Die Brda - Wieviel Zucker braucht man in einer
Woche - 1,5kg

1 - Die Tour

Wer und Wann

Holger, Christoph, Holger, Adrian

13.9. - .21.9.2008

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Die Strecke

1.Tag Gwiezdzin - Waldbiwak (16,5km)
2.Tag bis Male Swornegacie (16km)
3.Tag bis zum Jez. Plesno (14,5km)
4.Tag bis Rytel (27km)
5.Tag bis Waldbiwak vor Golabek (26km)
6.Tag bis Swit - Mündung der Ruda (19,5km)
7.Tag bis Landzunge zw. J.Kornow & J.Lipkusz (30km)
8.Tag bis PTTK-Station bei Janowo (24km)

insgesamt also 173,5km

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Kartenskizze

3 - Die Tour in Wort und Bild

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»Fr. 12./13 September -
Anfahrt von Berlin nach Gwiezdzin

Um unseren Urlaub möglichst effenktiv zu nutzen und in Anbetracht der Tatsache, dass man etwa 10 Stunden für die Fahrt zu Brda (je nach gewählter Zugverbindung) braucht, entschieden wir uns für eine Fahrt über Nacht mit Start am Abend in Berlin. Der arme Stefan kam sichtlich geschafft aus einer Phase der Messevorbereitung, -durchführung und -nachbereitung. Er brauchte sich aber vorbereitungtechnisch um nichts tourrelevantes kümmern. Holger, Adrian und Christoph kamen aus ihrem normalen Altagsleben direkt zum Bhf.. Holger hat sich um alle Tickets bis nach Poznan gekümmert. Christoph sollte von Jena kommend, ohne Fahrkarte gleich in den dort eingesetzten Warschau-Express einsteigen. Der Rest wollte am Ostbhf. zusteigen (kurzer Weg von zu Hause). Da Christoph seine Ankunft in Berlin relativ knapp geplant hatte (20min Zeitpuffer zwische Ankunft und Abfahrt) gab es durch ein 20minütige Zugverspätung gleich den erste Urlaubsstress. Am Ende war es haarscharf - Ankunft - Fahrstuhl - Einsteigen - bitte zurückbleiben. Wenn er den Bahnsteig hätte suchen müssen wäre es in die Hose gegangen. Im Zug Richtung Osten sitzend hatten wir nun endlich Zeit kurz zu uns zu kommen.

In Poznan hatten wir ca.3h Aufenthalt bis zu unserem Anschlusszug nach Norden. Aber ein paar Sache waren ja auch noch zu erledigen (Geldtausch, Fahrkarten, kleines Essen). Holger nutzt seien neu Visacard zum Geldabheben. Vieviel werden wir brauchen??? Wir entschieden 200 Euro pro Nase sollten für alle Ausgaben (incl. diverser Fahrkarten reichen). Dann gibt es für jeden noch ein Fastfootimbis der in Polen genauso zu Buche schlägt wie zu Hause. Diese Feststellung betrift im übrigen auch die Kosten für alle weiteren Lebensmittel die man unterwegs im örtlichen Sklep zu kaufen hat. Allerdings sind die Kosten für öffendliche Verkehrtsmittel sicher nur halb so hoch wie in Deutschland. Auch die offiziellen Biwakplätze machen sich mit höchstens 2,50 Euro pro Nase nicht sehr stark in der Urlaubskasse bemerkbar. Kaum kamen wir mit Geld zum Bhf. zurück wurde der Fahrkartenschalter geschlossen, wir konnten unsere gerade noch lösen.

Gut, nach dem alles wichtige erledigt war, blieben noch fast 2 Stunden zur freien Verfügung. Christoph und Stefan hauen sich im Bahnhof in die Ecke und machen ein Nickerchen. Holger und Adrian erkunden derweile die Stadt. Das ist im Dunklen in einer femden Stadt nicht ganz risikofrei, so wurde die Runde viel größer als geplant und die Zeit zur Abfahrt des Zuges recht knapp aber letztendlich kamen wir gerade noch pünktlich. Eindrücklich waren die regelmäßigen Patrollien der polnische Polizei auf dem Bhf. in ihren schwarzen sehr amerikanisch geprägten Uniformen strahlen sich eine andere Autorität als gewohnt aus.

Gegen 4:30 uhr erreichte wir unseren letzten Umsteigebahnhof in ..???... . Hier stand der kleine regionale Anschlusszug am gleichen Bahnsteig schon bereit. Inzwischen waren wir alle richtig übermüdet und mehr als bettreif. Es war zwar schön, dass der Zug schon bereitstand allerdings waren die Heizungen nocht nicht in Betrieb. Das Zusammentreffen von Mügigkeit und Kälte ist kein angenehmer Zustand.

Gegen 6:00Uhr war der Zielbhf. ...??.. erreicht. Jetzt hieß es den passende Bus zum Waser zu finden, was uns nach einigem hin und her auf gelang. Weiter 30 min später saßen wir im Bus und ware nach dem Aufgang der Sonne auch wieder etwas munterer. Freundlicherweise hielt der Busfaher, nach unserer Bitte direkt am ..??? .See. An einem Imbis gönnten wir uns je zwei Becher Kaffee und was süßes zum Frühstück bevor wir eine geeignete Aufbaustelle für unser Boote suchten. Die Straße blieb uns als Highway to Hell in Erinnerung. Nach dem verlassen des Busses musten wir unser Gepäck am Straßenrand wieder zusammenpacken. Die vorbeibrausenden LKWs, Busse und PKWs interessierte es scheinbar überhaupt nicht ob da Mensche am Straßenrand stehen. Ungebremst und ohne das kleinste Zeiche einer Ausweichlenkbewegung schoßen die Autos im Abstand von 50 cm an uns und unserm Gepäck vorbei, das macht Angst.

Die Beste Aufbaustelle fanden wir ein paar 100 Meter Nördlich an einer kleine Halbinsel. Gegen 14:00 saßen wir immer noch relativ munter in unseren Booten und machten uns auf die Reise die Brda zu bewältigen. Inzwischen waren wir alle mehr als. 30 Stunde ohne wirkliche Schlaf. Nach etwa einer Stunde monotoner Paddelaktivität zeigten sich die erste Auswirkungen. Die Augen wurde schwerer und richtig genießen konnte man die Landschaft auch nicht. Diese Symthome verstärkten sich im Laufe der nächste Stunden zusehens. Besonders die Vuoksabesatzung litt sehr an der Müdigkeit. Schon früh schliefen Adrian und Stefan regelmäßig beim paddeln kurz ein, wirklich war, trotz Bewegung schaltete der Körper in den Ruhezustand. Mir ging es ab 16:00 Uhr ähnlich, musste mich alle paar Minuten mit kaltem Wasser munter machen. Sicher hätte man einfach früher die Tour unterbrechen sollen aber wir wollten unbedingt die von Peter S. so gepriesende Übernachtungsstelle an einem traumhaften Steilufer erreichen. Dazu war eine Streckek von etwa 16km zu überwinden eigendlich locker in 3h zu machen aber so übermüdet war das nicht so leicht. Erschwerend kam noch hinzu, dass wir die Lage des Biwakplatzes nur ungefähr kannten (+/-2km), das ist psychologisch nicht ganz ideal. Nachdem um 17:00 Uhr alle ihr Grenze erreicht hatten und das Kreuz auf Karte und GPS bereits hinter uns lag, fuhr ich mit dem Ladoga schon mal vor um nach dem Traumplatz zu suchen oder sollte er ein Traum bleiben? Oder hatten wir ihn verpaßt? Aber nein so wie Peter es beschrieben hat, dieser Platz ist nicht zu übersehen - ein Traum allerdings lag er 1,5km hinter der erwarteten Position. Ich raffe meine letzten Kräfte zusammen und fahre gegen die Strömung den anderen entgegen um die gute Nachricht, zur allgemeinen Erleichterung, zu überbringen. Wegen des steilen Ufers ist das Auslanden nicht ganz bequem aber der Platz 4 Meter über dem Fluss entschädigt für alles. Im Halbschlaf und ganz langsam errichten wir das Lager, machen Feuer und Essen, genießen noch etwas den Abend und den schönen Platz sind dann aber spätestens um 22:00Uhr im Schlafsack.

Die folgenden Tage werden zeigen, dass sich besonders Adrian und Stefan an viele Details des Tages nicht mehr erinnern können. Auch der folgende Tag wird im Nachhinein kaum noch präsent sein. Schlafentzug kann seltsame Wirkungen haben und 40h sind schon eine Menge.


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»Sonntag 14.September

Der Schlaf war tief und fest und lange. Am nächsten Tag waren wir doch immer noch etwas angeschlagen und träge. Besonders Stefan war noch nicht ganz auf dem Posten. Um Ihn etwas zu entlasten bot ich an ihn heute im Vuoksa spazieren zu fahren, damit er sich einfach nach dem Stress der letzten Woch etwas erholen kann. Gesagt, getan Adrian darf heute im Ladoga fahren und ich setze mich in den Vuoksa als 1PS (Personenstärke) - Antrieb. Start war heute deutlich nach 12:00 Uhr. Ah fast vergessern-beim Frühstück wurden wir für die Übernachtung überraschender Weise zur Kasse gebeten (20 Zl. für 4 Mann) aber in anbetracht eine Toilettenhäuschens und ein paar Holzbänke muste man eigendlich damit rechnen auch wenn der Platz nicht den sonstigen offiziellen Plätzen entsprach. Wenige km später gönnten wir uns an einem offiziellen Rastplatz eine Polnische Fertigpitza, ein paar Flaschen Saft und Bier sowie eine Brda Flusskarte. Richtig gut vorwärts kamen wir auch heute nicht. Aber wen wundert es. Am Jez. Charzykowskie nach nur 16km fanden wir wieder ein hübsches Plätzchen an dem wir die Zelte aufstellten.


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»Montag 15.September
Ziel Plesno See - still ruht der See

Wieder kommen wir erst spät aus der Koje und aufs Wasser. Das liegt aber nicht nur an uns sondern auch an den recht frischen Temperaturen. Man kann sich einfach kaum vom Feuer lösen und macht sich lieber eine Tasse Kaffee/Tee mehr als eine zu wenig. Eigendlich wollten wir heute möglichst früh den von vielen Seiten empfohlenden Plesno See erreichen und zwar am frühen Nachmittag um seine Vorzüge auszukosten allerdings müssen wir heute auf jeden Fall den erste umfangreiche Einkauf an vornehmen. Bis nach Swornegacie führt uns unser Weg über ziehmlich große Seen die bei Gegenwind und den frischen Temperaturen kein Zuckerschlecken waren. Im Ort angekommen wird der Nahe am Wasser gelegene Kleinsupermarkt von uns geplündert. Der Einkauf dauert lange und fällt etwas sehr üppig aus, ich mach mir schon Sorgen um die Finanzen. Adrian und Christoph diskutieren ewig ob wir Puderzucker oder lieber Kristallzucker kaufen sollen. Ich glaube wir brauchen gar keinen Zucker weil die Vorräte die ich in meinen kleinen Dosen dabei habe noch nie auf Tour annährend aufgebraucht wurden. Dazu aber später mehr. Am Ende bekam Christoph seine Willen und wir packen 1kg Zucker in den Einkaufswagen. An der Kuchenteke konnten sich die Herren wieder nicht entscheiden also ließ ich alle drei zur Diskussion stehenden Kuchen einpacken - die sind schneller alle als ihr denkt meine Herren - ich will endlich weiter. An den Booten angkommen, haben wir ernsthaft Probleme alles unter zu bekommen. Und nebenbei ist der erste Kuchen vertilgt. Bis zum Ziel sind es noch 6 km und richtig früh ist es auch nicht mehr. Wieder kommen wir nicht wirklich vorwärts und als wir den ersehnten See erreiche setzt bereits die Dämmerung ein. Durch gute Vorbereitung wissen wir aber wo die tollen Zeltstellen sind und brauchen uns nicht lange mit der Suche aufhalten. Unsere Quellen haben nicht zu viel versprochen der See ist eine echte Perle. Hier hätte man gut und gerne eine Tag abgammeln können aber bei den niedrigen Temperaturen immer unter 15Grad macht das auch keinen richtigen Spaß. Ich versuche erst garnicht den Platz zu beschreiben man erkennt einiges an den Fotos. Noch vor dem Sonnenuntergang ist der zweite Kuchen Geschichte. Das Kilo Zucker ist aber noch da - noch. Während des Abendessens am Feuer ergeben sich am Hoizont iteresant Lichtphenomäne durch Wolken und Sonne. Der See liegt jetzt völlig ruhig und schwarz vor uns. Das animiert mich und Stefan zu einer kleine Nachttour im Vuoksa. Wer das noch nicht gemacht hat sollte es mal versuche es ist ein tolles Erlebnis. Nach kurzer Zeit gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit und auch die anderen Sinne passen sich auf besondere Art der Dunkelheit an, mir fällt es schwer das zu beschreibe - einfach mal ausprobieren. Aber dafür sorgen, dass man den Hafen wieder findet. Wir hatten ja Adrian, Christoph und das Feuer. Eine halbe Stunde später saßen wir beeindruckt wieder am Feuer.

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»Dienstag 16.September - Rytel

Zum Frühstück gabe es heute mal was besonderes Bratkartoffeln (Reste vom Vortag) und Rüherei. Um 10 Uhr verließen wir schweren Herzens aber langsam wieder etwas bei Kräften diesen schönen Platz und begaben uns wieder zurück in den Lauf der Brda. Ab heute wird gepaddelt. Wenn wir weiter bei einem Tagesschnitt von 16 km bleiben bekommen wir nämlich ein Problem. Nach meinem groben Etappenplan sollten wir heute die Gegend um Rytel erreichen. Aber vorher gibt es wohl noch eine große Umtragestelle bei Mylof und dann den etwas "wilderen/ursprünglicheren" Abschnitt der Brda. Da weiß man wieder nicht wie man vorwärts kommt. Heute kommen wir zu Beginn jedenfalls gut vorwärts. Das liegt aber in erster Linie an den großen windanfälligen Seen. Man kan es sich einfach nicht leisten inaktiv zu werden der Wind und die Wellen kommen konstant von vorne und so hilft nur kontinuierlich weiter zu paddeln. Die erste Kekspause können wir uns am Ende des 6km langen Jez.Dybrzk. Damit waren die ersten 10 km geschaft. In Mecikal wurden die Wasserreserven aufgefüllt. Der folgende Abschnitt wirkt zwar wie ein Fluss ist aber der lt. Karte ein See der Jez. Zapora. Dieser erstreckt sich bis zu Staumauer von Mylof. Das Umtragen in Mylof ist relativ kompfortabel. Nur der steile Abhang (Rasen) runter zum Fluss ist mit schweren Boote vorsichtig zu überwinden (siehe Bild). Heute sind wir gut vorwärts gekommen und gönnen uns deshalb eine ausgiebige Futter- und Kaffeepause.

Ein Tipp noch bei Mylof gibt es eine Fischszuchtanlage bei der man ganz hervorragenden Fisch bekommt. Uns hat man den Tipp auch gegeben aber dann fiel es uns erst ein als wir schon wieder auf dem jetzt zügig strömenden Fluss waren. Die Brda teilt sich bei Mylof in das ursprüngliche Flussbett und in einen künstlichen Kanal. Der urprüngliche Flusslauf bietet jetzt wieder Natur pur mit urigem Wald und den damit verbunden Flussverhältnissen (Baumhindernisse). Die Strömung ist wieder zügig und fordert mehr Aufmerksamkeit. Alle Hindernisse ließen sich gut umschiffen, so dass wir wie geplant Rytel und den folgenden Biwakplatz zur geplanten Zeit erreichten. Damit hatten wir zum ersten mal nach vier Tagen eine normale Strecke von ca. 27 km zurückgelegt.

 

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»Mittwoch 17.September -
sattessen mit Pilzen

Nach Rytel behält der Fluss seinen sehr ursprüngliche Charakter. Oft fährt man an steilen Ufern entlang. Weiterhin muss man mit mehr oder weniger komplizierten Hindernissen rechnen. Der aktuelle Zustand ist sicher von Jahr zu Jahr etwas anders, so dass ich mir konkrete Hinweise hier sparen werde. Ein paar Kilometer flussabwärts hörten wir Rufe aus dem Wald, die wir zunächst nicht weiter ernst nahmen. Als sie jedoch nicht verstummen wollten und nach der nächste Flussschleife noch lauter und forderner wurden, schaute ich mich doch mal um und fuhr ans Ufer um nach dem Rechte zu schauen. Minute später kam ein älterer Herr aus dem Wald gesprungen - nein, nein nicht Rumpelstielzchen - sondern ein Pilzsammler der sich verirrt hatte und zurück nach Rytel wollte. Mit Hilfe von Karte und Händen und Füssen erklärten wir, dass es nur ein paar Kilometer sind. Am liebste hätte er sich dann von uns noch auf die andere Uferseite fahren lassen, von da hätte er es sehr einfach nach Rytel gehabt aber das Risiko (älterer Herr, nicht unerhebliche Gewicht) war uns an dieser Stelle einfach zu hoch.

Beim Ort Brda bietet sich dem Paddler ein skuriles Bild. Auf einem Steg quasi mitten im Fluss wird man von einer alten Straßenuhr begrüßt. Da wir nun endlich auch mal unsere Wasservorräte auffüllen mussten war an dieser markanten Stelle eine kleine Kaffee- und Kekspause einzulegen. Die Häuser in Wassernähe machten einen verlassenen Eindruck, so mussten wir einen kleinen Spaziergang zum nächsten Bauernhof machen. Dort durften wir im Stall unsere Wasserreserven auffüllen. Da das Wasser im Waschraum für die Menschen gezapft wurde machten wir uns keine weiteren Gedanken über die Qualität musten aber am Abend feststellen das es eine ganz schrecklich trübe Brühe war. Das Wasser muste am Abend und nächsten morgen etwas rationiert werden oder je nach Anwendung bewust eingeteilt werden bevor wir die Brühe austauschen konnten. Ein paar Liter offensichtlich sauberen Wassers hatten wir ja auch noch als Reserve. Also Vorsicht mit Wasser welches in Viehställen gezapft wird. Ausserdem zeigt diese Erlebnis, dass es von Vorteil ist immer noch eine kleine Reserve in der Hinterhand (bzw. im Boot) zu haben. Der kleine Landausflug war aber trotzdem eine lohnende Abwechslung und gab einen ganz kleinen Einblick in das Alltagsleben auf dem polnischen Land. Irgendwie machte alles einen sehr friedlichen und entspannten Eindruck. Der Hof hält wie es aussah auch ein paar touristische Angebote bereit (Ponyreiten, Unterkunft)

Der Rest des Tages verlief ohne weitere Vorkommnisse durch eine herliche Wald und Flusslandschaft. Gekrönt wurde diese Etappe von einer traumhaften Übernachtungsstelle auf einem dieser Steilufer. Adrian war in Anbetracht der Höhe und der unklaren Anlegemöglichkeiten zunächst skeptisch, ließ sich nach einer näheren Inspektion aber überzeugen und war anschließend genauso begeistert wie wir alle. 45 min später war das Lager 5 Meter über dem Fluss aufgebaut und Christoph kam mit den erste Pilzen aus dem Wald zurück, die am Abend natürlich direkt ihre Weg ins Abendessen fanden. Der Abend am Feuer mit diesem tollen Blick war einfach mal wieder phantastisch. Wegen der Frischen Temperaturen waren wieder einige Tassen Tee fällig was dazu führte, dass das Kilo Zucker bereits zur Hälfte aufgebraucht war.

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»Donnerstag 18.September -
nach Swit an der Ruda Mündung

Der nächste Morgen begann mit gemeinschaftlichem Pilze sammeln. Auch ich wagte mich nach kurzer Einweisung an dieses Unterfangen. Während Christoph und Stefan dabei recht erfolgreich waren, kam ich mit einem einzigen Exemplar vom Spaziergang zurück. Mir fehlt wohl der geübte Blick. War es Christoph oder Stefan? Jedenfalls präsentierte einer der beiden ein sehr exotisches Exemplar. Die beiden Kenner spekulierten, dass es sich um eine sogenannte Krause Glucke handelt. Angeblich sehr selten aber sehr wohlschmeckend. Da man sich in der Expertenrunde aber nicht ganz sicher war, versichteten wir auf die Zubereitung. Inzwischen kam auch Adrian aus seinem Sack gerollt und war begeistert von der Aussicht auf ein delikates Pilzfrühstück. Man kann uns das gut gehen.

Auch heute windet sich die Brda in vielen Schleifen durch die Kaschubischen Wälder, die Boote bleiben heil und das Wetter kühl aber trocken.

Beim Ort Brda bietet sich dem Paddler ein skuriles Bild. Auf einem Steg quasi mitten im Fluss wird man von einer alten Straßenuhr begrüßt. Da wir nun endlich auch mal unsere Wasservorräte auffüllen mussten war an dieser markanten Stelle eine kleine Kaffee- und Kekspause einzulegen. Die Häuser in Wassernähe machten einen verlassenen Eindruck, so mussten wir einen kleinen Spaziergang zum nächsten Bauernhof machen. Dort durften wir im Stall unsere Wasserreserven auffüllen. Da das Wasser im Waschraum für die Menschen gezapft wurde machten wir uns keine weiteren Gedanken über die Qualität musten aber am Abend feststellen das es eine ganz schrecklich trübe Brühe war. Glücklicherweise gab es am abendlichen Biwakplatz nochmal Gelegenheit frisches Wasser zu bekommen. Also Vorsicht mit Wasser was in Viehställen gezapft wird. Der kleine Landausflug war aber trotzdem eine lohnende Abwechslung und gab einen ganz kleinen Einblick in das Alltagsleben auf dem polnischen Land. Irgendwie machte alles einen sehr friedlichen und entspannten Eindruck. Der Hof hält wie es aussah auch ein paar touristische Angebote bereit (Ponyreiten, Unterkunft)

An der Brücke nach Tuchola füllen wir zum letzen Mal unsere Vorräte auf unter Anderem frischen Räucherfisch als Ersatz für den veräumten Fisch in Mylof. Das heutige Etappenziel ist wieder ein offizieller Biwakplatz bei Swit. Hier mündet die Ruda in die Brda. Mit etwas mehr Zeit hätte man versuchen können in die Ruda bis zu einem nahen See hinaufzufahren. Drei Paddler beschränkten sich darauf mal einen kleinen Abendspaziergang durch den Wald zu machen während sich Christoph schon um das obligatorische Lagerfeuer kümmerte. 40 Minuten später war es dunkel und alle Mann stürzten sich über den Räucherfisch.

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»19.September Freitag -
Campen auf der Landzung

Heute werden wir die Ur-Brda verlassen und in ein von Stauseen dominiertes Gebiet vordringen. Damit beginnt der letzte Abschnitt der Brda, der sich wieder in einem völlig anderem Gewand zeigt. wenige Kilometer nach Swit verbreitert sich der Fluss, die Strömung wird geringer und man erreicht ein von fjordartigen Seen dominiertes Gebiet. Entstanden sind die Seen durch die Anstauung der Brda an zwei Stellen in und bei Koronowo. Wichtig ist hier bei der Routenplanung darauf zu achten sich vor Koronowo links zu halten und vom Jez Koronowskie in den Jez. Lipkusz zu fahren. So umfährt man Koronowo, die Staumauer im Ort kann man wohl nicht passieren. Daher erreicht man den Lauf der Brda erst an der zweiten Staumauer am Kraftwerk Samociazek. Zu Beginn der Stauseen gibt an einer PTTK-Station einen sehr schönen Rast und Biwakplatz an dem wir unsere Mittagspause einlegen und ich in den Genuss komme Adrians neue Digitalknippse für die nächsten 24h auf Herz und Nieren zu prüfen. Meine vier Diafilme sind inzwischen leider verknippst worden. Der Finger kann in einer solchen Landschaft einfach nicht still halten. Die während der nächsten 30 km anstehenden Seen werden auf keine Fall langweilig. Sie sind meist langgestreckt und haben fjordartigen Charakter mit vielen kleinen Buchten und Landzungen. Ausserdem sind sie fast vollständig von Wald umgeben. Die fehlende Strömung macht sich nun schon bemerkbar zumal wir heute wenigstens 30km hinter uns bringen müssen. Am Nachmittag macht sich bei den Mitpaddlern schon eine gewisse Müdigkeit bemerkbar. Leider muss ich darauf drängen heute wirklich bis zum Einsetzen der Dämmerung das Paddel zu schwingen. Selbst dann haben wir morgen noch 24km mit zwei Portagen vor uns. Eine Verspätung können wir uns nicht leiste denn die Zugtickets incl. Platzkarten haben wir schon am ersten Tourtag am "Startbahnhof" gelöst. Die Mühe wird belohnt an der Verbindung von Jez Kornowskie zu Jez. Lipkusz schlagen wir unser Lager auf einer toll gelegenden Landzuge auf. Der Einzige Nachteil der exponierten Lage ist der stetige Wind in der erste Abendstunde. Mit abnehmender Helligkeit läst er aber nach. Aus Kokosnussmilchpulver und Currypaste zaubern wir ein indisches Mahl wie man es in Polen nicht an jeder Ecke bekommt. Mehrere Kannen Tee am Abend sorgen dafür, dass das Kilo Zucker tatsächlich alle wird. Ich kann mich nicht erinnern dass wir jemals auf Tour soviel Tee (etwa 100 Beutel) und Kaffee (1kg) getrunken haben.

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»20./21. September Sa/So.-
letzte Etappe und die Rückfahrt

Eigendlich darf Heute nicht lange getröelt werden 24km, 2 Staumauern und der Abbau der Boote stehen bis zum Abend auf dem Programm. Gegen 20 Uhr fährt der Bus in Richtung Bahnhof. Trotz aller guten Vorsätze sind wir doch erst um 11:15 auf dem Wasser. Man kommt bei 10 Grad einfach nicht weg vom Feuer. Ausserdem stand heute noch eine wichtige Handlung auf dem Programm. Stefan, seit einigen Monaten gegeisterter Geocacher hat sich sein ersten eigenen Schatz (Cache) für eine besondere Gelegenheit und einen besonderen Ort aufgehoben. Genau, für unsere Brda Befahrung. Also wurde die mit ..(was wars Stefan?)... bestückte Filmdose akribisch nach allen Regeln der Kunst versteckt und ihre Koordinaten im GPS-Gerät abgespeichert. Die Regeln sagen aus, dass man ausserdem ein aussagekräftige Foto vom Platz machen muss. Leider wurde der Cache später aus dem System von http://www.geocaching.com/ entfernt. Begründung:der Cache liegt so weit ausserhalb von Stefans Einflussgebiet, dass er sich im Zweifelsfall nicht um die Pflege der Stelle kümmern kann. Das ist zwar richtig aber dann wird es in Zukunft nur noch Caches an sehr urbanen Stellen der Welt geben und das ist doch nicht ganz der Sinn der Sache, man könnte solche Caches ja nach einem Jahr löschen wenn er von niemanden gefunden wird oder es sonstige Propleme gibt (meine Meinung) - sehr schade.

Zwischendurch droht der Himmel und das Gewittergrolle tatsächlich am letzte Tag mit Wasser von oben. Wir machen uns wetterfest aber das Gewitter zieht vorbei - uns soll es recht sein. Für das Umsetzen in die Brda kursieren verschiedene Beschreibungen. Es soll möglich sein an der schmalsten Stelle zwischen Stausee und Brda an einer Bucht auf relativ direkten Weg wieder zum Fluss zu kommen (ca. 300m). Diese Stelle war überall nur wage beschrieben. Daher entschieden wir uns für die sichere aber längere Strecke. Am Kraftwerk hinter Koronowo setzt man vor der Staumauer rechts am grasbeswachsenen Ufer aus und muß dann in einenem großen Bogen nach unten aufs Betriebsgelände (15min). Da findet man eine gute Stelle um die Boote halbwegs bequem ins Wasser zu lassen. Ist das Betriebstor zu, wird es schwierig (durch Büsche, ein recht Steiles Ufer hinab). Wir konnten die bequeme Variante nutzen und gönnten uns 12km vor dem Ende der Tour noch eine Tasse Kaffee und ein paar gerrecht verteilte Kekse. Die nächsten Kilometer kann man wieder den Fluss genießen. Die Brda ist nicht mehr spektakulär aber immer noch sehr schön. Genau richtig für die letzten Meter. Das Umtragen am nächste Kraftwerk geht sehr schnell (linke Seite) nur muss man beim Anlegen auf die vielen Stahlträger und Bolzen der Bootsslipanlage achten. 5km später ist die Tour auf der Brda für uns beendet. Es kann schlau sein schon an der Straßenbrücke vor der PTTK Station auszusetzen dann spart man sich den recht langen Weg (1km) zurück zur Straße (Busstation).

Inzwischen setzte wieder die Dämmerung ein und im Dunkeln Ausrüstung einpacken und verschnüren macht kein Spaß, deshalb legten wir ohne zu Zögern los. Mit dem letzen Licht waren Christoph und ich fertig nur Stefan hatte mit dem verpacken des Vuoksas so seine liebe Mühe und Not. Die letzten Gestängeteile wollten einfach nicht mehr in den Sack passen. Umsortieren ist im Dunkeln aussichtslos, deshalb blieben nach einigen wütenden Flüchen einige Teile außen am Bootssack. Die großen russische Dreier muss man wirklich gewissenhaft verstauen damit man alles unterbekommt. Der Ladoga hat dagegen Platz ohne Ende im russische Einheitssack. Die Platzverwaltung wies uns den Weg zur Busstation und nach 20min Geholpere über Sandwege waren wir ganz pünktlich (dachten wir) an der Busstation. Nur leider kam kein Bus. Zunächst dachte wir an Verspätung aber nach einer virtel Stunde machte wir uns andere Gedanken. Auf dem Fahrplan steht der noch in Deutschland recherchierte Bus aber was bedeuten die vielen Symbole und Farben? Nach langem Tüfteln und spekulieren reimten wir uns zusammen, dass es einen Sommer und einen Winterfahrplan gibt. Der Bus auf den wir warten fuhr demnach vor ca. 3Wochen das letzte mal hier ab. Ach du grüne Neune. Nun haben wir ein Problem. Zug fährt in 2 Stunden. Trampen zu viert und der Gepäckmänge aussichts los. Taxi? aber woher nehmen. Stefan und ich tiegern zurück zur PTTK-Station. In der Hoffnung, dass man uns weiterhelfen kan. Dort geht es inzwischen hoch her und das Klopfen an der Tür mus Stefan mit dem Biss des Hofhundes bezahlen. Verständigung ist natürlich erstmal wieder schwierig aber glücklicherweise arbeitet einer der lustigen Herren in Bochum und ist im Moment auf Urlaub in der Heimat. Wir schildern unser Problem müssen Vodka drinken und bekommen Hilfe. Nach hin und her telefonieren und langer Diskussion unter den beteiligten Polen erklärt man uns in 15 min kommt ein Minibus der nimmt uns mit. Schwein gehabt und Danke liebe Polen. Mit leichter Schlagseite (ich jedenfalls) und schmerzenden Oberschenkel (Stefan) Überbringen wir den beiden anderen die gute Nachricht. 20 Minuten später sitzen wir im Bus auf dem Weg in Richtung Bahnhof. Der Fahrer sah allerdings nicht glücklich aus als er unser Gepäck sah. Da schon 4 weitere Passagiere im Bus saßen wurde es verdammt knapp mit dem Platz. Ich klemmte mich sogar in den Laderaum, was mir auch nur nach langem Bitten gestattet wurde. Ah ja die Polizei ...usw.. Letztendlich ging fast alles gut und wir erreichten ganz pünktlich unseren Zug. Im Zug gabe es leider noch Streß mit unseren Platzkarten, die wurden zweimal verkauft - passiert wohl öfter, wegen verschiedener Verkaufsmethoden. Vorallem beim Verkauf auf kleinen regionalen Bahnhöfen ohne elektronische Datenübermittlung. Die beiden Polen die auf unsere/ihren Plätzen saße wurden kurzerhand in die erste Klasse verfrachtet. So waren alle am Ende glücklich.

Während des Sonneraufgangs erreiche wir Szczecin. Dort sitzern wir mit Sack und Pack ganz schnell im Regionalzug in Richtung Heimat. Nur ganz so ohne Probleme läuft auf diese Etappe nicht ab. Schlauerweise habe ich vor Beginn er Tour ein günstiges Brandenburg ticket für den Sonntag gekauft. Die Verbindung von Berlin nach Szczecin ist mit diesem günstige Ticket zu befahren. Aber leider nur auf der Linie über Angermünde (RB66 umsteigen in R3). Wir sind jedoch einen kleinen Bogen (Pasewalk-Angermünde - Berlin) gefahren. Damit musten wir ein weiteres Länderticket (MeckPom) kaufen.

Hier zur Orientierung ein Zitat vom vbb-online.de:

... Zwischen Berlin und Szczecin gibt es täglich zwei umsteigefreie Bahnverbindungen je Richtung: Morgens fährt ab Berlin (montags bis freitags bereits ab Potsdam) der Bahn-Regionalverkehrs-Ausflugszug „Stettiner Haff“ nach Szczecin, abends wieder zurück. In Szczecin startet morgens ein InterCity und fährt über Berlin bis Amsterdam, abends fährt er wieder zurück. Neben den direkten Verbindungen fährt die Linie RB66 zwischen Angermünde und Szczecin im Zwei-Stunden-Takt. Von und nach Berlin steigen Sie bitte in Angermünde in den RE3 um. Zwischen der uckermärkischen Stadt Schwedt/Oder und Szczecin gibt es die grenzüberschreitende Buslinie 470. Sie fährt donnerstags und samstags. ...

...Irgendwann erreichten wir glücklich aber erschöpft das sonnige Berlin. Das Schöne war das zu mindestens den Berlinern noch der ganze Sonntag zur freien Verfügung stand bevor am Montag die Arbeit wieder rief.


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»Fazit

Nach Obra, Bobr und Drawa des nächste polnische Flussrevier dass man uneingeschränkt empfehlen kann. Hoffendlich sind bei unseren nächsten Wochentouren noch ein paar mehr Wikinger zu begeistern.

!!! skurile Uhr auf steg und verdrecktes Wasser noch einfügen (18.sept ???)


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