Solo durch die kalte Herbstlandschaft

1 - Die Tour

Wer und Wann

Holger

31.Okt / 1.Nov 2009

>>> Galerie SV

>>> Galerie Photoplayer

>>> GPS-Track

bild
bild

Die Strecke

  1. Tag: Rheinsberg - Möllensee: 20km
  2. Tag: Möllensee - Tornowsee - Neuruppin: 30 km

 

Kartenskizze


3 - Die Tour in Wort und Bild

Raum für den Inhalt von class "column2a-unit-left"

»Intro

Ansich war in etwas größerer Runde eine entspannte Herbsttour auf den den Templiner Gewässern geplant. Nach vielen Schlechtwetterwochenenden versprach der langfristige Wetterbericht für den 31.Okt/1.Nov klares, sonniges aber kaltes Wetter. Wahrscheinlich die letzte Gelegenheit nochmal unter normalen Bedingungen für ein WE an die frische Luft zu kommen. Nach vielen Absagen (Gesundheit, Ausrüstung, Unlust bei kalten Temperaturen) war ich der einzig verbliebende Interessent. Zwar gab es noch eine Einladung nach Thüringen - aber für Eineinhalb Tage lohnt der Aufwand nicht. Nachdem ich wegen der reduzierten Teilnehmer zweimal meine Ausrüstung umgemodelt habe und mich trotz Zweifel zu einer Solotour entschloss war die Frage nach dem Revier zu klären. Templin wollte ich für eine entspannte Gruppentour aufheben. Ideen waren:

  • die Erkner -> Oder-Spree-Kanal -> Müggelspree - Runde (S-Bahn-Netz)
  • Die Nuthe (Regionalbahn und S-Bahn) mit dem Risiko, dass sie zu der Jahreszeit nicht befahrbar ist, also mit Abenteuerfaktor

??? Drei große Fragezeichen

Irgendwann kam mir der zündende Einfall: Ab nach Rheinsberg und den Rhin hinunter. Der ist immer schön, das letzte Mal war ich dort vor 5 Jahren, noch nie im Herbst, jetzt wird da nicht viel los sein und ich kann alleine mal ein paar Seen abseitz der Hauptroute erkunden. Die Fahrzeit hält sich mit jeweils ca 1,5 h für Hin und Rückfahrt auch in Grenzen. - BINGO- das ist es!!!


Raum für den Inhalt von class "column2a-unit-left"

»Sonnabend

...Während man im Sommer (bis Ende Sept.?) mit der Bahn bis Rheinsberg kommt muss man im Herbst auf den Bus zurückgreifen (ab Gransee) - Aber das ging auch ganz gut. In Rheinsberg waren dann leider fast alle Lebensmittelläden zu - Mist, Reformationstag - da hatte ich nicht dran gedacht, Aber ausser Saft hatte ich für die kurze Tour alles dabei. Ein paar frische Brötchen und ein paar Liter Wasser bekam ich im Bäcker, der auch grade schließen wollte. Von der Haltestelle (direkt vor dem Schloss) sind es nur 5 Fussminuten zum Rhin. Der Pascha ist schnell aufgebaut nur das Sortieren der Ausrüstung (ungewohnte Solo-Winterausrüstung) und die Umzieherei dauern länger als im Sommer.

Inzwischen lässt ein Pärchen Ihre Festboote ins Wasser und verabschieden sich: " ... bis Bald, oder auch nicht ... " - wie ich wollen Sie bis morgen Neuruppin erreicht haben aber mit einem anderen Ziel für den heutigen Abend.

Gegen halb zwölf ist mein Zwergenboot samt Inhalt auf dem Wasser und schwimmt gemütlich nach Süden.

Leider hat sich das Wetter nicht ganz so toll entwickelt wie angekündigt. Die tiefstehende Sonne hat Mühe die dünne Wolkendecke weg zu dampfen und bahnt sich zur zeitweise ihren Weg in meine Richtung.

Ich muss mich erstmal an die Temp. gewöhnen, unangenehm ist die Kälte vor allem an den Händen - die sind immer etwas nass. Vorsichtshalber habe ich ein paar Neoprenhandschuhe dabei (für Segler oder Surfer) - macht sich auf Dauer auch nicht so doll. Sie werden innen auch feucht und dann ist es erst recht eiskalt. Im Laufe der Tour habe ich dann gemerkt, dass Fleecehandschuhe viel besser funktionieren. Die werden zwar auch feucht aber es ist dann eher eine warme Feuchte !? Naja ich bin ganz gut über die beiden Tage gekommen.

Ich lasse mir in den kommen Stunden wirklich viel Zeit (zuviel Zeit) zum gucken und knipsen und werde sogar von Leihbootfahrern überholt.

An der Umtragestelle Rheinshagen wird der Pascha interessiert von den Leihbootfahrer bestaunt: "so klein, so leicht, aus Russland?, ideal für einen solchen Fluss .... - tja ist mit so einem Exoten immer das Gleiche.

Nach einer ausgedehnten Pause mache ich mich wieder auf die Reise, achte aber weiterhin nicht auf die Zeit und so wird es langsam spät, später als geplant. Es ist bereits halb Vier - wieder werde ich überholt - diesmal erfahrene Paddler im Festboot. Da hänge ich mich bis Zippelsförde ran, um nicht weiter Zeit zu verschwenden. Paddeltechnisch haben die beide es echt drauf sie nutzen in ihrem Zweier verbotenerweise zwar ein Steuer (verboten wegen Störung der bodennah lebenen Flussfauna) Mit der Richtigen Technik kommen sie fast ohne Geschwindigkeitsverlust um die Kurven, auf grader Strecke ist kein Kraut gegen sie gewachsen.

Fast gemeinsam erreichen wir Zippelsförde. Die Beiden geben mir noch den hilfreichen Tipp mit der alternativen Umtragemöglichkeit - das spart mir spart mir sogar eine halbe Stunde Fahrzeit zum geplanten Übernachtungsplatz. Das ist mehr als hilfreich denn inzwischen ist es schon 16:30 Uhr - das war die geplante späteste Ankunftszeit am Tagesziel. Die etwas längere Umtragung ist mit Bootswagen in 10 min erledigt.

Kurz vor dem Ziel ist es fast dunkel aber der helle Mond und das GPS weist mir den Weg zum Möllensee. Um 17:15 erreiche ich meinen Biwakplatz am Westufer - morgen früh habe ich dann hoffendlich Sonne im Gesicht.

Um halb Sechs ist es eigentlich zu dieser Jahreszeit schon stockduster ich habe aber das Glück, dass sich der Mond als eine recht effektive Lichtquelle erweist, dadurch kann ich mir mein Lager sogar ohne Lampe einrichten - erst beim Tee und Essen zubereiten hole ich die Stirnlampe aus dem Gepäck.

Bei Temperaturen um die Null Grad sollte man annehmen, dass man Lust auf ein Feuerchen hat. Aber im Dunkeln nun noch Holz zu sammeln - nö das spare ich mir diesmal - die Wärme hole ich mir aus einem halben Liter heißem und sehr süßem Tee.

Um halb zehn krauche ich in den Schlafsack und höre noch ein wenig Bundesliga - live im Deutschlandradio-Brandenburg ;-). Das lenkt einwenig von den seltsamen Geräuschen um einen herum ab.


Raum für den Inhalt von class "column2a-unit-left"

»Sonntag

In der Nacht waren es nach Thermometer konstant um die Null Grad. Dass es nicht kälter geworden ist lag sicher an der dünnen Wolkendecke die sich gebildet hatte und so die Wärme an der Erdoberfläche hielt. Um dreiviertel Sieben quälte ich mich aus der kuschliegen Schlafsackumarmung, das war nicht sehr angenehm. Draussen waren die Finger sofort steif - ohne Handschuhe ging nichts. Die Sonne kam auch noch nicht über den Horizont, es dauerte noch gute zwei Stunden ehe die Temperatur langsam stieg. Bei diesen Temperaturen um Null Grad dauert alles irgendwie relativ lange. Die kalten Hände sind einfach sehr hinderlich und die alten Knochen bewegen sich nur langsam und träge.

Kaffe und aufgebackene Brötchen schmecken aber trotzdem und es ist ein Genuss beim Frühstück die Sonne zu beobachten wie sie sich über de Horizont und durch die Schleierwolken kämpft.

Punkt 10 Uhr, also 3 Stunden nach dem Aufstehen sitze ich im Boot und mache mich auf den Weg unbekanntes Gewässer zu erkunden. Den Südteil des Möllensees und die anschließenden Gewässer kenne ich noch nicht und auch der Wassserwanderatlas schweigt sich über die Befahrbarkeit aus.

Ich brauchte sicher eine Stunde ehe mich das Paddeln in einen durchgewärmten Zustand brachte. Die Stimmung auf dem Wasser entschädigte jedoch für diese Mühe.

Der Flusslauf im Süden des Möllensees heißt scheinbar auch noch Rhin. Das Befahren bis zum ersten kleinen Sees war problemlos möglich und durchaus lohnend. Eine Weiterfahrt zum Tholmannsee ist lt. der Angler aber nicht möglich. Auch die Satelitenaufnahmen von Google sehen nicht sehr verheissungsvoll aus. Da es schon nun schon 11 Uhr war und mir für ca 25km noch 5 Stunden blieben versichtete ich auf eine Erkundung - vielleicht bei der nächsten Tour.

Nun hieß es zügig weiter zum Tornowsee - dort wollte ich eine längere Pause machen bevor es zum Ziel nach Neuruppin weitergehen sollte. Auf halber Strecke fing dann auch der Po an sich zu beschweren, er ist ja sonst Pausen mindestens im 2h-Takt gewöhnt. Der Tornowsee liegt wunderschön von Buchenwäldern umgeben, das Wasser machte einen sehr sauberen Eindruck. Die Sonne hat sich inzwischen ihren Weg durch die Wolkenschleier gebahnt und so kann ich meine ausgiebige Pause umgeben vom bunten Blätterwald richtig genießen.

Paddeln im Herbst ist einfach toll - diese Farben sind großartig.

Jetzt sind es noch ca. 12 km bis Neuruppin, großes Bummeln ist nicht mehr drinn wenn ich im Hellen das Boot abbauen will - und ob ich am Ziel gleich eine passene Stelle in Bahnhofsnähe finde ist auch nicht klar. Die nächsten 2 Stunden werden zügig ohne Pause durchgepaddelt, jetzt kann ich mal das Potential des Paschas real beurteilen.Der Pascha braucht für den Kilometer jeweils knapp 10 min - aber das ist über 2 Stunden schon etwas anstrengend. Die GPS-Auswertung zeigt ziehmlich konstante eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 6,3-6,6km/h. Das ist aber schon etwas sportlich. 6km/h sind für den etwas trainierten Paddler bequem drinn. Andere sollten mit 5,5km/h Wandergeschwindigkeit rechnen. Das setzt aber kontinuierlichen Vortrieb vorraus, beim Pascha kann man nicht mal kurz ein paar Schläge aussetzen. Er dreht sich sofort und läuft nicht einfach weiter gradeaus.

Kurz vor halb Vier erreiche ich die Schleuse in Neumühl - aber eine halbe Stunde auf die nächste Schleusung warten kann ich mir nicht leisten - also wird der Pascha unter den Arm geklemmt und umgetragen - ich brauche nicht mal den Gleiswagen benutzen - der Kleine ist wieder mal praktisch.

Zum Anlegen und Abbauen wird mir das Restaurant "Seeperle" vor der Brücke rechts empfohlen. Am Segelverein/hafen neben dem Restaurant kann ich anlanden und Abbauen - 16:15 Uhr - noch über eine Stunde Zeit bis die Bahn abfährt.

Zum Bhf. sind es keine 10 min. 17:28 sitze ich im gut geheizten Zug nach Hennigsdorf und um kurz nach 19 Uhr bin ich zu Hause.

»Fazit

Es hat sich auf jeden Fall geloht denin inneren Schweinehund zu besiegen und alleine los zu ziehen. Die äusseren Bedingungen waren noch ganz ok. Wirklich gefrohren habe ich fast nie - Die Hände waren ab und zu etwas kalt - Ansonsten genügten mittelwarme Klamotten und etwas Bewegung um den Körper warm zu halten. Einzig der Wechsel vom Schlafsack nach draußen war etwas mühevoll.

Einsamkeit bei einer Solo-Tour? Für zwei Tage kann ich es auch alleine aushalten man ist sogar unabhängiger und kann mal was machen, dass in der Gruppe so nicht möglich ist (ungeplante Abstecher, Geschwindigkeitseinteilung, Fotoorgien, Streckenwahl). Im Übrigen trifft man unterwegs immer Gleichgesinnte zum "Gedankenaustausch". Wichtig ist dass man zu dieser Jahreszeit keine Bootspanne oder Kenterung hat - das ist alleine dann sicher sehr unangenehm oder gefährlich.

Darüberhinaus wird die Tour Basis für eine Gruppentour mit sehr kurzen Tagesetappen werden - der Wunsch besteht bei den Wikingern und ist hier gut zu realisieren.