Du, da hinten wird’s heller! oder Ein bisschen Schwund ist immer

1 - Unsere Tour

Wer und Wann

zunächst Mandy und Stefan, später dann noch Rutker und Marius

Juli/August.2009

>>> Galerie

>>> GPS-Track

bild

 

bild
bild

Die Strecke

...

...

...

...

...

bild

2 - Infoblock

!!! Der sonst an dieser Stelle befindliche Infoblock entfällt diesmal

 

bild

Zitat:

...Hi Holger, tut mir leid, aber zum Punkt "Informatives" wird zu unser Norwegen/Schweden-Tour nichts weiter kommen. Unser Reisebericht ist sicherlich etwas prosaischer - sprich er enthält deutlich weniger technische Daten als die meisten Berichte der Website. Aber ich meine die dargestellten Touren sollen ja auch für andere/neue Gegenden animieren und nicht zwingend alle Infos darstellen, die für die Befahrung nötig sind. Ich bitte um Verständnis, .....

Kartenskizze

hier kommt eventuell noch was - vielleicht aber auch nicht

3 - Die Tour in Wort und Bild

bild

Prolog

Holzfällerhandsalbe, Lachse, Walfang, Ölbohrinseln, Elche, Ibsen, Fjorde, für die Slartibartfass in einer anderen Geschichte einen Preis bekam. Das sind die Dinge, die ich mit Norwegen verbinde. Doch was sich noch in diesem Land verbirgt, werde ich hoffentlich ansatzweise nach den kommenden drei Wochen wissen.


bild

16.07.09 Berlin – Markgrafenheide

Die nackten Füße graben sich in den abendlichen warmen Ostseesand, das Salzwasser beginnt in der immer noch brennenden Sonne auf der Haut zu kitzeln. Sommerfeeling vom Feinsten, bevor morgen die Fahrt über die Ostsee beginnt. Am späteren Abend werden Marius und Rutker noch ankommen und nach der abendlichen Völlerei gibt es noch einmal das spätabendliche Rauschen der Ostseewel-len unter einem nicht dunkel werden wollenden Himmel.


bild

17.07.09 Markgrafenheide – Gedser – København – irgendwo im Kattegat)

Gegen 9 Uhr starten wir in Richtung Oslo. Dorthin springen wir mit zwei großen behäbigen Fähren. Die erste hätten wir fast nicht bekommen ☺, weil zwei Briten im Auto vor uns den Check-In-Schalter für die Einholung ausführlicher Reiseinfos nutzen mussten. An der Fähre in Kopenhagen werden wir von einer äußerst liebenswürdigen jungen Einweiserin aufs Boot komplimentiert.

Den Abend verbringen wir Lachsforelle essend und aufs Meer hinausblickend an Deck. Um uns herum leeren sich die Stühle, werden bis auf unsere schon weggeräumt. Die Entspannung kommt über uns, was bei Stefan auch gut an seinem Antihochseewellendrogenpflaster liegen könnte…


bildbild

18.07.09 Oslo – Lunde – Kviteseid

„Und es wird eine Sintflut kommen“

Um sieben Uhr in der Früh sitzen wir allein an Deck der Fähre nach Oslo. Das Schiff scheint noch zu schlafen. Einen Kaffee schlürfend und mit einem kleinen Frühstück vor uns schauen wir den Oslo-Fjord entlang. Die Sonne kommt hinter den Wolken hervor und links und rechts beginnt das bewal-dete und von kleinen Schären verdeckte norwegische Ufer zu leuchten. Schneller als gewünscht sind wir dann in Oslo und düsen die Küstenstraße hinab – auf der Suche nach einem preiswerten Park-platz, den wir dann letztendlich doch am Hauptbahnhof nur wenige Meter von der Fähre entfernt finden. Gemeinsam besuchen wir für eine Stunde Oslo: die Karl-Johann-Gatan, das Schloss mit Schlosspark, ein Internet-Stübel zur Registrierung für den Mautpass. Nachdem wir uns von Marius und Rutker getrennt haben, die zwei Wochen in Schweden paddeln wollen, fahren wir über Kongs-berg nach Lunde. Obwohl es regnet, schafft es Stefan noch, seine ersten beiden Norwegen-Caches zu suchen und zu finden. Am Fährhafen in Lunde wird uns klar, dass die Paddeltour auf dem Telemarkkanal leider nicht wie geplant stattfinden kann. Die von uns eingeplante Fähre geht heute gar nicht mehr, und die anderen schippern zu einem für uns falschen Zeitpunkt über den Telemarkkanal (nur an bestimmten Wochen-tagen 1x täglich). Somit neuer Plan, neues Glück: wir campen in Kviteseid – in der Mitte unserer Pad-delstrecke – und werden von dort mal nach links und mal nach rechts auf dem Telemarkkanal pad-deln. Zum Glück haben sie im „Bibelcamp“ uns Atheisten ohne Murren aufgenommen, denn der Re-gen wird immer stärker und wir wollen so schnell wie möglich das Zelt aufbauen. Das Kochen muss dann leider – leider, denn die Aussicht auf den Fjord ist umwerfend – wegen starkem Regen im Zelt stattfinden. Aber auch das ist Camperromantik.



bild

19.07.09 Auf den Telemarkwassern

Die Sonne scheint (!) und weckt uns mit ihrer Wärme. Schnell wird gefrühstückt und dann das Boot aufgebaut. Gegen Mittag wird es zu Wasser gelassen und trägt uns gen Westen. Natürlich bläst der Wind aus dieser Richtung und lässt unser behäbiges Vuoksa Triton auf den Wellen tanzen. Um uns herum ragen die Felsen hunderte Meter steil auf, der Kviteseidvatnet breitet sich als kleines Meer kilometerweit vor uns aus. Grau dräuen wieder die Wolken über die Grate, aber wir bleiben (fast) trocken. Die Mittagspause findet am Scheitelpunkt Fjagesund auf einer Schafwiese statt. Dazu der Bericht unserer Schafexpertin: Auf norwegischen Wiesen tut sich Seltsames. Der Kampf um jeden Quadratzentimeter Gras scheint ausgebrochen. Unschuldige Paddler, die nur wenige Minuten verschnaufen und einen Kaffee trinken wollen, werden von jungen Kamikaze-Schafen mit gezieltem Anlauf unter blökenden Anfeuerungen der älteren Wolltiere angegriffen. Da hilft nur eins: Der bestens ausgerüstete Paddler nehme sich sein Sitzkissen und gebe dem Jungschaf damit genau eins auf die zwölf. So!

„So habe ich mir das gewünscht und vorgestellt“, schwärmt Stefan. (Nicht der Schafangriff ist gemeint, sondern die Landschaft.) An uns ziehen Felsen vorbei, die in steilem Winkel aus den dunklen Tiefen des Wassers ragen. Sie sind bedeckt von Moosen, Blaubeerbüschen und Nadelbäumen, die sich in die Spalten krallen. Hier und da rauscht ein Wasserfall in die Tiefe. Die Tour endet synchron mit dem Ende unserer Kräfte nach 28 Kilometern Fjordwellen am Camp.

Wie schon gestern sind wir um 23 Uhr vom noch recht hellen Himmel irritiert. Aber schlafen werden wir wie die Steine um uns herum.



bild

20.07.

Und jetzt schläft der Stefan schon wieder wie ein Stein, also muss die Mandy sich jetzt draußen in die Sonne setzen und den heutigen Tag beschreiben. Die angepeilten Kilometer bis nach Lardal haben wir leider nicht geschafft. Dafür haben wir uns ganz viel Entspannung gegönnt. Wir sind auf dem klaren Fjordwasser entlang geschippert, durch das man bis auf den Grund sehen kann, haben Blaubeerbüsche leergefuttert, faul auf Felsen im Fjord rumgelegen und uns von der Sonne verwöhnen lassen. Damit das alles nicht zu langweilig wird, gab es extra einen Wind – nein, Sturm – ach was, Orkan! – von vorn, der uns riesige Wellen entgegenschleuderte, auf denen das Boot ordentlich auf und ab schlingerte. Eine tollkühne Wende auf den Wellenbergen gelang – mit mehr Glück als Verstand. Und dann rollten uns die Wellen wieder heim. Weil es so schön war …

… gab es gegen halb zehn in der Abenddämmerung noch eine Nachfahrt, ein „Dämmerungspaddeln“ im Kviteseidsund. Wie ein Spiegel lag das Wasser glatt da. Hinter den Höhenzügen versank langsam (seeehr langsam) die Sonne und still lagen die Holzhäuschen an den Hängen rundherum. Am Camp wieder angekommen genossen wir die stille Stimmung bei Wasabi-Erbsen und Wodka-Lemon. Noch um Mitternacht stand die Dämmerung im Westen – Zeit, schlafen zu gehen.  


bild

21.07. Kviteseid - Haugsjøsund

Unser erster Campingplatz, auf dem wir nun drei Nächte verbracht hatten, stellte sich heute als ganz normaler Sportplatz eines christlich-orientierten Gymnasiums heraus, der scheinbar nur am Wochenende zum Campen genutzt wird. Deshalb waren wir also in der letzten Nacht die einzigen hier!

Morgens Bootabbau, unterwegs Wanderung am Nisser (Blaubeermeer), der Blick geht weit über das Tal mit mehreren Seen; Fahrt entlang des Nisser, die Straße führt fast auf Wasserpegelhöhe am Ufer entlang und bietet immer wieder unbeschreibliche grandiose Ausblicke.


Der nächsten Absätze spielen sich abseits von schwimmender PVC-Plane und Paddel ab, sollen aber nicht verschwiegen werden.

22.07. Haugsjøsund - Mandal

Der heutige Tag war eine einzige Suche: die Suche nach einem Cache, die Suche nach einer regenfreien Zone und die Suche nach einem Zeltplatz. Zum Glück wurden wir in allen drei Sachen fündig und bekamen noch mehr. Von Haugsjøsund fuhren wir nach Lillesand. Lillesand ist eigentlich ein großer Bootshafen mit kleinen weißen Holzhäusern drum herum, die sich mit ihren Besitzern scheinbar nur auf Grund der vielen Boote dort angesiedelt haben. Alles sehr gemütlich und nett. Leider begann es dann aber so ungemütlich zu regnen, dass wir Kristiansand nur vom Auto aus per Durchfahrt begutachteten und auf der Suche nach einem Zeltplatz die Landschaft nur durch einen Regenschleier sehen konnten. Als der Regen wieder nachließ, legten wir einen Pausenspaziergang in der Paradiesbucht an der Südküste ein. Wenn der Norweger hier einen Tag am Strand verbringen will, kann er komfortable Toilettenhäuschen, kleine Grillkoffer und Unwetter-Notunterkünfte nutzen. Wirklich luxuriös. Von einem Dänen vor Ort erfuhren wir, dass es hier an der Küste seit zwei Wochen regnet. Da hatten wir in den letzten Tagen wirklich Glück gehabt mit unseren Sonnenscheinfahrten. Nach drei Fehlanläufen fanden wir am Abend noch einen netten Zeltplatz vor den Toren von Mandal mit Ausblick auf einen Fluss – ohne Regen!


 

23.07. Mandal - Egersund

Nach einer autoschnellstraßenlastigen Nacht starten wir in einen neuen Tag – Stefan mit einer deutlich weniger laufenden Nase. Zuerst wollen wir uns Mandal ansehen, landen dank einem Cache aber auf einem super Aussichtspunkt namens Uranienborg (wer hat denn da die Buchstaben vertauscht?!) mit Blick aufs Städtele. Weiter geht’s in Richtung Südwesten zum südlichsten Punkt Norwegens: Kap Lindernes mit dem ältesten Leuchtfeuer Norwegens, dem Lindernes Fyr. Alte Flakstellungen künden vom Zweiten Weltkrieg, als sich hier die Deutschen festsetzten. Mandy genießt das Tosen der anbrandenden hellblauen Wellen hoch oben auf dem Felsen, Stefan erkundet die ins Gestein gehauenen Katakomben der Festungsanlage. Das Erlebnis wird gekrönt von einem Eis der Marke „IcePod“ – lecker, lecker!

Anschließend geht es durch Wälder, Felsmassive, an kleinen, an größeren und an riesigen Fjorden vorbei, durch Tunnel, über Brücken, Mautstraßen und Kreisverkehre. So wird die Autofahrt nie langweilig. Ab und zu halten wir und genießen grandiose Ausblicke auf kilometerlange Fjorde, die umstanden sind von im blauen Dunst stehenden, hoch aufragenden Bergen.

Die Fahrt endet auf einem äußerst angenehmen Zeltplatz gegenüber der Stadt Egersund. Wir können unsere Wäsche waschen und kochen in einer gemütlichen Küche mit Hightech-Herd.


bild

Norwegische Betrachtungen, die nicht im Reiseführer stehen

  1. Alles ist hier landschaftlich extrem: wenn Berge, dann hoch und schroff; wenn Fluss, Fjord, See, dann in gigantischem Ausmaß; wenn Wasser, dann eiskalt und klar
  2. Die Toiletten sind ein Paradies für jeden peniblen Toilettengänger. In Norwegen gibt es eine Unmenge an öffentlichen Toiletten. In fast jedem Ort findet man schnell sein stilles Örtchen, das nichts kostet und erstaunlich sauber ist
  3. In Norwegen ist eigentlich halb Europa vertreten. Berge und Täler erinnern an die Schweiz, viele Holzhäuser sind im Schwarzwaldstil erbaut und die Häfen könnte man sicherlich auch in Portugal finden. Die Wiesen mit moosbewucherten Steinmäuerchen und Schafen lassen an Irland denken
  4. Es muss im Sommer in Norwegen nicht unbedingt Mücken geben
  5. Das Stieleis ist auswanderungswert
  6. Die Norweger lassen immer das Licht an
  7. Norweger sind ganz schön ignorant. Im Allgemeinen wirken sie schon gemütlich und auch freundlich – natürlich immer am deutschen Maßstab gemessen. Auf Fragen erhält man auch immer eine höfliche Antwort. Das schon … Doch man wird das Gefühl nicht los, dass sie alle zu lange in den einsamen Bergen gehaust und zu wenig Sonne bekommen haben. Sind sie für sich, haben sie mürrische Gesichter und schauen andere verkniffen an. Auch im sozialen Gewusel zeigen sie wenig Gespür für andere. Man bleibt in Durchgängen stehen und ignoriert die Masse hinter sich, tritt ohne mit der Wimper zu zucken armen Reisenden auf die Füße, nimmt Platz für sich in Anspruch, ohne nach links und rechts zu schauen. Und begegnet man Jugendlichen auf der Straße, weiß man, warum die sanften Klänge des Death Metall zum großen Teil aus Skandinavien kommen

24.07. Egersund– Haugesund

Ich glaube, ich habe meinen höchstpersönlichen Traumcampingplatz gefunden. Es ist jetzt 18 Uhr, die Sonne scheint mir direkt ins Gesicht, der Wind streicht vorsichtig an meinen beiden Segeln entlang. Vor mir liegen Steinbuckel, die sich ins Meer hinausgeschoben haben. Nur wenige Meter entfernt grasen die Schafe und mähen beleidigt vor sich hin, weil die Möwen über ihnen grade einen riesen Krawall veranstalten. Wenn ich etwas nach links schaue, sehe ich in der Ferne einen weißen Leuchtturm stehen. Kann es noch etwas Schöneres geben?

Heute Morgen hat es beim Aufstehen noch ein wenig genieselt. Doch die Sonne kam bald heraus und wir besichtigten die Hafenstadt Egersund: kleine Holzhausgassen und ein Schiffshafen. Eine Stunde später gab es noch eine Hafenstadt – nur einige Nummern größer. Stavanger als Norwegens Ölmetropole geizt in Bezug auf Öffentlichkeitswirksamkeit nicht mit ihrem Reichtum. Moderne Neubauten und kleine weiße Häuschen mit überbordendem, farbenprächtigem Blumenschmuck. Im Hafen fand heute ein Fest statt, wo die Reichen zeigten, was sie sich alles in Sachen Schlemmerei leisten können. Es war einen Ausflug wert.

Die letzte Etappe führte uns dann von Stavanger nach Haugesund. Neben den Straßenkilometern mussten Tiefen von 232 Metern unter dem Meeresspiegel und eine 20-minütige Fährfahrt auf schaukelnden Wellen überwunden werden. Nun sind wir für heute angekommen und bereiten uns erst einmal eine anständige Pølser mit Reis zu. Schließlich muss man auch mal was anderes essen, als immer nur Pølser mit Brot, Pølser mit Kartoffeln, Pølser in Suppe oder Pølser mit Nudeln.
Nachtrag: Am Abend entdeckt Stefan noch die soziale Intelligenz der Schafe, während er ihnen beim Schlafengehen zusieht. Ganz angetan war er davon, wie sie ihre dicken Puschelpos vorsichtig aneinanderschmiegten, während sie sich gemeinsam in eine Schlafkuhle begaben.

Brehms kleine Schafkunde: Schafe schütteln sich nach dem Regen wie Hunde; Schafe sind am felsigen Hang beweglicher als vermutet; Schafe schlafen im Liegen, den Kopf auf dem Boden; Schafe schubbern ihren Rücken an überhängenden Felsen. Na schaf!



bildbildbild

25.07. Haugesund–Leirvik– Eidfjord

Heute gibt es wieder einiges aus dem Land der Blaubeeren und Fjorde zu berichten.  Eine dicke Regenwolke sorgte am Morgen dafür, dass es ein schnelles Frühstück im Auto und somit auch eine schnelle Abreise von einem traumhaften Campingplatz gab. Dann fuhren wir über hohe Brücken, durch tiefe, tiefe Tunnel (Maximaltiefe heute 262 Meter unter dem …fjord) und mit der Fähre von Leirvik nach Ranavika. Wir jagten wilde Caches auf Schafwiesen und sahen unsere ersten Gletscherzungen zwischen Gebirgsriesen auftauchen. Ein bisschen Kultur gab es in Rosendal. Dort besuchten wir den Park und den Rosengarten der Familie Rosenkrantz und wurden Zaungäste einer Hochzeitsgesellschaft.

Jetzt hocken wir wie Frodo und Samweis vor riesigen schwarzen Felsen und braten Pølser und Maiskolben in unserer kleinen Pfanne. Die schwarzen Wolken hängen tief und lassen nur ahnen, wie hoch die Gipfel über uns hinausragen. Vor uns liegt das dunkelgrüne Wasser des Fjordes und zwischen einigen schwarzen Wolken leuchten weiße Schneefelder auf den Bergen. Aber – es gibt noch immer keine Mücken.

Autofahr-Exkurs

Als Beifahrer kann auch ich kaum den Ausblick genießen. Vor Schreck über ein entgegenkommendes Auto muss ich nämlich immer die Augen zukneifen. Warum? Auf einer Straße mit gefühlter Zwei-Meter-Breite ist einfach nicht genug Platz für uns und einen LKW, der auf der Mittel­linie fährt. Meistens warten sie auch noch heimtückischer Weise hinter einer nicht einsehbaren Kurve, um dann mit einem brausenden „ÜBERRASCHUNG“ hervorzustürmen. Man kann auch nicht ausweichen. Würde man es versuchen, endet man entweder im Fjord oder passgenau in den Ritzen der Felswände. Die Norweger halten sich zwar an die Geschwindigkeitsbegrenzung, fahren aber trotzdem sehr sportlich und nutzen jeden Zentimeter Straße für sich.


26.07. Eidfjord–Bergen

Das bestimmende Element des  heutigen Tages war „Wasser von oben“. Morgens blieb es noch als schwarze Wolke an den düsteren Klippen von Mordor hängen. Eine Stunde später fiel es dann als Touristenattraktion den Vøringfoss-Wasserfall hinab. Groß und laut tosend. Ein etwas kleinerer, aber für uns spektakulärerer Wasserfall, war der Fossa-Fall. Zuerst wurde er bei Eis und Kaffee von vorn beschaut und dann bei einer kleinen Wanderung von der Seite und von hinten – ein richtiger Wasserfall zum (trockenen) Durchlaufen.

Das letzte Wasser des Tages kam dann von ganz oben. Aber eigentlich war das kein Wunder, wenn man in Bergen, der Stadt mit der höchsten Niederschlagsmenge Norwegens, ist. Die Campingplatzwiese war ein einziges Moor und von oben plätscherte der Regen fröhlich auf uns herab. Da half nach einer sheep-seeing-tour (Hier ein kleiner Hinweis für zwischendurch: Wenn man mal das Gefühl hat, allgemein nicht genug Aufmerksamkeit zu bekommen, muss man sich an eine Wiese mit Schafen stellen und laut niesen.) nur der Gang ins Zelt. Und schlafen!


bildbildbildbild

 

27.07. Bergen–Brekke

Tuuuuuuuuuuuuunnnnnnneeeeeeeeeeeeelllllllllllllllllll – Luft - Tuuuuuuuuuuuuunnnnnnneeeeeeeeeeeeelllllllllllllllllll – Luft – Tuuuuuuuuuuuuunnnnnnneeeeeeeeeeeeelllllllllllllllllll.

So klingt grad der Rhythmus der Straße. Wir haben Bergen hinter uns gelassen und fahren durch mindestens 5000 Tunnel zum Sognefjord. Wenn mal keine schroffe Tunnelwand in der Dunkelheit zu erkennen ist, dann erheben sich links und rechts schroffe Bergriesen. Die unteren Geröllbrocken sind von leuchtendem Moos bedeckt und dann taucht plötzlich wieder ein Fjord auf, der sich kilometerweit an den Gebirgsbuckeln entlang zieht. Doch selbst dieser berauschende Anblick kann heute nicht der Tageshöhepunkt werden. Diesen erlebten wir gegen 13 Uhr in Bergen: Man stelle sich zwei Personen am Hafen von Bergen vor. Hinter ihnen tobt der Trubel des Fischmarktes, wo wirklich alles angeboten wird, was jemals Meer- oder Süßwasser durch seine Kiemen gezogen hat. Doch die beiden interessiert diese bunte Menge an Fisch (und leider auch Säugetier) jetzt herzlich wenig. Auf ihren Knien halten sie gemeinsam einen Teller. Dieser trägt ein Brötchen von 20 Zentimeter Durchmesser. Dieses Brötchen ist das Fundament eines Berges aus Krabben, Garnelen, Lachs und Kaviar. Und diese Unmenge an Köstlichkeit verschwindet nun Bissen für Bissen hinter den hingebungsvoll vorgestülpten Lippen der beiden Genießer. Einzig die sie umkreisenden Möwen beäugen neidvoll dieses genießerische Glück.

Aber natürlich hat Bergen auch noch andere besuchenswerte Besonderheiten zu zeigen. Gegenüber der Ölmetropole Stavanger geht es in Bergen beschaulicher und gemütlicher zu. Es lohnt sich, das alte Hafengebiet Brygge anzuschauen, mit seinen alten windschiefen Holzhäusern. Die Häuser stehen so eng beieinander, dass nur engste Gassen einen Durchgang zulassen. Und die Stiegen in die oberen Etagen kann nur ein Seemann mit genug Rum im Blut und entgegengesetzter Schieflage meistern. Vom höchsten Berg, dem Ulriken, hatten wir nach einer Fahrt mit der Standseilbahn einen schönen Blick auf ganz Bergen und auf dem Rückweg den Berg hinab schlichen wir andächtig durch die kleinen Gassen der Altstadt. Bergen ist schön!

Jetzt sitzen wir mit einem Tee am Sognefjord (der ist groß) mit dem Blick auf viele, viele dunkelblaue Bergrücken und unter einem Himmel, der alle Arten von Regenwolken, Regen und Sonnendurchbruch gleichzeitig zeigen will.

Eine letzte Besonderheit steht uns heute aber noch bevor. Über ein halbes Kilo Garnelen wartet darauf gebrüht, gepult und genossen zu werden. Wenn die Krabben noch frisch sind, kann der Norwegenbericht morgen fortgesetzt werden …


bildbild

28.07. Brekke–Balestrand

Ach, wie angenehm ist doch die Sommerfrische! Man widmet sich der freudvollen Erholung und dem Genuss. Den Blick lässt man über schneebedeckte Wipfel gleiten, hinüber zum grün leuchtenden Wasser des Sognefjordes und lässt ihn letztlich auf den vor einem liegenden blaubeer- und moosbedeckten Hügeln ruhen. Die letzten Sonnenstrahlen liegen auf den Wangen und man genießt die friedvollen Stunden auf seiner kleinen Sommerlaube. Noch heute Morgen mussten wir uns wie gemeine Touristen aufs Gesicht regnen lassen – durch das Zelt hindurch. Einfach eine Unverschämtheit! Doch nun sitzt man vollkommen entspannt vor dem kleinen Holzpalast, zu Füßen eine sich weitstreckende Wiese und genießt den ach so erholsamen Abend in Dragesvik bei Balestrand, wo bereits der olle, deutsche Kaiser seinen Sommer verbrachte. Man erging sich in Ruhephasen, lustigen Cachesuchspielen im Wald und dem Sammeln kleiner Blaubeernäschereien. Nun erfreut sich der Hausherr bei der Erkundung einer neuen Variante der Pølser-Zubereitung und die Dame legt ihre Gedanken mit sanfter Hand und wirrem Hirn nieder.


bildbildbildbild

29.07. Gletschertour nach Fjaerland

Der Kaffee wärmt ein wenig, doch leider sind die Füße immer noch kalt. In diesem Moment sitze ich an einem kleinen, roten, mit bunten Blumen, Vögeln und einem Füllhorn bemalten Küchentisch. Der Küchentisch steht in einer kleinen Lesestube in dem abgelegenen Ort Fjaerland. Hätte man nicht vor 20 Jahren einen Tunnel durch die Berge bis hierher gebohrt, dann würden bis heute nur einige Gletscherwanderer per Boot hier am Ufer anlegen. Auch wir beide sind heute Morgen per (Diesel)Dampfboot hier gelandet. Das Boot schipperte von Balestrand aus über den Sogne- und Fjaerlandsfjord nach Fjaerland. Von dort aus fuhren wir ins Bremuseum, in dem man alles wirklich Wissenswerte über Gletscher, ihre Entstehung und ihre Auswirkungen erfährt. Im Gletschermuseum gab es einige Experimente, die man selbst durchführen konnte – mit echtem Gletschereis. Verblüffend: blaue Testflüssigkeit tropfte deutlich sichtbar durch das Gletschereis hindurch (da die Eiskristalle Zwischenräume haben).

Danach fuhren wir mit dem Bus weiter zu zwei Gletscherarmen, die jeweils Ausläufer des Jostedalsbreen – dem größten Gletscher des europäischen Festlandes - darstellen. Die Gletscher leuchten magisch weiß-blau, wie auch das Wasser, das in kleinen Strömen die Berge hinunterfließt.
Nun warten wir im verregneten Fjaerland auf unsere Fähre, die uns nach Balestrand zurückbringen wird. Der Ort selber ist allein durch seine vielen Antiquariate interessiert. In fast jedem Schuppen, jedem Haus und in Regalen an der Straße stehen alte Bücher. Das Dorf der träumenden Bücher!

Gletscher – was ist das eigentlich? Gefallener Schnee oben auf den Bergen wird zu Eis und fängt an, durch die hohe Neigung des Hanges ins Tal zu fließen. Eis fließt? Ja, unter hohem Druck wird es an der Gletscherunterseite plastisch und der Eispanzer fließt ins Tal. Dabei führt er Geröll – Steine und Kies – mit, die die Berghänge abschleifen – und über zehntausende Jahre so die Fjorde erschaffen haben. Vom Gipfel bis zum Fjordgrund 2800 Meter tief! Warum ist das Gletschereis schlumpfblau? Im Eis befindliche Partikel filtern Rot und Gelb heraus; das austretende Licht erscheint so blau.
Die Gletscherspalten entstehen durch Felsbuckel, um die der Eispanzer fließt. Er reißt dann oben vielfach auf.

Grandios der Blick, unten am Gletschersee stehend, darüber die Wasserfälle, die aus dem oben über die Gipfel ragenden, zerklüfteten hellblauen Gletscher hervorstürzen. Das Wasser ist blaumilchig, eiskalt und weich. Es stammt von 1000 Jahre altem Gletschereis.



bildbild

30.07. Dragsvik – Lom

Immer am Fjord entlang! Links und rechts liegen die steilen Bergwände, immer wieder werden die Hänge etwas sanfter und sind von Obstbäumen bestanden. Das Wasser leuchtet mal smaragdgrün, mal mintfarben. Wasserfälle stürzen die Steilwände hinab. Hinter dem Jostedalen beginnt der Sognefjellvegen in Richtung Jotunheimen. Jotunheimen soll angeblich das Land der Riesen sein, mitten in Norwegen. Na klar, jedem seine Einbildung! Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese gigantischen Fjordfelsen noch übertroffen werden können.

In Serpentinen trägt uns unser Auto die enge, teilweise nur einspurige Straße höher und höher hinauf. Die Landschaft wird immer rauer, es gibt keine Bäume mehr, nur Felsen, Heidekraut, Moos und Weite. So muss das schottische Hochland aussehen. Der Wind braust und treibt die Regenwolken dem Gipfel des Galdahøppigen zu. Höher geht es nicht – denken wir. Doch kaum sind wir um die nächste Bergkuppe herumgefahren und haben ein paar weitere Höhenmeter geschafft (von bisher 260 Meter u.M. bis 1350 Meter ü.M.), nimmt uns ein Anblick gefangen, der die Augen immer größer werden lässt: schneebedeckte, schroffe Berge, riesige bläulich-schimmernde Gletscher, die sich den Berg hinunter schieben, blau leuchtende Gletscherseen, die vom Wind aufgepeitscht werden. Wir sind tatsächlich in Utgard, dem Land der Riesen gelandet. Mitten im Sommer stehen wir hier oben im Garten aus Fels und Eis. Die Landschaft scheint ins Unendliche zu laufen, als ob hier wirklich die Welt der Menschen zu ende ist.


bild

31.07. Lom – Fagerness

In dieser Nacht haben wir in Lom campiert. Laut Herrn Schmidt, unserem bislang zuverlässigen Reiseführerautor, fällt in Lom nur ganz wenig Regen, weniger als in mancher Wüstengegend. Da frage ich mich doch nun ernsthaft, warum meine Schuhe seit gestern Abend nass sind. Was klopft dort seit dem Zeltaufbau auf unser Zeltdach? Ist das der Wüstensand? Warum ist Sonne nur noch eine Erinnerung aus lang vergangenen Tagen? Aber Jammern vertreibt die Wolkensuppe auch nicht; deshalb begeben wir uns erneut in den Regen hinaus. Vorbei an Holhütten mit Wiesendach und Schafen, um die man auf der Landstraße Slalom fahren kann, reisen wir von Lom an der Ostseite Jotunheimens in Richtung Süden. Die Cachesuche führt uns wieder, wie auch bereits gestern, zu aussichtsreichen Punkten. So z.B. an den Ridderspranget, eine Felsschlucht, durch die ein Wasserfall wild tost.

Unsere geplante Wanderung am Gjendesee über den Bessegg muss heute leider aufgrund des regnerischen Wetters und unserer angegriffenen Gesundheit entfallen. Doch um nicht ganz als lasche Wanderpuffer dazustehen, versuchen wir uns am Uferwanderweg des Gjende. Von der Autorin des Jotunheimen-Wanderführers konnte man erfahren, dass der Uferweg sehr, sehr komfortabel ausgebaut sei, mit Sitzmöglichkeiten, geradezu lächerlich für einen Wanderer. Dass bei Regen jedoch aus allen Bergritzen Rinnsaale sprießen und den gesamten Weg unter Schlamm und Wasser setzen, wusste sie wahrscheinlich nicht. Deshalb muss dieser Versuch abgebrochen werden und wir steigen noch einige Meter den Bessegg hinauf, um etwas von der schönen Aussicht über den See auf die schneebedeckten Gipfel abzubekommen.

Danach fahren wir in einer Höhe von 1400 Meter über eine Hochebene, nur kleine Felsbrocken und Moos sind zu sehen, direkt unter den Wolken hinweg.

Das Ziel ist heute Fagerness und einer seiner tausend Campingplätze. Wir erwischen einen kleinen Platz, nahezu menschenleer, der seine besten Tage schon hinter sich hat. Doch was für ein herrlicher Bootssteg wartet hier auf uns, mit großartiger Aussicht und – Sonne! Optimal um auszuruhen, zu kochen und den Tag ausklingen zu lassen.


bild

01.08. Fagerness – Hønefoss

Es gibt ihn doch, den Sommergott! Wie lange haben wir in den Himmel gestarrt, um zwischen den dichten dunkelgrauen Wolken eine Winzigkeit seiner Pracht zu entdecken. Vergeblich flehten wir das Grau an, wenigstens dicht zu halten, wenn es uns schon das Licht nehmen muss. Vergeblich! Grimmig lächelnd hat es immer wieder auf uns herabgenässt. Doch seit gestern Abend werden unsere Bitten erhört. Ein Regenbogen kündete abends bereits von dem kommenden Sommer. So konnten wir heute in der Morgensonne auf „unserem“ bereits umschwärmten Bootsanleger ein feudales Frühstück mit heißer Kokosschokolade einnehmen. Und nun sitzen wir am Strand des Tyrifjorden südlich von Hønefoss, die Hosen reichen uns nur bis zum Knie und wir haben eine Sonnenbrille auf – jeweils eine pro Person. Und was ich noch festhalten soll: Es ist warm!


Nun geht es wieder faltbootdominiert in Schweden weiter - Schwedischer Abg(es)ang

bildbild

02./ 03.08.
Hønefoss – Gustavsfors - Billingsfors

Alles scheint sanfter in Schweden. Die Landschaft mit ihren kleinen Buckeln und Seen, die Straßen, die sich breit durch die Wälder schlängeln, das Tempo der Öffentlichkeit, das Auftreten der Menschen.

Wir waren erst wenige Stunden in Schweden und sofort war da dieses Michel-aus-Lönneberga-Gefühl. Grüne Wiesen mit Birken, rot-weiße Holzhäuser, Kühe und Schafe – das ist Schweden, wie man es sich vorstellt. Norwegen war erhebend und besonders, Schweden ist gemütlich und erholsam. Und wenn der Regen jetzt noch aufhören würde, könnten wir aus unseren Zelten krabbeln und lospaddeln.

In Schweden trafen wir uns wieder mit Marius und Rutker, um gemeinsam auf dem Dalslandkanal zu paddeln. Vor der Fahrt sind noch einige logistische Umwege zu meistern. Das Umstellen der Autos verschlägt uns an den Bahnhof von Mellerud. Dieser beherbergte seit Mitte des 19. Jahrhunderts die erste Poststation der Gegend. Dann brachte uns der museumsreife Schienenbus an unseren Ausgangspunkt für die dreitägige Paddeltour. Der Schaffner lümmelte sich in einem Polstersessel im Führerstand. Eisenbahnromantik pur!


bildbildbild

04.08. Schwedische Versprechungen

Die Schweden scheinen alles daran zu setzen, dass sich ihre Touristen wohl fühlen. Sie erzählen ihnen sogar Märchen. Am Montag versprach der Wetterbericht: Vielleicht gibt es mittags noch eine kleine Wolke, aber dann kommt die Sonne. Auch der Mann am Bahnhofskiosk erklärte: „Ab morgen habt ihr fünf Tage Sonne.“ In Ordnung, am Montag hat der Wetterbericht nicht so ganz gestimmt, sonst hätten wir nicht im Zelt gesessen und unseren Schwimmhäuten beim Wachsen zugesehen, sondern wären schon mit dem Boot auf dem Wasser gewesen. Aber ab morgen wird`s besser!

Nur, warum regnet es jetzt am Dienstag schon wieder? Hat der die ganze Nacht über anhaltende Starkregen nicht gereicht? Der lange Weg zur Dusche war kaum noch über die schmalen Holzplanken zu erreichen, weil diese bereits laut schmatzend im Schlamm versanken. Am besten man paddelt los. Irgendwann und irgendwo wird sich schon ein Wolkenloch finden.

Aber ein netter Schwede und Schleusenwärter gab uns neue Hoffnung: „Ja, dieser Sommer ist historisch. Es ist der verregneteste Sommer seit 35 Jahren. Ihr könnt euren Kindern davon erzählen, dass ihr dabei wart. Aber ab morgen, da wird es wirklich sonnig.“ Seltsam war nur, dass er uns vor seiner Wetterprognose fragte, ob wir morgen nochmal vorbeikommen oder weiterfahren?!

Doch er schien Recht zu behalten. Die Regenwolken verschwanden und wir bekamen noch einen sonnigen Abend. Marius und Rutker schipperten mit mir auf eine kleine Halbinsel mit 3000-Jahre-alten Felszeichnungen. In der Zeit jagte Stefan auf unserem Biwakinselchen Cantarellas, die schwedische Verwandte des Pfifferlings. Das gab ein abendliches Gelage, welches ich auf Wunsch eines einzelnen Herrn hier noch einmal für die Nachwelt festhalten soll: Das Vorspiel gab eine Pilz-Creme-Suppe an frischen Cantarellas in Begleitung eines Steinpilzes; der Hauptgang wurde mit Kartoffelmoussee in Harmonie mit gebratenen Buttercantarella, Würstchen, geschmorrten Zweibelringen und Speck zelebriert; das Finale bildete eine Wanne voll Schokoladenpudding, ertränkt in Vanillesauce. Das Ganze wurde in finsterer Nacht an einem knisternden Lagerfeuer mitten in einem ruhigen Wäldchen das mitten in einem schwedischen See liegt gereicht. Mann, kann es uns gut gehen!



bildbildbild

05.08. Am Aquädukt von Haverrud

Der See liegt wie ein Spiegel unter uns. Man ist schnell mit dem Ausdruck bei der Hand: „Das Wasser war spiegelglatt.“ Aber dieses Wasser hier war wirklich ein Spiegel. Und wenn man sich dann noch in aller Herrgottsfrühe über so einen See schiebt, der Morgennebel an den Ufern aufsteigt und selbst die Enten einen noch verschlafen anblinzeln, dann kann man gut seine innere Ruhe finden.

Wir mussten zeitig los, um den Wasserfall am Aquädukt von Haverrud zu erleben, der immer kurz nach 11Uhr losgelassen wird. An diesem Aquädukt liegen vier Verkehrswege übereinander: Bahn, Straße, Schleusenkanal und der alte Flussarm. Zuerst wurden wir durch diesen Knotenpunkt geschleust, wobei man über eine Brücke paddeln muss, um uns danach das große Wasserfallspektakel anzusehen.

Nach einer ausgedehnten Pause auf dem Bootssteg und einem Besuch im Handwerkshaus landeten wir recht schnell auf unserem letzten Biwakplatz, wo der Tag ruhig zu Ende gehen sollte. Doch man sollte sich nie zu voreilig freuen. Da fährt man auf eine kleine Insel auf einem Naturplatz, in der Hoffnung, die Abgeschiedenheit und Ruhe genießen zu können. Man sitzt an seinem Feuer, lauscht dem Tröten der Wildgänse – und hört eine Motorjacht. Diese landet natürlich an „unserer“ Insel. Bald gefolgt von einer zweiten und dritten. So konnten wir erleben, wie die schwedische Jugend ihre Sommernächte zelebriert. Ein Erlebnis, auf das wir auch gern verzichtet hätten. Zum Glück war das Bier bald alle und kurz nach Mitternacht konnte wir in Ruhe einschlafen.


bildbildbild

06.08. Hinaus aufs (Binnen)Meer, zurück in die Realität

Der Tag begann ganz wunderbar auf unserem abgelegenen Biwakplatz. Kaviareier essen, den Ausblick genießen, sich freuen, dass das Leben so schön sein kann. Danach bekamen wir das große Wasser zu sehen, denn unsere Paddelreise endete auf dem Vännern. Man könnte ganz schnöde von einem See sprechen. Doch der Vännern ist so groß, dass man glaubt, in seiner kleinen Nussschale auf dem Meer zu schwimmen. Diesem schönen Erlebnis folgte jedoch bald eine böse Überraschung.
Stefan und Rutker holten die abgestellten Autos und mussten feststellen, dass Rutkers Auto am Bahnhof von Mellerud aufgebrochen und ausgeräumt worden war. Dieses Ereignis ermöglichte uns dann einen Einblick in die schwedische Polizeiarbeit. Allein eine Polizeistation zu finden war schwieriger als ein 5-Sterne-Restaurant mit tibetischem Oberkellner aufzutreiben. Gefragte Einheimische wussten nicht, wie oder wo man die Polizei findet. Die nur über Umwege erreichbare Telefonauskunft war so überfordert, dass man schnell annehmen konnte, der Begriff „Polizei“ käme nur in alten schwedischen Legenden vor.

Hat man die Polizei dann erst einmal gefunden, muss man versuchen, sie im richtigen Moment anzutreffen. „Nur wenn die Sonne in der sechsten Stunde auf einen Tautropfen trifft und dessen Glanz sich im Auge einer Nachtigall spiegelt, dann kannst du sie finden.“ Nun, ganz so schlimm war es nicht. Aber wenn die schwedische Polizei Ferien macht und nun wenige Stunden an ausgewählten Tagen zu sprechen ist, kann man das schon als Kuriosum darstellen.

Da es in Mellerud und Umgebung keine Polizeistation gab und auch kein Polizist geschickt werden konnte, fuhren wir nach Udevalla, wo Rutker und Stefan fast zwei Stunden lang einer überforderte, junge Polizistin den Fall erklärten und ihr Tipps zum weiteren Handeln gaben. Das Fazit waren eine Vorgangsnummer und ein Briefumschlag für weiteren Schriftverkehr in Richtung Schweden.
Rutker schwankte nun zwischen sofortiger Mammuttour nach Hause und einem letzten Übernachten in Schweden. So fuhren wir bis zum Dunkelwerden in Richtung Süden und schlugen unsere Zelte in Torekov am Kattegat auf.


bild

 

07.08. Swedish Summer!

Es sollte noch ein letzter richtiger Sommertag werden. Bevor Marius und Rutker nach Hause fuhren, besuchten wir den kleinen Küstenort Torekov mit seinem Segelhafen, schlugen uns den Bauch mit süßem Eis voll, entgingen siegreich dem Angriff der Killermarienkäfer und wanderten ein wenig am Strand entlang. Der restliche Tag diente dem anstrengenden Schlafen im Schatten, dem Lesen, Köcheln und einer Besichtigung der Abendsonne über dem Kattegat.


bildbild

Epilog

Der Schiffsmotor dröhnt eintönig vor sich hin. Im Hintergrund glaubt man das Rauschen der Bugwelle zu hören. Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel herab. Nach den letzten drei Wochen gehen einem viele Bilder durch den Kopf: grünes Wasser, tiefe Tunnel, regennasse Schafe, gekochte Garnelen, wasserreiche Wolken, nasses Zelt, enge Fjordstraßen, blauleuchtende Gletscher, kilogrammweise Blaubeeren, hohe Wellen, blonde Kinder, ruhige Paddelmomente, tausende Pølser, erstaunlich wenig Mücken, gemütlicher Straßenverkehr, viele Fähren, schwindelerregende Preise, ein kämpferisches Lamm, muffige Klamotten, neonbunte Waschtasche mit Tochterschiffen, gesplittertes Glas.

Und das Wissen: „Da hinten wird’s heller…“
Aber auch: „Ein bisschen Schwund ist immer.“

Mandy & Stefan Ast
Norwegen/Schweden im August 2009 / Berlin November 2009




Ende