner Platz erwartet und nicht irgendein dunkles, feuchtes Notquartier. Zugegeben, trotz zügiger Fahrt mit einigen Geschwindigkeitstests auf dem ruhigen See erreichten wir erst um 19:45 Uhr den wunderschönen und wieder völlig leeren Biwakplatz. Die Fahrt während der Dämmerung über den großen stillen See hatte aber auch was für sich.

GPS Geschwindigkeits Test für den K-Light:
Christoph schaft bei zügiger Fahrt knapp 7 km/h (nach eigener Aussage etwas über normalem Krafteinsatz). Das kleine Boot schaft also auf ruhigem Wasser ohne Wind gute 6 km/h Reisegeschwindigkeit - Respekt vor Boot und Paddler! Die Erfahrung zeigt, dass auch die langen Zweier oder Dreier (RZ 85 oder Vuoksa) bei gut 6 km/h liegen. In der absoluten Spitzengeschwindigkeit war der Vuoksa aber überlegen (voll beladen knapp 10 km/h). Dieser Wert interessiert aber bei unseren Reisen nicht und ist nur was für die Statistik.

Ankunft um 19:45 Uhr am wunderschönen und wieder völlig leeren Biwakplatz. Für die Schönheit des Platzes hatten wir aber am Abend kaum ein Auge. Sicher wäre es schöner gewesen den Platz am Abend entspannt genießen zu könne aber man kann nicht alles haben, irgendein Notbiwakplatz hätte sicher auch nicht mehr Genuss bebracht. Da der Platz sicher wegen seinen Vorzügen vermutlich häufig genutzt wird, sah es in näherer Umgebung schlecht mit Feuerholz aus. So hieße es weit in den Wald rein (inzwischen ziemlich dunkel) und suchen bzw. hacken. Später stellte sich mit dem über dem See aufgehenden Mond bei allen doch noch die so geliebte Stimmung zwischen Wasser, Feuer und Zelt ein.


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»Dienstag 18,5 km + 20 km Shuttelservice und Hagel

Der Morgen wurde für ein mehr oder wenig ausgiebiges Bad im arschkalten Wasser genutzt, wir sind ja harte Typen - brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr .... . Der Platz ist im hellen übrigens wirklich traumhaft schön gelegen (recht groß, schöner Strand, in einer weiten Bucht). Da uns heute ja die Umfahrung des Truppenübungsplatzes bevorstand hielten wir uns allerdings nicht mehr sonderlich lange hier auf. Nur den allmorgendlichen Toilettengang nutzte ich um den kleine etwa 200m entfernt gelegenen Nachbarsee kurz zu erkunden..

Pünktlich saßen wir in den Booten und machten uns auf die Suche nach dem Seeausgang. Dank des schilfbestanden Ufers und unseren angeregten Gesprächen, verpasten wir diesen im ersten Anlauf. Dank GPS bemerkten wir das Versehen aber nach wenigen hundert Metern und verloren nicht viel Zeit. Der Fluss ist hier deutlich breiter als vor dem See und hat auch zum ersten mal eine merkliche Strömung. Wegen einiger Hindernisse unter der Wasseroberfläche (Steine, Baumleichen) ist eine aufmerksame Fahrweise zu empfehlen.

Dass der Truppenübungsplatz nicht mehr weit entfernt war kündigte sich durch eine entsprechende donnerde Geräuschkullisse an. Hätte man nichts von dem Truppenübungsplatz gewusst wäre man glatt auf den Gedanken gekommen ein kräftiges Gewitter ist im Anmarsch. Aber schlechtes Wetter hatten wir ja inzwischen genug. Doch was war nun innerhalb weniger Minuten gab es einen regelrecchten Temperatursturz um ca. 10 Grad. Dazu machten uns plötzliche schwere Sturmböen zu schaffen. Das Donnern vom Truppenübungsplatz war nun so nahe, dass uns entlich klar war - hier handelt es sich um ein ausgewachsenes Gewitter und nicht um irgendwelche Kriegsspiele. Schnell suchten wir unter den Bäumen am Ufer Schutz. Kaum hatten wir das Ufer erreicht ging es mit dem vollen Programm los. Starkregen, Hagel, heftige Böen direkt vor unserem Boot klatschte ein oberschenkeldicker Ast ins Wasser. Nach kurzer Zeit ging das große Frieren los. Vor allem Stefan hatte zu leiden, bei deutlich unter 10 Grad hatte der Arme nur ein T-Shirt und darüber seine Laminatjacke an. Die Jacke schützte zwar vor Regen und Hagel aber ist auf der nackten Haut eiskalt. Was macht der frierende Paddler in so einer Situation? Er holt das Barometer raus und hofft das die Kruve schnell wieder nach oben geht. Stefan war inzwischen so durchgefrohren, dass er zum wärmen die Arme ins Flusswasser steckte. Das war wohl deutlich wärmer als die Luft. Nach einer Stunde war es für Stefan nicht mehr zu ertragen, er brauchte Bewegung um wieder auf zu tauen. So paddelte der Vuoksa bei anhaltendem aber nachlassenden Regen weiter, während Chistoph mit seinem Regenschirm noch etwas wartete. Stefan "wärmte" sich zwischendurch weiter im Flusswasser und allmählich besserte sich die Wetterlage.

An der Brücke der Straße 175 hieße dann austeigen. Auf den letzten 2 km findet man noch diverse schöne Biwakstellen die man nutzen kann falls man die letzte Shuttelgelegenheit des Tages verpasst. Zur großen Freude von Stefan brach sich nun auch wieder sie Sonne Bahn. An der Ausetzstelle gab es nicht nur die erwartetete Shuttelgelegenheit sondern auch einen Kiosk mit allerlei Leckereien. Wir gönnten uns Kaffee, Schaschlik und gegrillte Hünerbeine. Mit dem Fahrer musten wir eine weile diskutieren ob wir nicht heute am hiesigen Zeltplatz übernachten wollten aber wir wollten schnell weiter. So zahlten wir ohne groß zu handeln die verlangten 130 Zloty für den Transport (100 wären sicher auch ok gewesen). Nach dem verladen ging alles ganz schnell und eine Stunde Später waren wir schon wieder auf dem Wasser. Inzwischen wieder bei strahlendem Sonnenschein. Christoph hatte sich während der Autofahrt etwas Sorgen um den filigranen k-light gemacht. Aber das Boot hat den Transport heil überstanden.

Die nun wieder offene Flusslandschaft gab uns die Möglichkeit jeden Sonnenstrahl intensiv zu genießen. Ein guter Indikator für die Wasserqualität der Drawa ist die überall wachsende Brunnenkresse, die laut Christoph nur an wirklich gesunden Gewässern zu finden ist. Heute abend gibt es Brunnenkresse-Salat. Gegen 18:00 Uhr finden wir eine traumhaft schönen von Wald umgebenen Biwakplatz mit tollem Blick über die offene Schilf- und Sumpflandschaft auf der anderen Flussseite.

Der frühe Zeitpunkt des Anlandens gab mir Gelegenheit nach einer kurzen Bootseinweisung endlich den k-light zu testen. Nach kurzer Eingewöhnung war da nur noch Begeisterung, das ideale Boot für eine Fluss wir die Drawa. Wunderbar wendig, ohne zickzack zu fahren, Durch die geringe Eigenmasse läst es sich auch ganz anders beschleunigen als der dicke Vuoksa. Andererseits hätte sich Christoph auf einer längeren Fahrt wie dieser ganz schön einschränken müssen, wenn er nicht die Ladekapazität des russische Schlachtschiffes hätte mit nutzen können. Wie schon auf dem letzten großen See festgestellt, ist das Boot trotz seiner geringen Länge relativ fix.

Nachdem die Speisekarte in den letzten Tagen eher von Holger und Stefan bestimmt war, kam heute mal der Christoph zu der Ehre eines seiner Lieblingstourengerichte zu bereiten. Es gab eine zümpftige Kartoffelsuppe. War richtig lecker, nur der Aufwand für die Zubereitung erschien mir etwas hoch. Vorallem das ewigen kleingeschnippsel der Zutaten nahm fast kein Ende. Holger läßt es sich sichtlich schmecken macht aber zum Schluss unmissverständlich klar, dass ihm der Aufwand zu groß wäre unterwegs immer so zu kochen - Fertigpamps geht schneller ;-).


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»Mittwoch 24 km Notbiwak im Nationalpark

Das schöne Plätzchen und das tolle Wetter nahmen wir heute zur Gelegenheit alles etwas ruhiger anzugehen und brachen erst gegen 11:30 Uhr auf. Dummerweise sollte sich unsere Tiefenentspanntheit am Ende des Tages rächen. Aber so ist es bei Touren deren Ablauf man noch nicht im Detail kennt. So paddelten wir den Sonnenschein genießend gemütlich durch die hier dominierende Sumpflandschaft mit viel Schilf und abgestorbenden aber noch stehenden Bäumen.

Ich sitze auch heute in den ersten beiden Stunden im k-light und will irgendwie gar nicht raus aus dem Kleinen. Während dessen sitzt Christoph im Bug des Vuoksas und erntet weiter fleißig diverses essbares Grünzeug. Ausserdem läßt er sich im Zweier auch gerne mal zum Faullenzen hinreissen. Im Zweier ist es ja kein Problem auch ab und zu mal eine Pause einzulegen während der zweite man weiter für Vortrieb sorgt.

Am frühen Nachmittag gönnen wir uns eine weitere ausgiebiege Pause mit Kaffee und Keksen, das schöne Wetter muss man einfach genieße - aber das dicke Ende kommt am Abend. So summieren sich die Fehler. Dieser offizielle Biwakplatz (linke Uferseite) kurz vor Drawno bekommt von uns wieder 5 Sterne. Ich möchte aber nicht wissen wie es hier in den Polnischen Schulferien zu geht. Nach der Pause muss ich Christophs Boot schweren Herzens wieder hergeben. Christoph ist übrigens sichtlich stolz, dass mir das Boot gefallen hat. Um aber hier nicht zuviel Werbung für die kanagische Edelschmiede zu machen muss ich einen nicht unwesendlichen Kritikpunkt loswerden. Neben all seinen fahrerischen Vorzügen und dem niedrigen Gewicht finde ich es konstruktiv oft ein wenig filligran konstruiert. Christoph bat mich oft nicht hier oder nicht so anzufassen oder mich abzustützen. Da gibt es Modelle die sind weniger sensiebel.

Kurz darauf erreichten wir Drawno, wo die Tickets für die Durchfahrung des Nationalparks zu lösen sind und die letzte Gelegenheit ist die Vorräte für die nächsten Tage aufzufrischen beides wurde so schnell wie möglich erledigt. So schnell wie möglich hieß allerdings auch, das der Ticketschalter noch nicht wieder geöffnet hatte (Mittagspause). So verloren wir wieder eine wertvolle halbe Stunde.

Die Preise für die 2 Übernachtungen im NP waren übrigens echt human (ich glaube es waren um die 80 Zloty insgesamt für uns 3 Mann). Direkt nach Ende des Sees bei Drawno beginnt der Nationalpark. Zu Beginn zeigte sich der Fluss noch gnädig, so dass wir optimistisch waren den ersten Biwakplatz innerhalb des Parks relativ zeitig zu erreichen. Nach einer kurzen Aufwärmphase warteten aber schon die ersten fetten Baumhindernisse auf uns. Meist konnte man die Boote irgendwie drüberwuchten. Der große Vuoksa mußte einmal richtig umgetragen werden. Ein weiteres Mal war ein Hindernis mit viel Gewalt, in Unterhosen und großem Krafteinsatz zu überwinden. Insgesamt aber sank unsere Reisegeschwindigkeit aber beträchtlich. Pro Stunde schafte man jetzt nur noch etwa 3 km.

Trotz der reduzierten Reisegeschwindigkeit bleiben wir optimistisch den nächsten Biwakplatz noch pünktlich zu erreichen. Nun wurde es aber seltsam. Dort wo der angekündigte erste Biwakplatz (rechte Uferseite) hätte sein müssen fanden wir nur eine schier unendlichlange Treppe mit Steg. Dazu war ein Schild angebracht mit einer Handynummer und einem Wort mit "Privat" im Wortstamm, also Privatszycowciyszes-usw. Das alle verunsicherte uns schon, lt. Karte könnte es der Biwakplatz sein, aber das seltsame Schild, die steile Treppe und die 20 Meter Höhenunterschied zur Ebene. Wir entschlossen uns schnell weiter zu fahren - das kann unmöglich ein ernstgemeinter Biwakplatz sein. Dies war der letzte Fehler in der Fehlerkette. In unmittelbarer Nachbarschaft kamen keine Biwakplätze mehr nur einiger Rastplätze, an denen unmissvertändlich das Zelte verbote war und so kam es wie es kommen musste wir hatten den Biwakplatz verpaßt, der Abend war nahe und durch die Lage in diesem "Canyon" wurde es viel früher als gewohnt Dunkel.

Trotz Aufbietung aller Kräfte war es unmöglich die vielen Hindernisse bis zum nächsten Biwakplatz an diesem Tag noch zu überwinden. Mit abnehmender Helligkeit wurde die Fahrt auf der Drawa auch gefährlich. Kurz vor 20:00 Uhr war das Limit erreicht oder sogar überschritten, eine Weiterfahrt war kreuzgefährlich. So entschlossen wir uns zu einem Notbiwak an einer von aussen unzugänglichen Stelle, an der wir hoffendlich von keinem Parkranger aufgescheucht werden. Lager wird fix aufgebaut, inzwischen ist es völlig dunkel, gekochen wird im Zelt und der Wecker wird auf 6:30Uhr gestellt um morgens schnell wegzukommen. Also ich hoffe alle sind gewarnt, so eine Situation ist nicht lustig, wildes Zelten im NP kan übel enden (bitte den Tipp von oben - Informatives: Nationalpark - beachten).

Trotz des nicht gerade idealen Nachtlagers gönnten wir uns ein wieder mal höchst leckeres Abendmal. Wegen der beengten Verhältnisse wurde trotz guten Wetters diesmal im Zelt gebrutzelt.

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»Donnerstag 17,5 km Kettensägenmassaker im Naionalpark, Kalli findet uns, Misteriöser blinder Passagier

Wie geplant ging es am nächsten Morgen ganz schnell und so konnten wir eine Stunde später mit einer Stulle im Magen unbehelligt weiterfahren. Schnell zeigte sich das wir richtig gehandelt hatten, die Drawa geizte nicht mit vielen weiteren Baumhindernissen, an denen wir jedoch noch nie gezwungen waren um zu tragen. Christph hat es mit seinem leichte, kurzen Boot naturgemäß relativ leicht. Und Stefan und Holger haben die entsprechende Technik im Jahr zuvor auf der Obra mehr als genug trainiert. Entschädigt wird man jedoch durch die traumhafte Flusskulisse des Drawadurchbruchtals mit seine steilen Hängen und dem urigen Wald. Versüßt wurde die Durchfahrt auch vom weiterhin wunderbarem Spätsommerwetter. Nach etwa 3-4 km ereichten wir den nächsten Biwakplatz (Bogdanka). Jetzt bei guten Sichtverhältnissen brauchte wir bis hierher 1:30h, das wäre gestern nur zu schaffen gewesen wenn wir am Beginne des Tages nicht so rumgetrödelt hätten. Jetzt nutzen wir den Platz zu einem genussvollen und ausgiebigen Frühstück. Hier mündet von links kommend ein weiterer kleiner Fluss in die Drawa (Korytnca). Laut Karte ist dieser Zufluss übrigens auch befahrbar. Nach einer guten Stunde war es dann vorbei mit der wunderbaren Ruhe - wir bekamen Besuch von Waltarbeitern die plötzlich mit Fahrrad und Kettensäge aus dem Wald kamen. Ohne groß zu zögern ging es auch schon los mit dem Kettensägenmassaker. Die guten Männer sorgten wie es schien für frische Feuerholz am Biwakplatz, naja da muss eben sein. Jedenfalls sorgen sie so dafür, dass wir uns nicht noch länger an dem lauschigen Platz aufhielten.

Vor Beginn der Fahrt war sowohl diese Gegend als auch der heutige Tag für das Zusammentreffen mit dem Radler Kalli vereinbart. Moderne Kommunikationsmethoden sollten dabei helfen nur war es im Nationalpark nahezu unmöglich Handyempfang zu bekommen. Es schien fast so als würde das Treffen mit Kalli und seinem Radl wie auch schon an der Pliszka und am Bobr an mangelder Kommunikation scheitern. Um bei kurzzeitigem Empfang gleich eine SMS-verschicken zu können bereiten wir den Text mit zwei potentiellen Biwakpläzen für den heutigen Abend vor und hoffen weiter auf Empfang. Neben vielen normalen Hindernisssen folgt auf der ersten Tageshälfte eine komplizierte enge Stelle an der Umtragen wegen der Steilheit des Ufers unmöglich war. Christoph kommt mit viel Mühe und Einsatz gerade so durch. Die Vuoksa-Mannschaft treidelt in waaghalsiger Art und Weise. Im Laufe des Tages werden die Hindernisse weniger (bleiben aber immer präsent und erfordern weiter viel Aufmerksamkeit). Am Biwak Stanica machen wir Kaffeepause und haben immer noch keinen Empfang - das wird wohl nichts. Später bei ein kleine Pinkelpause, ich glaube es nicht auf dem höhergelegen Ufer habe ich kurz Empfang - ein Balken - kein Balken - Balken - kein Balken, nach mehrmaligem Sendeversuch hat es geklappt die Nachricht abzusenden. Kurz darauf kommt sogar eine Antwort. Kalli ist gerade am Biwak Stinica und macht sich auf den Weg zum von uns angepeilten Tages Ziel Biwak Pstrag. Damit hatte ich nicht gerechnet - allgemeine Freude macht sich breit. Am späten Nachmittag erreiche wir Biwakplatz Pstrag - ein riesen Teil. Wieviel Hundert Menschen übernachten hier in der Hochsesson, vorbereitetes Holz ohne Ende, Gedenkkreuz an Papst Johannes Paul den .... Die frühe Ankunft kurzt nach 17 Uhr gibt uns Gelegenheit mal in unseren Drawa-Unterlagen nach zu schauen was da über den Papst steht. Die Drawa war Ende der 50-iger und in den 60-iger Jahren des letzten Jahrhundert der Hausfluss vom ehemaligen Papst, er ist hier regelmäßig gepaddelt und daran wird man an jedem Biwakplatz am Unterlauf der Drawa mit großen Gedenkkreuzen erinnert. Jaja die Polen und ihr Pabst. Der Platz liegt hier etwa 12 Meter über dem Fluss, Steg und Treppe machen das Be- und Entladen recht leicht. Beim Boot ausladen gab es für mich eine unangenene Überraschung. im boot lagen lauter kleine rote Kunststoff-Schnippsel. Oh Gott hat es wieder mal einen meiner Ortliebsäcke erwischt - tatsächlich unser Hauptproviantsack hatte nun einige mehr oder weniger große Belüftungslöcher - verdammt. Wahrscheinlich ist der der Blinde Passagier heute an irgendeiner Futterpause zugestiegen und hat es sich im Boot gemütlich gemacht. Eine gründliche Untersuchung des völlig entleerten Boote ließ uns aber kein Nagetier finden. Gut mal wieder Pech gehabt. Während wir uns mit dem Zeltaufbau beschäftigt sind kommt Kalli um die Ecke und es gibt das übliche große Hallo, damit ist es geschaft die paddelnden Wikkinger schaffen es sich mit fahradfahrenden Stammesgenossen in uneroberten Territorien nicht zur zu verabreden sondern der Zusammenschluss ist auch von Erfolg gekrönt. Am Abend werden am Feuer bei Asiafood die Reiseerlebnisse ausgetauscht und etliche romantische Lagerfeuer-Stimmungsfotos gemacht.

Kallis Erlebnisse und Erkenntnisse:

Wer mit dem Radel kommt, sollte die Fahrplanangaben zur Fahradmitnahme auf Polnischer Seite nicht ignorieren - KH dachte sich "die werden schon nicht so zickig sein" und saß zwei Stunden länger als geplant in Szczecin... Bei manchen Zügen ist (in der deutschen Fahrplanauskunft) allerdings auch keine Angabe zum Fahrradtransport gemacht. Generell in Polnischen Zügen: Oft keine Fahrrad- oder Gepäckabteile, man sollte sich ein Plätzchen an den Wagenübergängen oder am besten am Zugende suchen; manchmal wird man auch dorthin verwiesen: Dann ruft der Schaffner z. B. "Koniec, koniec!" ("Ende").

Für eine amphibische Operation ist der Abschnitt im Nationalpark prinzipiell gut geeignet, weil die Biwakplätze eindeutig benannt und auch von Landseite zugänglich und ausgeschildert sind - es müßte mit dem Teufel zugehen wenn man sich hier nicht findet... Die Plätze folgen auch so dicht aufeinander, daß man am Abend noch schnell von einem zum nächsten radeln kann, wenn man sich knapp verpaßt hat. Die Beschilderung der Wege im Nationalpark ist sehr gut und "an Land" war durchgehend ein Mobilfunknetz verfügbar. Auf der anderen Seite darf man für eine Radtour im Nationalpark kein allzu hohes Durchnittstempo ansetzen: Die Wege waren über weite Strecken mit groben Feldsteinen gepflastert und KH hat sein zugegebenermaßen schwer beladenes Rad ettliche Kilometer lieber geschoben, als einen Speichenbruch oder schlimmeres zu riskieren. Und grade, wenn man sich freut, daß das Kopfsteinpflaster aufhört, kommt ein Sandloch und man muß froh sein, wenn das Rad nicht schon beim Schieben wegrutscht und umkippt... Die Wege sind eben nicht für Fahrräder, sondern für Pferdekarren gedacht.

Im Wald und in den wenigen Dörfern war es aber überhaupt nicht vermüllt, in Brandenburg ist das viel schlimmer (nach meinem Eindruck). Gehöfte oder sonstige Bauten sind zwar oft stellenweise etwas verfallen (zumindest nicht top renoviert) und verwildert, das wirkt aber eher romantisch... Müll liegt da nicht herum.

Radel-Fazit:

KHs erster Gedanke: Das ist nichts für Radler; Kopfsteinpflaster und Sand - dauernd muß man "umtragen"! Aber dann... man findet seinen Weg sehr gut, die Biwakplätze sind (zumindest im Herbst, wenn es nicht so voll ist) sehr schön und es gibt auch ein bißchen was zu sehen und zu lernen bei Archäologischen Stätten (?) und Infotafeln (auf Polnisch...), auch wenn er das diesesmal ausgelassen hat, in der Sorge seine Paddelfreunde rechtzeitig zu finden. Und ein bißchen Abenteuer muß schließlich sein. Also: Nur zu, schnappt Frau und Kinder (auf den Biwakplätzen ist ein recht zivilisiertes campen möglich) und kommt hier auch mit dem Rad her, aber paßt auf daß euer Drahtesel nicht schlapp macht!

Danke für deinen Beitrag: Kalli!

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Da des Radlers Radtaschen auf der Herfahrt schlapp gemacht haben gabe es noch eine intensive Werbeveranstaltung für die allseits beliebten und stabilen Wasserdichten Radtaschen eines auch unter Paddlern beliebten Herstellers. Nur gegen hungrige Nagetiere haben diese robusten Produkte auch keine Chance. Und bezüglich der geschilderten Straßenverhältnisse an Land waren die Paddler auch der Meinung, dass man die vielen Hindernisse im Wasser auch von der Parkverwaltung hätte wegräumen lassen können ;-). Zu später Stunde schleichen noch Fuchs und Katze mit ihre glühenden Augen durchs Lager. Und damit war dieser Tag auch Geschichte.

 


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»Freitag 13,5km Es geht dem Ende entgegen, Weiter Blinder Passagier an Bord

Am Morgen bekommen wir Besuch von den Rangern im Pikup aber statt unsere Nationalpark Tickets zu überprüfen holen sie nur den Müll ab. Soweit ich mich erinnere hatte Kalli für sich nirgens Tickets gelöst - wo auch? eventuell muss man das als Radler oder Wanderer auch nicht. Aber das ist ja auch Quatsch weil man ja die Biwakplätze zum zelten nutzt. Da bleibt ein Fragezeichen. Vielleicht wird es in der Nachsesson auch nicht mehr so genau genommen. Im übrigen hatten wir den Eindruck, dass die Polen den Nationalparkgedanken noch nicht so richtig verinnerlicht hatten. Die Anzahl der Getränkebüchsen und anderen Mülls in und am Fluss erinnerte micht fast an die Zustände im Friedrichshain am Sonntagmorgen nach einer wilden Sommernacht.

Bald nach dem Ablegen erreichen wir die letzte von Menschen gemachte Umtragestelle and der Drawa. Die 150m Umtragestrecke sind über einen Tramplpfad sehr leicht zu überwinden. Nur mußte ich neuen Sackfrass feststellen, ich glaube ich werd bekloppt. Ein weiteres mal untersuchen wir das Boot nach dem ungebentenen Besuch, wieder ohne Erfolg. Für den Rest der Fahrt kommt der Futtersack aufs Deck. Während Ich und Stefan den Vuoksa auf den Kopf stellen tätigt Christoph den letzte Einkauf und eine Stunde später nähern wir uns der Nationalparkgrenze und leuten so die definitiv letzten Kilometer auf der Drawa ein. Am Morgen hatten wir mit Kalli den Biwakplatz Kolina zum Tagesziel erklärt. Die andere Variante sahen für den Radfahrer logistisch nicht so günstig aus.

Um 17:45 erreichte sowohl Paddler als auch Pedaleur fast zeitgleich den wieder wunderschönen großen Platz. Laut den angeschlagenden Infoblättern wird hier ab dem 1. September nicht mehr kassiert und das scheint wohl ausserhalb des Nationalparks überall an der Drawa so zu sein. Nach dem wir während der erste Hälfte unserer Tour nicht vom Wetter verwöhnt wurde hat sich das inzwische klar geändert auch den letzten Abend an der Drawa durften wir blauen Himmel und Sonne genießen. Wegen der offenen Lage des Platzes beschäftigten sich alle Anwesenden ausser Christoph mit verschiedenen Fotoexperimenten im Gegenlicht.

Christoph kümmerte sich inzwischen um seine Körperhygene und bereitete uns aus frischer Wasserminze einen Tee zu. Leider muss ich sagen, dass ich bei Pfefferminztee auch in Zukunft auf Teebeutel setzen werde, Brunnenkresse jedoch wird in den offiziellen Tourenspeiseplan aufgenommen.

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»Sonnabend 19km Tschüß Drawa

Um ohne Streß die Boote einzupacken und den Bhf. in Krzyz zu erreichen, brechen wir eine Stunde früher als üblich auf, leider gingen uns am Morgen einige Zloty Restgeld vom Vortag verloren - In einer Plastiktüte eingewickelt - falls sie jemand findet :-) bitte melden.

Der Fluss strömt zügig, keine Hindernisse verzögern das Vorankommen. Die Landschaft ist immer noch schön und nie langweilig. Am Ende führt uns der Fluss durch offenes Weideland 20 km schafft man locker in 3 Stunden so blieb auch noch Zeit für letzte Knabberpause an Land. Einige km vor Erreichen des Ziels treiben wir über etliche km eine Schwan vor uns her. Ich verstehe ja diese Wasservögel auch nicht, statt einfach stromaufwärts an uns vorbei zu fliegen oder zu schwimmen, lassen sich die Viecher Kilometerweit von ihrem Revier vertreiben, bevor sie dann doch auf den Gedanken kommen endlich mal die ander Richtung zur Flucht zu nutzen. Ja so ein Vogelgehirn ist recht klein. Kurz vor dem dem endgültigen Ende verabschiedet sich die Drawa mit einer problemlosen Schnelle von den 3 Paddlern.

Aussetzen tuen wir kurz hinter einer Straßenbrücke von der aus man nach 3,5km am Bahnhof von Krzyz (Kreuz) ist. In unserer Literatur war von 2km die Rede. Deshalb hier eine Alternative - 2km vorher nach links in einen schmalen Kanal zum Jez Krolewskie (1 - 1,5 km weniger zum Bhf) - kann man mal probieren. Nach der üblichen Abbauprozedur tuckerten wir mit Sack und Pack in Richtung Bahnhof. Kalli war inzwischen auch eingetroffen. Stefan bekam auf der langen Strecke sichtlich Probleme mit der Sackkarrenkonstruktion. Seine Größe von über 2m führt beim Schieben dieses Bootswagens einfach zu einem ungünstigen Winkel zwische Körper und Wagen. So musste er ihn immer leicht gebeugt vor sich her schieben. Aber wir waren ja zu Dritt und konnten uns abwechseln. Für Stefan hätten wir den Wagen als Scherenwagen aufbauen sollen. Wir üben das in Zukunft.

Im Ort angekommen sprintet Stefan plötzlich wie von der Tarrantel gestochen los und verschwand in irgendeinem Haus - Ah, da hängt eine Bierwerbung, kurz darauf taucht er mit vier Büchsen Bier und einem Lachen im Gesicht wieder auf. Am Bhf. angekommen suchten die Einen eine günstige Variante das Gepäck über die Gleise zu bekommen (ohne Treppe und Brücke aber mit Umweg), während Stefan sich um Tickets und die Zugverbindung kümmerte. Zeitlich hatten wir viel Glück und musten nur 20 min auf den Zug in Richtung Grenze warten. Obwohl die Bahnstrecke nun deutlich kürzer war als auf der Hinfahrt waren die Tickets überraschend teuer (D-Zug-Aufschlag). So wurden unsere Zlotys tatsächlich knapp. Kalli konnte uns aber aushelfen. Aus den 20min bis zur Zugabfahrt wurden leider 40min was die unangenehme Folge hatte, dass wir den Anschlusszug nach Berlin in Kostrzyn/Küstrin nicht mehr erreichen konnten. Im Zug gönnen wir uns das von Stefan eroberte Abschiedsbier und Christoph gegutachtet die Notec als potentiellen Wanderfluss vom Zug aus. Die Zugdurchfahrt in Grozow Wielkopolski (Landsberg) holt die Erlebnisse an der Obra im Jahr zuvor an die gedankliche Oberfläche, vor allem an den kaotischen letzten Tag mit der legendären Busodysee durch Westpolen.

Sprichwörtlich mit den letzten Groschen (Grozy) kaufen wir uns am letzen Bahnhof auf polnischem Gebiet ein abschließendes polnisches Abendbrot und die Tickets zur Überquerung der Oder - die muss man extra in Zloty bezahlen, bevor man auf der anderen Seite der Oder wieder in Euro bezahlen kann. So erreichen wir wieder heimatliche Gefilde. Für Bahnliebhaber ist der Kontrast von der rustikalen Polnische Bahn zur deutschen spaceigen Regionalbahn sehr interessant - wie immer stellt sich hier die Frage wozu brauchen wir diese modernen Highteczüge auf Regionalstrecken.

Müde und voller Eindrücke erreichen wir Berlin.


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 »Fazit

Wir sind uns einig hier muss man mal die anderen potentiellen Paddler im Bekanntenkreis herschleppen, Auch Christoph schien sehr angetan und positiv überrascht von der Drawa zu sein. Sie hat ihren guten Ruf nicht umsonst.


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