Eine Endeckung - die Mulde

1 - Die Tour

Wer und Wann

Beate, Ramon, Mecke, Adrian, Christoph, Bernhard, Lutz, Marlies, Peter, Boone

22.8. bis 25.08.2008

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>>> GPS-Track

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Die Strecke

Start: Wurzen

Ziel: Muldestausee (Muldenstein/Friedersdorf)

74km

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Kartenskizze

 


3 - Die Tour in Wort und Bild

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»Wurzen - Eilenburg (21km)

In Wurzen startete nur ein Teil der Mannschaft. Mecke, Ramon, Christoph, Boone, Adrian und Holger. Auf den ersten Metern gab es tatsächlich schon ein paar Schwierigkeiten. Die Mulde mit den vielen Baumleichen und manchmal sehr engen aber strömungsstarken Fahrrinnen sorgte sofort für einige Aufregung. Während die einen nach ein paar Kilometern Badepause an einer Sandbank machten hatten Boone und Adrian irgendwelche Probleme und waren auch nach über 20 min nicht zu sehen. Beruhigend war jedoch, dass auch keine wasserdichten Gepäcksäcke den Fluss runtertrieben. Nach einer knappen halben Stunde tauchten die Vermißten auf und berichteten aufgeregt wie sich nach wenigen Minuten so heftigen Kontakt mit einem Felsbrocken hatten, dass es im Bootsgerüst heftig geknirscht hat. Daraufhin haben sie das Boot erstmal auf Schäden untersucht. Glücklicherweise hielten sich die Schäden in Grenzen und sie konnten weiterfahren. Nun war bei allen aber die Aufmerksamkeit geschärft und im weiteren Verlauf gab es keine nennenswerten Unfälle mehr.

Die Einfahrt in den Mühlengraben von Eilenburg verlief problemlos (Vorsicht starke Strömung, Schwall und Kehrwasser!). Die folgenden km sind sehr reizvoll und deshalb viellicht dem Hauptstrom vorzuziehen aber auch nicht unbedingt Anfängertauglich.

Den für den Abend verabredeten Treffpunkt mit den übrigen Mitpaddlern erreichte Bernhart als erster. Quasi noch während wir miteinander telofonierten bog ich um die Ecke und erkannte den telefonierenden Bernhart am Ufer - Timing ist alles.

Kurz danach trudelten langsam alle weiteren Boote am Anleger vom Kanuverein ein. Die fortgeschrittene Zeit machte es erforderlich den geplanten Großeinkauf nicht mehr lange aufzuschieben. Darum machte ich mich sofort auf den Weg ins Ortszentrum (12 min zum Supermarkt) um schon mal den Einkaufswagen zu beladen. Die einzige Bitte war, dass 15min später ein Helfer nachkommt. 45min später stand ich mit ca. 50 kg vor dem Markt ohne dass jemand zu sehen war. Man hat mich wohl vergessen. So blieb mir nichts anderes übrig als die riesen Ikea Tasche und die beiden vollen Einkaufsbeutel irgendwie selber fort zu schleppen. Als ich auf halber Strecke bereits Affenarme hatte und mich fragte wie soll ich das bloß schaffen, kam Gott sei Dank Adrian um die Ecke. Selbst zu zweit war es mit den vielen Getränken eine echte Plackerei.

Auf dem Vereinsgelände angekommen hatten sich alle anderen schon häuslich eingerichtet und übernahmen den abendlichen Kochpart.

Pünktlich als das Grillfleisch durchwar kamen die letzten vier Mitpaddler am Gelände an und konnten sich es direkt gemütlich machen. Einzig Lutz schnürte zuvor seine Laufschuhe und drehte noch eine Runde - man so verrückt bin ja nichtmal ich.


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»Eilenburg - irgendwo bei Bad Düben (26km)

Nachdem wir am Morgen die Annehmlichkeiten des Vereinsgeländes (Dusche, Küche etc.) nutzen durften, die 5Euro Gebühr pro Nase entrichtet hatten und mit frischen Brötchen gefrühstückt haben. Ging's auf dem Mühlengraben zurück auf die Mulde. Etwa ein km nach dem Ruderklub teilt sich der Mühlengraben. Hier unbedingt den Rechten Arm nehmen! Dort erwartet einen ein kräftiger Schwall. Der Wasserwanderatlas empfiehlt dringend eine Besichtigung. Unsere erfahrenden Paddler dirigierten uns ohne große Besichtigung durch diese wirklich heikle Stelle!!! Der Mühlengraben ist zwar sehr schön aber kann Anfängern einige Probleme bereiten (Strömung, enge Kurven, Schwälle, Baumhindernisse). Am Zusammenfluss von Mühlengraben und Mulde konnte ich dann aufatmen. Es ist immer wieder aufregend unbekannte und dabei heikle Flussabschnitte das erste Mal zu befahren. Übrigens bin ich meinen Ladoga 1 auf der Mulde ohne Steuer gefahren. Das ging überraschend gut. Diese Bemerkung nur für alle die sich für die manövrierfähigkeit dieses als Seekajak konzipierten Bootes interessieren.

Ab dem Zusammenfluss ist die Mulde übrigens bis 15.07. jeden Jahres gesperrt! Danach erwartet den Paddler eine abwechslungsreicher Fluss mit vielen Sandbänken, Inseln, Stränden und Baumleichen. Eine dieser Stellen nutzten wir zu einem zweiten Frühstück bevor es weiter auf der Mulde ging. An großen Teilen des Flussabschnitts ist das Anlanden lt. Karte verboten - also Acht geben wo man rastet!

Am frühen Nachmittag erreichten wir das Fährhaus Gruna wo man etwa 200m vom Wasser entfernt ein Gasthaus findet, dass auch wir zur Stärkung nutzten. Während der Stärkung bekamen wir Besuch von einigen neugierigen Zicklein.

Eigendlich sollte man denken, dass diese Stärkung Kraft für viele weitere Kilometer geben sollte. Aber das Gegenteil war der Fall. Etwa 16:30 wurde eine zugegebender Maßen sehr schöne Stelle bei Bad Düben zum heutigen Nachtquatier auserkohren. Zwar lag dieser Platz wirklich sehr reizvoll allerdings war der Kieselboden nicht so ideal zum Aufstellen mancher Zelte. Aber mit etwas Improvisation standen irgendwann alle Zelte mehr oder weniger stabiel in sehr schöner Umgebung.

!!! Weiter vor Bad Düben ist das wilde Zelten ausdrücklich verboten - also immer Bad Düben als Tagesziel wählen.

Das frühe Anladen gab auch endlich mal wieder Gelegenheit eine Runde Volleyball zu spielen.


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»von irgendwo bei Bad Düben nach nirgendwo (18km)

Heute gab es zwar keine frischen Brötchen, genossen haben wir das Frühstück am Fluß trotzdem. Leider muste ein Teil der Truppe in Bad Düben ausbooten und wieder in Richtung Heimat aufbrechen. Zeitlich wären zwar noch ein paar km drinne gewesen aber dann wäre die Rückfahrt zu den Autos schwierig geworden. So war es mit einem Taxi leicht zu machen.

Die folgenden Kilometer bleiben weiter interessant und erfordern weiterhin eine gewisse Aufmerksamkeit bei der Wahl der Fahrlinie. Die Baumleichen im Fluss sind dabei weniger das Problem sondern eher flache Passagen an denen man magels Tiefe hängenbleibt und dann treideln muss. Diese Stellen nehmen aber tendenziell im Verlauf der Fahrt ab.

Ich hatte heute das Vergnügen das russische Minifaltboot Pascha (10kg bei 320cm Länge) von Christoph probe zu paddeln. Im nächsten Kapitel meine ersten Eindrücke für alle die es interessiert.

Da wir es heute ohne Stress vorraussichtlich nicht mehr schaffen würden die Staumauer vom Muldestausee zu passieren und damit morgen der folgende Abschnitt zum nächste Bhf. nicht mehr auf dem Plan stand. Entschlossen wir uns auch heute sehr pünktlich Feierabend zu machen. Ein paar Kilometer vor dem Stausee fanden wir wieder ein sehr einladenes Plätzchen. Der frühe Zeitpunkt gab auch Mecke die Gelegenheit ein paar Runden mit dem Pascha zu drehen. Allerdings hatte dies für Bernhard schmerzhafte Folgen. Während Mecke seine Kreise im Pascha zog dachte sich Bernhart; och das kleine Boot und der leichte Mecke, die werde ich doch mal etwas ärgern. Die Folgen sind zufälligerweise in Fotos links lückenlos dokumentiert. Übermut tut selten gut. Mecke hatte im Abwehrreflex den Angreifer mit der Alukante meines Paddels getroffen. Ein kleines Flaster und alles war wieder gut.


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»"Pascha" Kurzkritik

Der für Gepäck zur Verfügung stehende Platz ist natürlich sehr begrenzt. Aber bei cleverer Packstrategie und etwas Deckslast sind 4-Tagestouren auf jeden Fall drinn. Wenn die Tour keine zu hohen Anforderungen an das mitzunehmende Gepäck stellt, glaube ich sogar an längere Urlaubstouren. Ein weiterer oft geäußerte Vermutung betrift die Langsamkeit eines so kurzen Bootes. Auch das kann ich nach einem Tag Probepaddeln teilweise verneinen. Bei normaler Wanderreisegeschwindigkeit merkt man kaum ein Unterschied zu den anderen Booten. Christoph ist an den ersten Tagen meist vorangefahren, das habe ich aber noch seinem Trainigszustand zugeschrieben. Aber auch ich hatte heute keinerlei Probleme mit Ladoga 1, Prijon Expedition, und Vuoksa mit zu halten. Woran liegt es? Ich bin kein Experte, aber ich habe schon oft festgestellt dass sich die verschiedenen Wanderboote bezüglich ihres Kraft-Geschwindigkeits-Verhaltens bis zu einer Wandergeschwindigkeit von 6km/h auf stehenden Gewässern kaum unterscheiden. Das gilt selbst für Schlauchkajaks aus der Produktpalette von Grabner und Gumotex. Beim Pascha kommt noch sein geringes Eigengewicht hinzu, dass ihn beim losfahren schnell auf Reisegeschwindigkeit kommen läst. Die Geschwindigkeitsunterschiede machen sich erst bei Sprints (also höherem kurzzeitigen Krafeinsatz) bemerkbar. Hier ist ein Ladoga natürlich klar im Vorteil (etwa 2km/h) Bezüglich der Wendigkeit ist er sicher von kaum einem Faltboot zu schlagen. Leute die es besser beurteilen können als ich trauen ihm WWIII locker zu und haben es auch schon gemacht. Hauptvorteil aus meiner Sicht ist aber sein Gewicht von 10kg und der fixe Aufbau. Das macht ihn für mich auch mal für Kurztouren sehr interessant. Da habe ich normalerweise keine Lust den Ladoga auf- und ab zu bauen. Da das Boot finanziell kein so großes Loch reißt stand am Ende des Tages fest, den Kahn brauche ich auch. Mal sehen ob sich demnächst ein Import organisieren läßt. Wenn es soweit ist gibt es hier auch mal eine ausführlicherer Beschreibung. Mit einem Pascha und einem LadogaI hätte ich dann zwei Faltboote die jeweils ein Ende der typischen Einsatzgebiete von Faltbooten abdecken aber beide auch im normalen Binsenbummlerbetrieb ihren Mann (Boot) stehen. Am letzten Tag auf dem Muldestausee haben wir mit Pascha, Ladoga und GPS-Gerät mal eine kleine geschwindigkeitstestreihe aufgenommen. Hier die Ergebnisse.

Geschwindigkeiten
  Pascha Ladoga I
Wandertempo 6,0 km/h 6,2 km/h
zügiges Wandertempo 6,5 km/h 7,5 km/h
Sprint (100m) 7,5 km/h 9,8 km/h

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»die letzten paar km bis zum Muldestausee (9km)

Da es bis zum Ziel an der Staumauer des Muldestausees nur noch ein Katzensprung war konnten wir den letzten Abschnitt entspannt angehen und hatten auch noch Zeit für Geschwindigkeitstests von Pascha und Ladoga. Wie oben geschrieben gibt es nur am Ende der Geschwindigkeitsskala Unterschiede und wer kauft sich ein Faltboot um 200 Meter-Sprints oder 10km Tempofahrten zu machen? An der Staumauer war es zunächst garnicht so einfach ein ordentliches Plätzchen zum anlegen zu finden. Der Grund war weniger das Gelände als vielmehr der Zustand von Wasser und Ufer (Schlamm, Dreck, sehr flach, Entengrütze ohne Ende). Nach dem Ausladen der Boote war für alle noch genug Zeit wesendliche Sortierarbeiten an Boot und Ausrüstung vor zu nehmen bzw. für Christoph sogar alles abzubauen und zu verstauen um sich direkt auf den Heimweg zu machen. Mit Ausnahme meiner Wenigkeit ging es dann für alle in Richtung Bhf. um zu den in Wurzen und Eilenburg stehenden Autos zurück zu fahren. Währenddessen hatte ich genug Zeit sowohl meinen Ladoga als auch Meckes Vuoksa trocken zu legen und einzupacken. Die Bahnfahrt zu den Startpunkten dauert zwar nur eine gute Stunde trotzdem muste ich fast 4 Stunden auf Mecke und Adrian warten bis sie endlich eintrudelten. Es war ja noch das eine in Eilenburg deponierte Festboot von Christoph zu shutteln und ein Happen zu Essen gönnten sie sich auch noch.

Alles weitere war dann die übliche Heimfahrtroutine.


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»Fazit

Hier kann ich nur sagen die Mulde hat mich sehr angenehm überrascht. Für uns Berliner hat sich hier ein Revier eröffnet, dass sehr schnell zu erreichen ist, sehr gute Anbindungen ans Bahnnetz hat und in seinem Verlauf eine Menge bietet. Daher gehe ich davon aus, dass wir für unkomplizierte 3 - 4 Tage Touren öffters mal vorbeischauen werden. Vor Allem ausserhalb des 1.11 bis 15.07 jeden Jahre wo eine durchgängige Befahrung möglich ist.

 

 

 

 


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